Ent­scheid des HGer BE vom 17. Juni 2015, HG 15 39:

  • Art. 6, 9 und 16 Abs. 1 URG: Begriff des Urhe­bers; Schöp­fer­prin­zip; Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on
  • Arbeit­ge­ber oder juri­sti­sche Per­so­nen, wel­che nicht schöp­fe­risch tätig sind, kön­nen Urhe­ber­rech­te nicht ori­gi­när, son­dern nur deri­va­tiv erwer­ben, wofür ein ent­spre­chen­der Nach­weis zu erbrin­gen ist (E. 17).
  • Art. 2 Abs. 1 URG: Werk­be­griff; Indi­vi­dua­li­tät der gei­sti­gen Schöp­fung
  • Die Indi­vi­dua­li­tät eines Wer­kes ist zu ver­nei­nen, wenn es sich um eine bana­le, durch Sach­lo­gik vor­ge­ge­be­ne Zusam­men­stel­lung ohne indi­vi­du­el­len Cha­rak­ter han­delt (vgl. BGE 134 III 166, E. 2.5 S. 173). Bei Prü­fungs­fra­gen und dazu­ge­hö­ri­gen Bild­kom­po­si­tio­nen ist die Indi­vi­dua­li­tät der gei­sti­gen Schöp­fung daher zu ver­nei­nen, wenn sich die Prü­fungs­auf­ga­ben ein­zig aus gesetz­li­chen Nor­men und dar­in gere­gel­ten All­tags­si­tua­tio­nen erge­ben, kei­ne sta­ti­sti­sche Ein­ma­lig­keit besit­zen und sich somit nicht vom Logi­schen resp. Übli­chen abhe­ben (E. 18). 
  • Art. 5 lit. c UWG: Ver­wer­tung frem­der Lei­stun­gen; markt­rei­fes Arbeits­er­geb­nis
  • Die Anwen­dung von Art. 5 lit. c UWG bedarf des Nach­wei­ses, dass der poten­ti­el­le Ver­let­zer ein markt­rei­fes Pro­dukt ohne ange­mes­se­nen Eigen­auf­wand repro­du­ziert hat. Es wird nur ein Ver­hal­ten erfasst, wel­ches dar­auf abzielt, ein Pro­dukt eines Kon­kur­ren­ten nicht nur nach­zu­ah­men, son­dern das Ergeb­nis ohne eige­nen Erar­bei­tungs­auf­wand direkt zu über­neh­men (vgl. BGE 131 III 384, E. 4.1 S. 389; E. 21).

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.