Anfra­ge Comte (12.1084): Pri­va­te Aus­kunf­tei­en. Wel­che Hand­lungs­mög­lich­kei­ten gibt es?

Eingereichter Text

In sei­ner Ant­wort auf die Moti­on Sava­ry 12.3578, “Boni­täts­da­ten­ban­ken. Ein Pro­blem, das gelöst wer­den muss”, ver­weist der Bun­des­rat auf die kom­men­de Revi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über den Daten­schutz (DSG) und ruft in Erin­ne­rung, dass pri­va­te Kre­dit­aus­kunf­tei­en für die Bear­bei­tung von Daten das DSG zu beach­ten haben.

Nach­dem es Money­hou­se im Rah­men einer super­pro­vi­so­ri­schen Mass­nah­me ver­bo­ten wur­de, sei­nen Dienst “Per­so­nen­su­che” wei­ter­hin anzu­bie­ten, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt es dem Unter­neh­men erlaubt, erneut Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, vor­aus­ge­setzt, dass den Begeh­ren betrof­fe­ner Per­so­nen um Löschung ihres Pro­fils innert 24 Stun­den – und nicht innert eini­ger Tage oder Wochen – nach­ge­kom­men wird. Offen­bar sieht die Rea­li­tät jedoch anders aus, und Per­so­nen, die sie betref­fen­de Infor­ma­tio­nen löschen möch­ten, kön­nen dies nicht pro­blem­los tun, da gewis­se die­ser Unter­neh­men bei der Gesuchs­be­hand­lung bös­gläu­big han­deln oder die Löschung sogar ver­wei­gern, mit der Begrün­dung, es hand­le sich um öffent­li­che Daten.

Ich stel­le dem Bun­des­rat daher fol­gen­de Fra­gen:

1. Zieht der Bun­des­rat kon­kre­te Mass­nah­men in Erwä­gung, damit die betrof­fe­nen Per­so­nen ihre per­sön­li­chen Daten auch wirk­lich löschen kön­nen – und zwar unkom­pli­ziert und ohne dass ihnen dies zu Unrecht ver­wei­gert wird?

2. Hält es der Bun­des­rat für mög­lich, dass die Ver­öf­fent­li­chung von fal­schen oder ver­al­te­ten Daten eine Straf­tat (Ehr­ver­let­zung) dar­stel­len oder zu Anspruch auf Scha­den­er­satz (Ver­let­zung der Per­sön­lich­keits­rech­te) füh­ren könn­te?

3. Teil­wei­se wer­den auf die­sen Web­sei­ten auch Daten von Min­der­jäh­ri­gen ver­öf­fent­licht. Ist der Bun­des­rat nicht der Mei­nung, dass die­se Pra­xis umge­hend ver­bo­ten gehört?

Antwort des Bundesrates v. 14.11.2012

Der Eid­ge­nös­si­sche Daten­schutz- und Öffent­lich­keits­be­auf­trag­te (Edöb) hat­te die sofor­ti­ge Sper­rung der Per­so­nen­such­funk­ti­on des Inter­net­diensts Money­hou­se bean­tragt, nach­dem bei ihm zahl­rei­che Beschwer­den von Per­so­nen ein­ge­gan­gen waren, die ihre Adres­se gesperrt hat­ten und sich wegen der Publi­ka­ti­on in die­sem Inter­net­dienst auf­grund ihrer kon­kre­ten Situa­ti­on an Leib und Leben bedroht sahen, deren Löschungs­ge­such von die­sem aber nicht behan­delt wur­de. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Zwi­schen­ver­fü­gung vom 6. August 2012 ent­schie­den, dass die Ver­öf­fent­li­chung von gesperr­ten Adress­da­ten daten­schutz­recht­lich pro­ble­ma­tisch sei. Zur Abwen­dung von Nach­tei­len für betrof­fe­ne Per­so­nen genü­ge es, wenn der Inter­net­dienst deren Löschungs­ge­su­chen glei­chen­tags nach­kom­me. Für den Edöb hin­ge­gen ist die Publi­ka­ti­on von gesperr­ten Adres­sen im Inter­net inak­zep­ta­bel.

Der Bun­des­rat ant­wor­tet wie folgt auf die Fra­gen:

1. Der Bun­des­rat wird den Umgang mit gesperr­ten Adres­sen im Rah­men der Revi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über den Daten­schutz prü­fen, ins­be­son­de­re auch in Bezug auf die Fra­ge, ob kon­kre­te Mass­nah­men zu tref­fen sind, damit einem Löschungs­ge­such unkom­pli­ziert und schnell effek­tiv auch ent­spro­chen wird. Die dies­be­züg­li­chen Arbei­ten sind erst ange­lau­fen; er kann sich des­halb noch nicht zu die­ser Fra­ge äussern.

2. Ob eine Straf­tat, nament­lich ein Ehr­ver­let­zungs­de­likt, vor­liegt, hängt immer vom Ein­zel­fall ab. Glei­ches gilt für die Fra­ge, ob die Ver­öf­fent­li­chung von fal­schen oder ver­al­te­ten Daten zu einem Anspruch auf Scha­den­er­satz wegen Ver­let­zung von Per­sön­lich­keits­rech­ten füh­ren könn­te. Arti­kel 28a Absatz 3 des Zivil­ge­setz­bu­ches sieht bei einer wider­recht­li­chen Per­sön­lich­keits­ver­let­zung die Mög­lich­keit einer Kla­ge auf Scha­den­er­satz und Genug­tu­ung sowie auf Her­aus­ga­be eines Gewinns vor. Bei der Ver­brei­tung von Infor­ma­tio­nen aus Quel­len wie pri­va­ten Web­sei­ten oder Pres­se­sei­ten ist das Vor­lie­gen einer Straf­tat oder einer wider­recht­li­chen Per­sön­lich­keits­ver­let­zung ten­den­zi­ell eher mög­lich als bei der Ver­brei­tung von Daten aus öffent­li­chen Regi­stern (z. B. Han­dels­re­gi­ster, Tele­fon­ver­zeich­nis­se).

3. Gegen­wär­tig besteht kei­ne Rechts­grund­la­ge, um die Publi­ka­ti­on von Daten von Min­der­jäh­ri­gen gene­rell zu ver­bie­ten. Ein umge­hen­des Ver­bot ist hin­ge­gen im Ein­zel­fall mög­lich, wenn dies bei­spiels­wei­se aus Grün­den des Per­sön­lich­keits­schut­zes not­wen­dig ist. Der Schutz der Min­der­jäh­ri­gen wird ein beson­de­res Anlie­gen des Bun­des­ra­tes bei der Revi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über den Daten­schutz sein. Er wird die­sen Aspekt ver­tieft prü­fen.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.