Moti­on Eymann (18.4203): Schaf­fung einer moder­nen Dateninfrastrukt1ur mit struk­tu­rier­ten Pati­en­ten­da­ten zur För­de­rung der Human­for­schung

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, die Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, damit der Human­for­schung in der Schweiz mög­lichst vie­le Pati­en­ten­da­ten struk­tu­riert und anony­mi­siert zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen.

Begründung

In der Schweiz haben wir welt­weit füh­ren­de Phar­ma-Unter­neh­men. Die­se lei­sten hier einen enor­men Auf­wand für For­schung mit posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Schwei­zer Hoch­schu­len, die aka­de­mi­sche For­schung und die Volks­wirt­schaft. Für die Ent­wick­lung von Medi­ka­men­ten und The­ra­pi­en benö­ti­gen die For­schen­den struk­tu­rier­te Daten von mög­lichst vie­len Pati­en­ten.

Die Ver­füg­bar­keit von struk­tu­rier­ten Pati­en­ten­da­ten ist in der Schweiz unge­nü­gend. Ver­schie­de­ne ande­re Län­der haben erkannt, dass sich ihre Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät erhöht, wenn struk­tu­rier­te Pati­en­ten­da­ten zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen. In der Schweiz wer­den Daten zum Genom, zur Patho­lo­gie, zur Dia­gno­stik, zur kli­ni­schen For­schung, in Bio­ban­ken, in Pati­en­ten­dos­siers und Krank­heits­re­gi­stern unko­or­di­niert und in nicht stan­dar­di­sier­ter Wei­se unein­heit­lich erfasst. Im Gegen­satz zur Schweiz haben ande­re Län­der das Poten­zi­al struk­tu­rier­ter und aggre­gier­ter Daten erkannt. Dort ist es mög­lich, Pati­en­ten­da­ten so für die For­schung bereit zu stel­len, dass kei­ne Rück­schlüs­se auf das Indi­vi­du­um erfol­gen kön­nen.

Es braucht die akti­ve Mit­wir­kung aller Inter­es­sier­ter, um rasch eine ent­spre­chen­de Schwei­zer Lösung zu fin­den und umzu­set­zen. Vor­ar­bei­ten sind von der Schwei­ze­ri­schen Aka­de­mie der Medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten in Zusam­men­ar­beit mit Swis­s­ethics, Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen und wei­te­ren Krei­sen bereits gelei­stet wor­den.

Zusam­men mit staat­li­chen und pri­va­ten Spi­tä­lern, der Ärz­te­schaft, Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen, der Phar­ma-Indu­strie, der Aka­de­mie der Medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten, Swis­s­ethics, den Hoch­schu­len, einer Bür­ger­be­tei­li­gung, Daten­schüt­zern und even­tu­ell wei­te­ren Krei­sen müss­te ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen fest­ge­legt wer­den, wel­ches im Ver­bund der Inter­es­sier­ten rasch umge­setzt wer­den kann. Den Lead für einen sol­chen “Run­den Tisch” müss­te der Bund über­neh­men. Fort­schrit­te in der Bekämp­fung von Krank­hei­ten könn­ten im Inland erzielt wer­den mit posi­ti­ven volks­wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen.

Stellungnahme des Bundesrats vom 13.2.2019

Die Human­for­schung ist von hoher Bedeu­tung für die Schweiz. Der Bun­des­rat hat die­se Bedeu­tung erkannt und gro­sse Inve­sti­tio­nen in die bio­me­di­zi­ni­sche, trans­la­tio­na­le und kli­ni­sche For­schung getä­tigt. Davon zeu­gen der Auf­bau und die Unter­stüt­zung gro­sser För­der­initia­ti­ven und For­schungs­in­fra­struk­tu­ren in der kli­ni­schen For­schung und der Bio­me­di­zin, wie etwa der Swiss Cli­ni­cal Tri­al Orga­ni­sa­ti­on oder des Schwei­ze­ri­schen Insti­tuts für Bio­in­for­ma­tik (SIB). Die­se und wei­te­re För­der­ak­ti­vi­tä­ten zie­len dar­auf ab, die Schweiz als Stand­ort für die kli­ni­sche For­schung wei­ter zu stär­ken und das hohe Inno­va­ti­ons­po­ten­ti­al neu­er Ansät­ze und Erkennt­nis­se für Prä­ven­ti­on und Dia­gno­se opti­mal zu nut­zen. Dar­über hin­aus besteht ein Round­ta­ble im Rah­men der Umset­zung des Master­plans zur Stär­kung der bio­me­di­zi­ni­schen For­schung und Tech­no­lo­gie, wel­cher die mei­sten der genann­ten Anspruchs­grup­pen ein­be­zieht und über­ge­ord­ne­te The­men im Bereich Bio­me­di­zin auf­greift (Vor­sitz Vor­ste­her Eid­ge­nös­si­sches Depar­te­ment des Inne­ren EDI; Koor­di­na­ti­on Bun­des­amt für Gesund­heit BAG).

Im Bereich der per­so­na­li­sier­ten Medi­zin ist die Schwei­zer For­schung heu­te im inter­na­tio­na­len Ver­gleich gut posi­tio­niert. Aner­kann­ter Hand­lungs­be­darf besteht jedoch bei der Daten­or­ga­ni­sa­ti­on, d.h. beim Erfas­sen und Auf­be­rei­ten von Pati­en­ten­da­ten sowie von bio­lo­gi­schen Basis­da­ten (ein­schliess­lich Bio­da­ten­ban­ken) und soge­nann­ten Omics-Daten (u.a. gene­ti­sche Daten). Die­se Her­aus­for­de­run­gen stel­len sich sowohl in der Grund­la­gen­for­schung wie auch in der kli­ni­schen For­schung. Ent­spre­chend hat der Bund im Rah­men der BFI-Bot­schaft 2017 – 2020 die natio­na­le För­der­initia­ti­ve “Swiss Per­so­na­li­zed Health Net­work” (SPHN) lan­ciert.

Mit dem SPHN soll eine natio­nal koor­di­nier­te Daten­in­fra­struk­tur für die kli­ni­sche For­schung auf­ge­baut und die Daten für die For­schung und das Gesund­heits­sy­stem zugäng­lich und nutz­bar gemacht wer­den. Damit kön­nen loka­le und regio­na­le Infor­ma­ti­ons­sy­ste­me har­mo­ni­siert und die Daten­in­ter­ope­ra­bi­li­tät auf natio­na­ler Ebe­ne gewähr­lei­stet wer­den. Das SPHN wird damit die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, um den für die For­schung not­wen­di­gen Aus­tausch von kli­ni­schen Daten zu ermög­li­chen und die Bear­bei­tung neu­er For­schungs­the­men mit neu­en Kon­zep­ten und Zugän­gen zu för­dern. Damit kön­nen in der For­schung neue Erkennt­nis­se bezüg­lich Prä­ven­ti­on und Dia­gno­se ungün­sti­ger gesund­heit­li­cher Bedin­gun­gen erwor­ben und genutzt wer­den, um Krank­hei­ten effi­zi­en­ter und mit weni­ger Neben­wir­kun­gen zu behan­deln.

Das SPHN ist als Ver­bund­auf­ga­be zwi­schen den Hoch­schu­len, (Universitäts-)Spitälern und dem Schwei­ze­ri­schen Natio­nal­fonds (SNF) umge­setzt. Das Staats­se­kre­ta­ri­at für Bil­dung, For­schung und Inno­va­ti­on sowie das BAG haben die Schwei­ze­ri­sche Aka­de­mie der Medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten mit der Gesamt­ko­or­di­na­ti­on beauf­tragt. Das SIB ist ver­ant­wort­lich für das “natio­na­le Daten­ko­or­di­na­ti­ons­zen­trum” und damit auch für die Inter­ope­ra­bi­li­tät der regio­na­len Daten­ban­ken. Für die För­der­initia­ti­ve wur­den vom Bun­des­rat in der BFI-Bot­schaft 2017 – 2020 Mit­tel in der Höhe von 70 Mil­lio­nen Fran­ken bean­tragt und vom Par­la­ment geneh­migt. Hin­zu kommt – neben den Auf­wen­dun­gen im ETH-Bereich für per­so­na­li­sier­te Medi­zin in der Höhe von 50 Mil­lio­nen Fran­ken – die Finan­zie­rung von For­schungs­vor­ha­ben, wel­che im Rah­men der regu­lä­ren Pro­jekt­för­de­rung des SNF erfolgt. Die Anlie­gen der Moti­on sind vor die­sem Hin­ter­grund bereits erfüllt.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.