Postu­lat Béglé (16.3384): Elek­tro­ni­sche medi­zi­ni­sche Daten. Eine geschütz­te, trans­pa­ren­te und ziel­ge­rich­te­te Daten­er­he­bung im revi­dier­ten Bun­des­ge­setz über den Daten­schutz sicher­stel­len

Der Bun­des­rat bean­trag­te am 17. August 2016 die Annah­me des Postu­lats.

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, zu prü­fen, wie fol­gen­de Punk­te in das revi­dier­te Bun­des­ge­setz über den Daten­schutz inte­griert wer­den kön­nen, damit beson­ders schüt­zens­wer­te Daten, wie das medi­zi­ni­sche Daten sind, so gut wie mög­lich geschützt wer­den kön­nen.

Mit dem Auf­kom­men der Bio­ban­ken, des “Per­so­na­li­zed Medi­ci­ne”- Netz­werks und der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­siers ist es wich­tig gewor­den, für alle Betei­lig­ten stren­ge und ein­heit­li­che Bestim­mun­gen bezüg­lich der Sicher­heit der Spei­che­rung, der Über­mitt­lung und des Zugangs auf die Daten ein­zu­füh­ren.

1. Die­se Daten­schutz­be­stim­mun­gen soll­ten die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung von inter­net­fä­hi­gen medi­zi­ni­schen Mess­ge­rä­ten mit­ein­be­zie­hen; die auf die­se Wei­se erho­be­nen Daten müs­sen eben­falls geschützt wer­den.

2. Die Ein­füh­rung des Prin­zips der “tat­säch­li­chen” Ein­wil­li­gung der Pati­en­tin oder des Pati­en­ten, in Form einer kur­zen und kla­ren Erklä­rung, spe­zi­fisch für gewis­se beson­ders schüt­zens­wer­te Daten, wür­de eine ech­te Trans­pa­renz ermög­li­chen.

3. Der Ansatz “pri­va­cy by default” (daten­schutz­freund­li­che Vor­ein­stel­lun­gen) und der Ansatz “pri­va­cy by design” (Schutz der Pri­vat­sphä­re schon bei der Ent­wick­lung) könn­ten in die Daten­er­he­bungs­mo­del­le inte­griert wer­den. Dadurch wür­den nur die Daten erho­ben, die wirk­lich not­wen­dig sind, und sie wür­den nicht län­ger als nötig auf­be­wahrt.

4. Da medi­zi­ni­sche Daten auch von nicht-medi­zi­ni­schen Unter­neh­men erho­ben wer­den, wäre zu über­prü­fen, wie die oder der Ein­zel­ne für die Gefah­ren im Zusam­men­hang mit der Über­tra­gung gewis­ser per­sön­li­cher Daten sen­si­bi­li­siert wer­den könn­te.

Begründung

Die “tat­säch­li­che” Ein­wil­li­gung wäre eine trans­pa­ren­te Alter­na­ti­ve zur gegen­wär­ti­gen Ali­bi-Ein­wil­li­gung, die dar­in besteht, dass man sei­ne Zustim­mung zu lan­gen, juri­sti­schen und häu­fig sehr kom­ple­xen Tex­ten gibt.

Die Schaf­fung von selek­ti­ve­ren Daten­er­he­bungs­mo­del­len wäre etwas teu­rer, aber dadurch könn­te Fach­wis­sen erwor­ben wer­den, und die Schweiz könn­te sich als Spe­zia­li­stin in die­sem Gebiet eta­blie­ren. Es wäre gut, die Bevöl­ke­rung für die Gefah­ren des Big-Data zu sen­si­bi­li­sie­ren. Ein Smart­pho­ne mit Schritt­zäh­ler über­mit­telt bei­spiels­wei­se Infor­ma­tio­nen über die kör­per­li­che Ver­fas­sung der Besit­ze­rin oder des Besit­zers an den Tele­fon­her­stel­ler, ohne dass sie oder er weiss, wo die­se lan­den wer­den.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.