Bern. Der Bun­des­rat will das Daten­schutz­ge­setz (DSG) revi­die­ren. Dies hat er am Mitt­woch in einer Aus­spra­che ent­schie­den. Er hat das Eid­ge­nös­si­sche Justiz- und Poli­zei­de­par­te­ment (EJPD) beauf­tragt, ihm unter Berück­sich­ti­gung der der­zeit lau­fen­den Daten­schutz­re­for­men in der EU und beim Euro­pa­rat bis spä­te­stens Ende August 2016 einen Vor­ent­wurf für eine Revi­si­on des DSG zu unter­brei­ten.

Quel­le: Der Daten­schutz soll gestärkt wer­den – BJ

Nach der Eva­lua­ti­on des DSG in den Jah­ren 2010 und 2011 hat­te der Bun­des­rat das EJPD beauf­tragt, gesetz­ge­be­ri­sche Mass­nah­men zur Stär­kung des Daten­schut­zes zu prü­fen. Zu die­sem Zweck hat das EJPD eine breit abge­stütz­te Arbeits­grup­pe aus Ver­tre­tern der Bun­des­ver­wal­tung, der Kan­to­ne, der Wis­sen­schaft sowie der Wirt­schafts- und Kon­su­men­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen ein­ge­setzt. In ihrem Bericht, den der Bun­des­rat am Mitt­woch zur Kennt­nis genom­men hat, zeigt sie ver­schie­de­ne Vari­an­ten auf, wie die Daten­schutz­be­stim­mun­gen an die tech­no­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen ange­passt und die Pro­ble­me bei der Anwen­dung des DSG beho­ben wer­den kön­nen.
Refor­men auf euro­päi­scher Ebe­ne berück­sich­ti­gen

Zur­zeit wer­den sowohl in der EU als auch beim Euro­pa­rat die Daten­schutz­be­stim­mun­gen revi­diert. Der Euro­pa­rat über­ar­bei­tet grund­le­gend die von der Schweiz rati­fi­zier­te “Kon­ven­ti­on zum Schutz des Men­schen bei der auto­ma­ti­schen Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten”. Der Ent­wurf zur Moder­ni­sie­rung der 1985 in Kraft getre­te­nen Kon­ven­ti­on wird vor­aus­sicht­lich im Lau­fe der Jah­re 2015 oder 2016 ver­ab­schie­det und den Ver­trags­par­tei­en zur Unter­zeich­nung unter­brei­tet. Der Ver­zicht auf eine Rati­fi­ka­ti­on der moder­ni­sier­ten Euro­pa­rats-Kon­ven­ti­on hät­te nach Mei­nung des Bun­des­ra­tes für die Schweiz erheb­li­che nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den grenz­über­schrei­ten­den Daten­ver­kehr.

Auch die EU arbei­tet gegen­wär­tig an einer Revi­si­on ihrer Daten­schutz­er­las­se. Die EU-Daten­schutz­re­form wird wahr­schein­lich nicht vor Ende 2015 abge­schlos­sen sein. Die Schweiz ist zwar nur soweit an die EU-Daten­schutz­er­las­se gebun­den, als die­se eine Wei­ter­ent­wick­lung des Schengen/Dublin-Besitzstandes dar­stel­len. Der Daten­ver­kehr mit der EU steht aller­dings grund­sätz­lich unter der Vor­aus­set­zung, dass die EU das Daten­schutz­ni­veau der Schweiz als ange­mes­sen aner­kennt. Die Schweiz hat daher ein Inter­es­se, ihre Daten­schutz­vor­schrif­ten zu stär­ken.

Mit der Revi­si­on des DSG will der Bun­des­rat die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, damit die Schweiz die moder­ni­sier­te Euro­pa­rats-Kon­ven­ti­on zum Schutz des Men­schen bei der auto­ma­ti­schen Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten rati­fi­zie­ren und, soweit dies im Rah­men der Wei­ter­ent­wick­lung des Schengen/Dublin-Besitzstandes erfor­der­lich ist, die EU-Daten­schutz­er­las­se über­neh­men kann.

Der Bun­des­rat will aber die wei­te­ren Arbei­ten rasch vor­an­trei­ben. Indem er eine Frist für die Aus­ar­bei­tung eines Vor­ent­wurfs bis spä­te­stens Ende August 2016 setzt, kann der Aus­gang die­ser Refor­men auf euro­päi­scher Ebe­ne bei der Aus­ar­bei­tung der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den.
Rech­te der betrof­fe­nen Per­so­nen stär­ken

Die Eva­lua­ti­on des DSG hat­te erge­ben, dass betrof­fe­ne Per­so­nen ihre Rech­te gegen­über den Daten­be­ar­bei­ten­den nur sel­ten bean­spru­chen. Damit das Gesetz künf­tig bes­ser durch­ge­setzt wer­den kann, wird bei der Aus­ar­bei­tung der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge geprüft, ob nebst den Kom­pe­ten­zen und Befug­nis­sen des EDÖB auch die ver­schie­de­nen Rechts­an­sprü­che betrof­fe­ner Per­so­nen sowie die Ver­fah­ren zur Rechts­durch­set­zung punk­tu­ell gestärkt wer­den sol­len. Dies gilt nament­lich für jene Berei­che, in denen im Ver­gleich zu den Refor­men des Euro­pa­ra­tes noch Lücken bestehen.

Mit der Revi­si­on des DSG will der Bun­des­rat fer­ner die Daten­kon­trol­le und –herr­schaft sowie den Schutz der Min­der­jäh­ri­gen ver­bes­sern. Schliess­lich soll durch die För­de­rung von Regeln der Guten Pra­xis ein frü­he­res Grei­fen des Daten­schut­zes erreicht wer­den.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.