Inter­pel­la­ti­on Dobler (17.4089): E-ID als voll­wer­ti­ge Alter­na­ti­ve zu Iden­ti­täts­kar­te und Pass

Eingereichter Text

Damit die Digi­ta­li­sie­rung in der Schweiz gelingt, braucht es eine flä­chen­decken­de elek­tro­ni­sche Iden­ti­tät. Das E-ID-Gesetz ist ein erster Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Die Ant­wor­ten der Ver­nehm­las­sung zei­gen aber, dass Opti­mie­rungs­po­ten­zi­al besteht für eine rasche und brei­te Ein­füh­rung.

Für den Erfolg der E-ID ist die Ver­wen­dung im Behör­den­ver­kehr ent­schei­dend: Die Behör­den (Bund, Kan­ton und Gemein­de) müs­sen mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen und die E-ID als voll­wer­ti­ge Alter­na­ti­ve zu mate­ri­el­len Iden­ti­fi­ka­ti­ons- und Authen­ti­fi­ka­ti­ons­mit­teln, wie die Iden­ti­täts­kar­te und der Pass, akzep­tie­ren. Auf die­se Wei­se wird das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die E-ID gestärkt und die Ver­brei­tung der E-ID geför­dert.

Der Bun­des­rat wird gebe­ten, fol­gen­de Fra­gen zu beant­wor­ten:

1. Ist er bereit, im E-ID-Gesetz den Ein­satz der E-ID im Behör­den­ver­kehr sowie in staats­na­hen Betrie­ben zu prio­ri­sie­ren?

2. Wie plant er, die Akzep­tanz und Ein­füh­rung der staat­lich aner­kann­ten E-ID bei den Behör­den auf Ebe­ne Bund, Kan­ton und Gemein­den zu för­dern? Ist er bereit, Anrei­ze zu schaf­fen?

3. Wird er im E-ID-Gesetz dar­auf hin­wir­ken, mög­lichst weit­grei­fen­de Pflich­ten für die Akzep­tanz der E-ID im Behör­den­ver­kehr ein­zu­füh­ren?

4. Besteht ausser­halb des E-ID-Geset­zes gesetz­ge­be­ri­scher Hand­lungs­be­darf, damit die E-ID als voll­wer­ti­ges Iden­ti­fi­ka­ti­ons- und Authen­ti­fi­ka­ti­ons­mit­teln, wie Iden­ti­täts­kar­te und Pass, akzep­tiert wird (z. B. beim Aus­weis­ge­setz, AwG)?

Stellungnahme des Bundesrats vom 14.2.2018

Der Bun­des­rat ist sich der Bedeu­tung der E-ID für die Digi­ta­li­sie­rung in der Schweiz bewusst. Er hat des­halb am 15. Novem­ber 2017 nach Kennt­nis­nah­me der Resul­ta­te der Ver­nehm­las­sung das EJPD beauf­tragt, bis im Som­mer 2018 einen Ent­wurf zu einem Bun­des­ge­setz über elek­tro­ni­sche Iden­ti­fi­zie­rungs­dien­ste (E-ID-Gesetz) aus­zu­ar­bei­ten. Für den Erfolg der E-ID erach­tet der Bun­des­rat aber nicht in erster Linie die Ver­wen­dung im Behör­den­ver­kehr als ent­schei­dend, da im Nor­mal­fall pro Jahr gleich vie­le Behör­den­kon­tak­te erfor­der­lich sind, wie Kon­tak­te mit der Wirt­schaft pro Tag erfol­gen. Er ist sich aber bewusst, dass sich in Euro­pa vor allem die­je­ni­gen E-ID-Lösun­gen durch­ge­setzt haben, die einen Ein­satz im Behör­den­ver­kehr und im Kon­takt mit der Wirt­schaft erlau­ben, so wie dies die Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge bereits vor­sah.

Im Lich­te die­ser ein­lei­ten­den Aus­füh­run­gen wer­den die Fra­gen des Inter­pel­lan­ten wie folgt beant­wor­tet:

1./3. Der Ver­nehm­las­sungs­ent­wurf des E-ID-Geset­zes sieht in Arti­kel 16 bereits vor, dass Behör­den, wel­che Bun­des­recht voll­zie­hen und eine elek­tro­ni­sche Iden­ti­fi­zie­rung ver­lan­gen, jede staat­lich aner­kann­te E-ID akzep­tie­ren müs­sen. Sobald also die­se Behör­den einen Zugang zu ihren Dienst­lei­stun­gen mit einer Online-Anmel­dung vor­se­hen, müs­sen sie die staat­lich aner­kann­te E-ID eben­falls akzep­tie­ren. Die­se Rege­lung soll in den Geset­zes­ent­wurf, der dem Par­la­ment vor­ge­legt wird, über­nom­men wer­den. Ein wei­ter­ge­hen­der Zwang für die Behör­den der Kan­to­ne und Gemein­den wür­de eine Ver­fas­sungs­än­de­rung bedin­gen.

2. Durch die mit dem E-ID-Gesetz vor­ge­se­he­ne Schaf­fung von ein­heit­li­chen recht­li­chen und tech­ni­schen Vor­ga­ben für staat­lich aner­kann­te E-ID wer­den die bis­he­ri­gen “Silo­lö­sun­gen” durch­bro­chen und Inter­ope­ra­bi­li­tät geschaf­fen. Dies und die dadurch gege­be­ne Mög­lich­keit, auf eine teu­re eige­ne Lösung zu ver­zich­ten, schaf­fen bereits einen gro­ssen Anreiz. Durch die geplan­te Ver­wen­dung von tech­ni­schen Stan­dard-Pro­to­kol­len wer­den die Kosten für die Inte­gra­ti­on der E-ID-Funk­tio­na­li­tät in die Lösun­gen des Bun­des, der Kan­to­ne und der Gemein­den tief gehal­ten. Zusätz­lich soll durch eine inten­si­vier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit allen betei­lig­ten Sta­ke­hol­dern die Ver­brei­tung der E-ID geför­dert wer­den.

Die E-ID ist zudem ein kon­kre­ter Bei­trag zur Errei­chung der Zie­le von E-Government Schweiz sowie der Stra­te­gie des Bun­des­ra­tes für eine digi­ta­le Schweiz. Alle rele­van­ten Sta­ke­hol­der wur­den zur Teil­nah­me an einem struk­tu­rier­ten Dia­log “Digi­ta­le Schweiz” ein­ge­la­den, der zusam­men mit der neu­en Stra­te­gie lan­ciert wur­de. In die­sem Zusam­men­hang ist auch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Bund und Kan­to­ne im gemein­sa­men Schwer­punkt­plan 2017 – 2019 von E-Government Schweiz die Ein­füh­rung der E-ID bereits unter­stüt­zen. Zudem wird der Bund die Umset­zung und den Ein­satz der E-ID auch bei der Erneue­rung der E-Government-Stra­te­gie von Bund, Kan­to­ne und Gemein­den als wich­ti­gen Schwer­punkt ein­brin­gen.

4. Es obliegt den ver­ant­wort­li­chen Ämtern und Fach­stel­len, den gesetz­ge­be­ri­schen Hand­lungs­be­darf für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ihrer Dien­ste zu prü­fen und die Akzep­tanz der E-ID zu regeln. Die Erar­bei­tung des E-ID-Geset­zes gibt den ent­spre­chen­den Anstoss. Eine E-ID hat nach dem aktu­el­len Rege­lungs­kon­zept den Zweck, sich in der elek­tro­ni­schen Welt iden­ti­fi­zie­ren und authen­ti­fi­zie­ren zu kön­nen. Sie berech­tigt nicht zum Über­schrei­ten von Lan­des­gren­zen.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.