BGE 139 V 492: Unver­erb­lich­keit des Aus­kunfts­an­spruchs nach DSG 8; Ver­hält­nis ver­fah­rens­recht­li­cher Akten­ein­sichts­rech­te und des daten­schutz­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruchs:

So ver­hält es sich indes nicht: Zwar besteht das Aus­kunfts­recht nach Art. 8 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Juni 1992 über den Daten­schutz (DSG; SR 235.1) bzw., im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang, nach § 20 Abs. 2 des kan­to­nal­zür­che­ri­schen Geset­zes vom 12. Febru­ar 2007 über die Infor­ma­ti­on und den Daten­schutz (IDG; LS 170.4) unab­hän­gig von ver­si­che­rungs­recht­li­chen Ansprü­chen (vgl. BGE 123 II 534 E. 2e S. 538). Das daten­schutz­recht­li­che Aus­kunfts­recht und das ver­fah­rens­recht­li­che Akten­ein­sichts­recht sind jedoch selb­stän­di­ge Ansprü­che, die hin­sicht­lich Umfang und Vor­aus­set­zun­gen nicht deckungs­gleich sind, das heisst je ihren beson­de­ren Anwen­dungs­be­reich haben, der vom ande­ren Anspruch nicht beschla­gen wird (BGE 125 II 473 E. 4a S. 475). Der daten­schutz­recht­li­che Anspruch kommt (nur) so weit zum Tra­gen, als es den ein­schlä­gi­gen Ziel­set­zun­gen ent­spricht. Das Aus­kunfts­recht nach Art. 8 DSG ist dazu bestimmt, den Betrof­fe­nen in die Lage zu ver­set­zen, sei­ne übri­gen Daten­schutz­rech­te wahr­zu­neh­men (BGE 125 II 473 E. 4b S. 476; GRAMIGNA/MAURER-LAMBROU, in: Bas­ler Kom­men­tar, Daten­schutz­ge­setz, Mau­rer-Lambrou/­Vogt [Hrsg.], 2. Aufl. 2006, N. 1 f. zu Art. 8 DSG; DAVID ROSENTHAL, in: Hand­kom­men­tar zum Daten­schutz­ge­setz, Rosenthal/Jöhri [Hrsg.], 2008, N. 1 zu Art. 8 DSG). Hier ist die Akten­ein­sicht aus­schliess­lich in der Ver­fol­gung eines sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Anspruchs begrün­det, also ver­fah­rens­recht­li­cher Natur (§ 20 Abs. 3 IDG; vgl. auch BGE 127 V 219 E. 1b S. 223). Wer­den kei­ne wei­ter­ge­hen­den recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen ver­folgt, so kommt der Akten­ein­sicht kei­ne zusätz­li­che, daten­schutz­recht­li­che Dimen­si­on zu.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.