Inter­pel­la­ti­on Voll­mer (00.3631): Adres­sen­han­del und Daten­schutz im Post­be­reich
Abge­schrie­ben (13.12.2002)

Eingereichter Text

Der Han­del mit aktua­li­sier­ten Post­adres­sen ent­wickelt sich mehr und mehr zu einem lukra­ti­ven Wirt­schafts­sek­tor. Über die Toch­ter­fir­ma DCL Data Care betä­tigt sich auch die Post in die­sem Bereich.

Grund­sätz­lich ist gegen ent­spre­chen­de Akti­vi­tä­ten der Post nichts ein­zu­wen­den, so lan­ge dafür Gewähr besteht, dass die unter dem Aspekt des Per­sön­lich­keits­schut­zes sen­si­blen Per­so­nen­da­ten unter den stren­gen Anfor­de­run­gen des Daten­schut­zes behan­delt wer­den.

Ins­be­son­de­re muss die Erhe­bung von monat­li­chen Gebüh­ren für Kun­den, wel­che die ihnen zuste­hen­den Daten­schutz­rech­te in Anspruch neh­men, als frag­wür­dig betrach­tet wer­den. In einem Grund­satz­ent­scheid im Zusam­men­hang mit Gebüh­ren­er­he­bun­gen im Bereich der Tele­kom hat die Eid­ge­nös­si­sche Daten­schutz­kom­mis­si­on unmiss­ver­ständ­lich fest­ge­hal­ten, dass “die Aus­übung der daten­schutz­recht­li­chen Abwehr­rech­te grund­sätz­lich kosten­los sein muss”.

Die als Fol­ge des Post­mo­no­pols und der öffent­lich-recht­li­chen Stel­lung der Post ver­füg­ba­ren Daten erfor­dern einen beson­ders sorg­fäl­ti­gen und kun­den­freund­li­chen Umgang unter dem Aspekt des Daten- und Per­sön­lich­keits­schut­zes.

Ich bit­te den Bun­des­rat in die­sem Zusam­men­hang um Beant­wor­tung fol­gen­der Fra­gen:

1. Sieht er im Bereich des Post­adres­sen­han­dels kei­nen Hand­lungs­be­darf zur Klä­rung der Daten­schutz­rech­te der Post­kun­den?

2. Ist er bereit, bei der Post im Zusam­men­hang mit den im Jah­re 2001 vor­ge­se­he­nen Rege­lun­gen zu inter­ve­nie­ren, nach denen Post­kun­den, wel­che die Wei­ter­ga­be ihrer Adres­sen an ent­spre­chen­de Adres­sen­han­dels­fir­men unter­bin­den möch­ten, für ihren Nach­sen­de­auf­trag monat­lich 20 Fran­ken bezah­len müs­sen?

Begründung

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h1>Stellungnahme des Bun­des­rats

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1. Die Post unter­steht gemäss Arti­kel 13 des Post­ge­set­zes vom 30. April 1997 (PG; SR 783.0) den Bestim­mun­gen des Daten­schutz­ge­set­zes vom 19. Juni 1992 (DSG; SR 235.1). Das Daten­schutz­ge­setz regelt die Beschaf­fung und die Bear­bei­tung von Daten, die Daten­si­cher­heit und die Rech­te der betrof­fe­nen Per­so­nen. Gemäss Arti­kel 12 Absatz 3 DSG stellt die Bear­bei­tung von Daten, d. h. auch die Wei­ter­ga­be von Daten, kei­ne Per­sön­lich­keits­ver­let­zung dar, wenn die Per­son die Daten all­ge­mein zugäng­lich gemacht und die Bear­bei­tung der Daten nicht aus­drück­lich unter­sagt hat. Gestützt auf Arti­kel 14 DSG kann die Bear­bei­tung von Daten auch Drit­ten über­tra­gen wer­den. Da die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen der Post und ihren Kun­den grund­sätz­lich dem Pri­vat­recht unter­ste­hen, fin­det auf die Post mate­ri­ell der drit­te Abschnitt des Daten­schutz­ge­set­zes Anwen­dung. In auf­sichts­recht­li­cher Hin­sicht unter­liegt die Post als selbst­stän­di­ge öffent­lich-recht­li­che Anstalt des Bun­des hin­ge­gen gemäss Arti­kel 23 Absatz 2 DSG den Bestim­mun­gen für Bun­des­or­ga­ne. Die Rechts­la­ge ist folg­lich hin­rei­chend geklärt.

Die Post ist gestützt auf Arti­kel 12 der Post­ver­ord­nung (VPG; SR 783.01) berech­tigt, die Post­adres­sen von Kun­din­nen und Kun­den Drit­ten für das Nach­füh­ren der eige­nen Adress­da­ten­samm­lun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, sofern die betrof­fe­ne Per­son eine Bear­bei­tung nicht aus­drück­lich unter­sagt hat. Die­se auf den 13. Juni 2000 neu in Kraft getre­te­ne Rege­lung erlaubt es der Post aus­drück­lich, Kun­den­da­ten zum Zwecke des Adress­ab­gleichs (Aktua­li­sie­rung von Adress­da­ten) Drit­ten wei­ter­zu­ge­ben. Die gute Qua­li­tät von Post­adres­sen ist Vor­aus­set­zung dafür, dass die Post ihrer Kund­schaft Brie­fe und Pake­te effi­zi­ent und zu mög­lichst tie­fen Kosten zustel­len kann. Um die­ses Ziel zu errei­chen, hat die Post eine Adress­da­ten­bank auf­ge­baut, in wel­cher sämt­li­che Adress­än­de­run­gen sofort nach­ge­führt wer­den; deren Betreu­ung und Pfle­ge hat sie ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft DCL Data Cen­ter Luzern AG über­tra­gen. Gestützt auf die Adress­da­ten­bank bie­tet die DCL heu­te eine Dienst­lei­stung an, wel­che es Unter­neh­men ermög­licht, ihre eige­nen Adress­be­stän­de lau­fend zu aktua­li­sie­ren. So kön­nen Unter­neh­men bei der DCL die neue Anschrift (Stra­sse, Haus­num­mer, Ort und Post­leit­zahl) ihrer Kun­den bezie­hen, wenn sie die­se Per­so­nen in ihrer eige­nen Adress­da­ten­bank bereits füh­ren. Kön­nen dem­ge­gen­über der DCL Name und bis­he­ri­ge Anschrift nicht zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, erfolgt kei­ne Wei­ter­ga­be von Daten. Die Post bzw. die DCL betreibt kei­nes­wegs Han­del mit aktua­li­sier­ten Post­adres­sen: es wer­den kei­ne neu­en Adres­sen ver­kauft, son­dern bloss Daten abge­gli­chen, über die der DCL-Kun­de bereits ver­fügt. Ange­sichts die­ser Situa­ti­on sieht der Bun­des­rat kei­nen Hand­lungs­be­darf zur wei­te­ren Klä­rung der Daten­schutz­rech­te der Post­kun­den.

2. Obwohl sie gesetz­lich nicht dazu ver­pflich­tet wäre, wird die Post ihre Kun­den bei der Mel­dung eines Woh­nungs­wech­sels künf­tig aus­drück­lich anfra­gen, ob sie eine Wei­ter­ga­be ihrer neu­en Adres­se wün­schen, oder ob sie deren Wei­ter­ga­be unter­sa­gen wol­len. Den Kun­den steht somit die Wahl offen, ob sie der Post einen Nach­sen­de­auf­trag ertei­len möch­ten. Wil­ligt der Kun­de in die Wei­ter­ga­be der Adres­se ein, so kann die Post, wie bereits erwähnt, die neue Adres­se nur Drit­ten bekannt geben, die bereits im Besit­ze der bis­he­ri­gen Adres­se der betrof­fe­nen Per­son sind. Liegt die Ein­wil­li­gung zur Wei­ter­ga­be der neu­en Adres­se vor, wer­den erfah­rungs­ge­mäss sämt­li­che Sen­dun­gen bereits kur­ze Zeit nach einem Woh­nungs­wech­sel wie­der rich­tig adres­siert. Dadurch redu­ziert sich der Auf­wand, wel­cher der Post bei der Lei­stungs­er­stel­lung

ent­steht, ganz wesent­lich. Der Kosten­block für Nach- und Rück­sen­dun­gen sowie die Mel­dung von Adress­be­rich­ti­gun­gen an die Absen­der beträgt nach Anga­ben der Post jähr­lich etwa 106 Mil­lio­nen Fran­ken. Um den Kosten­block mög­lichst klein zu hal­ten, stützt sich die Post zuneh­mend auf die Dienst­lei­stun­gen ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft DCL ab. Damit konn­ten die Kosten für Nach­sen­dun­gen und die Mel­dung von Adress­be­rich­ti­gun­gen 1999 um ins­ge­samt 7 Mil­lio­nen Fran­ken gesenkt wer­den.

Ver­langt der Kun­de hin­ge­gen die Nach­sen­dung und unter­sagt die Wei­ter­ga­be sei­ner neu­en Adres­se, erhält der Auf­trag­ge­ber erfah­rungs­ge­mäss wäh­rend län­ge­rer Zeit falsch adres­sier­te Sen­dun­gen von den­je­ni­gen Kor­re­spon­denz­part­nern, die von ihm nicht infor­miert wor­den sind. Dadurch ent­steht der Post ein beträcht­li­cher Zusatz­auf­wand:

- Falsch adres­sier­te, nach­zu­sen­den­de Sen­dun­gen kön­nen nicht maschi­nell ver­ar­bei­tet wer­den, son­dern sind von Hand aus­zu­sor­tie­ren.

- Anschlie­ssend muss die neue Adres­se auf den Sen­dun­gen ver­merkt oder die­se müs­sen in einen adres­sier­ten Nach­sen­de­um­schlag ver­packt wer­den.

- Die umadres­sier­ten Sen­dun­gen müs­sen täg­lich an das neue Domi­zil des Kun­den trans­por­tiert wer­den.

Die monat­li­che Gebühr von 20 Fran­ken bemisst sich nach die­sem Zusatz­auf­wand für die Post und stellt ein Ent­gelt für die in Anspruch genom­me­ne Dienst­lei­stung dar. Die von der Post getrof­fe­ne Lösung, den Mehr­auf­wand auf den Auf­trag­ge­ber zu über­wäl­zen, ver­stösst nicht gegen daten­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen. Das Ent­gelt ist ins­be­son­de­re nicht als Gebühr zu ver­ste­hen, wel­che für die Aus­übung der daten­schutz­recht­li­chen Abwehr­rech­te erho­ben wird.

Eine ande­re Auf­fas­sung wür­de dazu füh­ren, dass jenen Kun­den, die ihre Adress­da­ten bei einem Nach­sen­de­auf­trag nicht wei­ter­ge­ben las­sen möch­ten, ein Anspruch auf ver­bil­lig­te Benut­zung von Post­dienst­lei­stun­gen ent­steht, was nicht ver­langt wer­den kann. Vor­lie­gend wird somit nicht die Aus­übung des daten­schutz­recht­li­chen Abwehr­rech­tes, son­dern die dem Kun­den erbrach­te Zusatz­dienst­lei­stung abge­gol­ten.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.