Inter­pel­la­ti­on Regaz­zi (17.3190): Swis­s­com und die Ver­wen­dung von Per­so­nen­da­ten zu Mar­ke­ting­zwecken. Läuft alles kor­rekt ab?

Eingereichter Text

Ich stel­le dem Bun­des­rat fol­gen­de Fra­gen:

1. Ist der Bun­des­rat mit dem Vor­ge­hen der Swis­s­com, die zu 51 Pro­zent im Eigen­tum des Bun­des ist, ein­ver­stan­den, wenn die­se ihren Kun­din­nen und Kun­den Fol­gen­des schreibt: “[…] beach­ten Sie […], dass wir Ihre Daten auch zur Bil­dung von Kun­den­pro­fi­len nut­zen, um Ihnen auf Sie zuge­schnit­te­ne Ange­bo­te unter­brei­ten zu kön­nen”?

2. Teilt er die Hal­tung, dass für einen so wich­ti­gen Ent­scheid in Bezug auf den Schutz unse­rer Daten der Grund­satz “Schwei­gen gilt als Zustim­mung” gel­ten darf?

3. Ist er nicht der Ansicht, dass die Swis­s­com mit die­sem Schritt Pro­fit aus ihrer sehr pri­vi­le­gier­ten Posi­ti­on schlägt, die sie dank Admei­ra hat, einem Unter­neh­men, an dem auch die SRG und Rin­gier betei­ligt sind und des­sen Zweck die Samm­lung von Daten zu Wer­be­zwecken ist?

4. Steht die­ses Vor­ge­hen der Swis­s­com im Ein­klang mit dem Daten­schutz­recht?

5. Gedenkt der Bun­des­rat allen­falls bei der Swis­s­com zu inter­ve­nie­ren, um die­sen Ver­such der kosten­lo­sen Daten­er­he­bung mit dem Ziel, sel­ber ein sehr lukra­ti­ves Wer­be­ge­schäft auf­zu­zie­hen, zu unter­bin­den?

Begründung

Alle Per­so­nen mit einem Swis­s­com-Abon­ne­ment haben in den letz­ten Wochen einen Brief erhal­ten, mit dem sie infor­miert wer­den, dass die Swis­s­com in Zukunft die Daten auch zur Bil­dung von Kun­den­pro­fi­len nut­zen wird, um ihnen auf sie zuge­schnit­te­ne Ange­bo­te unter­brei­ten zu kön­nen. Es wird ver­wie­sen auf die “All­ge­mei­ne Daten­schutz­er­klä­rung für Pri­vat­kun­den”, ein zwei­sei­ti­ger Text in win­zi­ger Schrift, und auf die per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen auf der Inter­net­sei­te der Swis­s­com – um dort­hin zu gelan­gen, muss man zuerst ein Benut­zer­kon­to erstel­len und sich ein­log­gen -, wo man auf zwei Sei­ten die Mög­lich­keit hat, der Ver­wen­dung der Daten zu Wer­be­zwecken zu wider­spre­chen. Alter­na­tiv kann man die Swis­s­com anru­fen, wo man sich durch die ver­schie­de­nen Stu­fen der Hot­line durch­ar­bei­ten muss, bis man end­lich bei der rich­ti­gen Per­son lan­det. Ohne Wider­spruch (per Inter­net oder Tele­fon) bis Ende März gilt der Ver­trag als akzep­tiert und das Wer­be­ge­schäft kann los­ge­hen. Abge­se­hen davon, dass die Art und Wei­se, wie dies alles über die Büh­ne gegan­gen ist, für eini­ge Ver­är­ge­rung gesorgt hat (wenn man bös­wil­lig sein woll­te, könn­te man der Swis­s­com eine bewusst orche­strier­te Stra­te­gie unter­stel­len, um die Kun­din­nen und Kun­den zu zer­mür­ben), wird die Swis­s­com ganz kon­kret Mil­lio­nen von Per­so­nen­da­ten der Abon­nen­tin­nen und Abon­nen­ten, die sich nicht gewehrt haben, zu Wer­be­zwecken ver­wen­den kön­nen. Und dies nur ein paar Mona­te nach der Grün­dung von Admei­ra, die sich als gröss­te Wer­be­ver­mark­tungs­fir­ma der Schweiz mit einem mul­ti­me­dia­len Port­fo­lio mit Wer­be­mög­lich­kei­ten bezeich­net und zu deren Aktio­nä­ren – nicht ganz zufäl­lig – auch die Swis­s­com gehört.

Stellungnahme des Bundesrats vom 10.5.2017

1. Die Swis­s­com ist eine selbst­stän­di­ge Akti­en­ge­sell­schaft, an der der Bund von Geset­zes wegen die Mehr­heit des Akti­en­ka­pi­tals hält. Der Bun­des­rat gibt der Swis­s­com alle vier Jah­re stra­te­gi­sche Zie­le vor, wobei er sich jedoch auf deren grund­sätz­li­che Aus­rich­tung beschränkt und dar­über hin­aus ihre unter­neh­me­ri­sche Auto­no­mie aner­kennt. Das gewähl­te Vor­ge­hen zum Daten­sam­meln liegt in der ope­ra­ti­ven Ver­ant­wor­tung von Swis­s­com. Der Bund setzt sich über­dies für die För­de­rung der gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men ein (Cor­po­ra­te Soci­al Respon­si­bi­li­ty, CSR). Die­se bezieht sich auf die Aus­wir­kun­gen der unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit auf Gesell­schaft und Umwelt und berück­sich­tigt die Inter­es­sen der Anspruchs­grup­pen (z. B. Aktio­nä­re, Arbeit­neh­men­de, Kon­su­mie­ren­de, loka­le Gemein­schaf­ten, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen). Der Bund betei­ligt sich an der Umset­zung der CSR, nament­lich auch dort, wo er als Unter­neh­mens­ei­gen­tü­mer auf­tritt, und nimmt so eine Vor­bild­funk­ti­on wahr. Der­zeit prüft der Bund die Situa­ti­on im Zusam­men­hang mit die­ser Vor­bild­funk­ti­on.

2. Wel­che Anfor­de­run­gen eine Ein­wil­li­gung in die Bear­bei­tung von Per­so­nen­da­ten erfül­len muss, ist in Art. 4 Abs. 5 des Daten­schutz­ge­set­zes (DSG; SR 235.1) gere­gelt. Die­se Ein­wil­li­gung ist erst gül­tig, wenn sie nach ange­mes­se­ner Infor­ma­ti­on frei­wil­lig erfolgt. Bei der Bear­bei­tung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten oder Per­sön­lich­keits­pro­fi­len muss die Ein­wil­li­gung zudem aus­drück­lich erfol­gen. Es ist nicht Sache des Bun­des­ra­tes zu beur­tei­len, ob die­se Bestim­mung vor­lie­gend ein­ge­hal­ten ist. Die Fra­ge der Gül­tig­keit von all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen wird vom mate­ri­el­len Recht – ins­be­son­de­re vom Obli­ga­tio­nen- und vom Lau­ter­keits­recht – gere­gelt. Des­sen Durch­set­zung unter­steht den zustän­di­gen Zivil­ge­rich­ten.

3. Swis­s­com geniesst unter­neh­me­ri­sche Auto­no­mie. Ent­spre­chend ist es Swis­s­com nicht ver­wehrt, Koope­ra­tio­nen der vor­lie­gen­den Art ein­zu­ge­hen. Das Wer­be-ver­mark­tungs­un­ter­neh­men Admei­ra wur­de von der WEKO geprüft und geneh­migt, da kei­ne Besei­ti­gung des wirk­sa­men Wett­be­werbs zu erwar­ten sei. Auch das UVEK sah kei­nen Anlass, der SRG Auf­la­gen für die Betei­li­gung an Admei­ra auf­zu­er­le­gen. Die­ses Ver­fah­ren ist beim Bun­des­ge­richt hän­gig.

4. Die juri­sti­sche Wür­di­gung, wel­che Arten der Ein­wil­li­gung in die vor­lie­gen­de Bear­bei­tung von Per­so­nen­da­ten recht­mä­ssig sind, obliegt nicht dem Bun­des­rat, son­dern den Orga­nen der Zivil­ju­stiz resp. dem Eid­ge­nös­si­schen Daten­schutz-beauf­trag­ten EDÖB.

5. Wie unter Ziff. 1 aus­ge­führt, ver­fügt Swis­s­com im Bereich ihrer ope­ra­ti­ven Tätig­kei­ten über unter­neh­me­ri­sche Auto­no­mie. Vor die­sem Hin­ter­grund steht es der Swis­s­com frei, dar­über zu ent­schei­den, wel­che Metho­den sie zum Sam­meln von Daten wählt. Selbst­ver­ständ­lich hat dies im Rah­men der gel­ten­den recht­li­chen Bestim­mun­gen zu gesche­hen.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.