Postu­lat Béglé (18.3368): Elek­tro­ni­sches Pati­en­ten­dos­sier: bes­se­re und gün­sti­ge­re Gesund­heit

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, in einem Bericht zusam­men mit den Kan­to­nen das Kosten-Nut­zen-Ver­hält­nis des elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­siers (E-PD) zu unter­su­chen und, wenn die­ses posi­tiv aus­fällt, die Instru­men­te bereit­zu­stel­len, damit es rasch gene­rell ein­ge­führt wer­den kann.

Der erwar­te­te Nut­zen des E-PD sowohl in Bezug auf die Behand­lungs­qua­li­tät als auch auf den Rück­gang der Gesund­heits­ko­sten dürf­te mit­tel­fri­stig die Ein­füh­rungs­ko­sten bei Wei­tem über­stei­gen. Aller­dings hängt die Wirk­sam­keit des E-PD davon ab, ob das schwäch­ste Glied des Systems sei­nen Wider­stand auf­gibt: Ein Teil der auf selbst­stän­di­gen Ärz­tin­nen und Ärz­te, der Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­ker und der Labo­ra­to­ri­en wird das E-PD erst sehr spät ein­füh­ren, weil sie selbst für die Kosten auf­kom­men müs­sen. Nur eine flä­chen­decken­de Ein­füh­rung des E-PD ermög­licht es aber, dass des­sen vol­ler Nut­zen zum Tra­gen kommt.

Gleich­zei­tig ist zu prü­fen, wie der Man­gel an Big-Data-Fach­leu­ten im Bereich der Medi­zin beho­ben wer­den kann.

Begründung

Das Bun­des­ge­setz über das elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­dos­sier (EPDG) ist am 15. April 2017 in Kraft getre­ten. Die Kan­to­ne haben drei Jah­re Zeit, um das E-PD in den Spi­tä­lern, und fünf Jah­re, um es in den Pfle­ge­hei­men ein­zu­füh­ren. Der Tätig­keits­be­richt der Kan­to­ne vom Dezem­ber 2017 zeigt, dass die Kan­to­ne dabei sehr unter­schied­li­che Wege ein­schla­gen.

Dank dem E-PD soll­ten sich die Qua­li­tät der Behand­lung ver­bes­sern und die Gesund­heits­ko­sten ein­däm­men las­sen. Das E-PD wür­de zu weni­ger Hospi­ta­li­sie­run­gen und weni­ger Ein­grif­fen (unan­ge­mes­se­ne Mehr­fach­be­hand­lung, gleich­ar­ti­ge Unter­su­chun­gen und Ver­schrei­bun­gen) füh­ren. Es wür­de auch erlau­ben, in Rich­tung einer “inte­grier­ten Ver­sor­gung” fort­zu­schrei­ten, die laut Cura­fu­tu­ra Ein­spa­run­gen von drei Mil­li­ar­den brin­gen könn­te.

Das E-PD ist nur nütz­lich, wenn es die kom­plet­te Kran­ken­ge­schich­te eines Pati­en­ten oder einer Pati­en­tin ent­hält. Nun müs­sen aber die selbst­stän­di­gen Ärz­tin­nen und Ärz­te, die Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­ker und die Labo­ra­to­ri­en das E-PD selbst finan­zie­ren. Die USA schät­zen die für 10 Jah­re nöti­ge Anstoss­fi­nan­zie­rung auf 22,5 Mil­li­ar­den Dol­lar. Auf Schwei­zer Ver­hält­nis­se über­tra­gen macht das zu ame­ri­ka­ni­schen Prei­sen etwa 60 Mil­lio­nen Fran­ken aus. Für das EPDG sind auf Bun­des­ebe­ne zur­zeit 30 Mil­lio­nen für drei Jah­re bereit gestellt. Das reicht nicht.

Die Ein­füh­rung des E-PD erfor­dert Big-Data-Spe­zia­li­stin­nen und -Spe­zia­li­sten im Bereich der Medi­zin, die sich dar­um küm­mern müss­ten, wel­che Daten in wel­cher Form für wel­che Ver­trau­lich­keits­stu­fe erho­ben wer­den, wer deren Adres­sa­tin­nen und Adres­sa­ten sind und wel­che medi­zi­ni­schen Sta­ti­sti­ken erstellt wer­den. Der Bun­des­rat soll­te die Aus­bil­dung in die­sem Fach­be­reich im Inland för­dern.

Das E-PD dürf­te zu mehr Effi­zi­enz und zu gerin­ge­ren Kosten füh­ren, vor­aus­ge­setzt, alle machen mit.

Stellungnahme des Bundesrats vom 23.5.18

Mit dem elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­sier (EPD) sol­len die Pati­en­ten­si­cher­heit, die Behand­lungs­qua­li­tät und die Effi­zi­enz der Gesund­heits­ver­sor­gung ver­bes­sert sowie die Gesund­heits­kom­pe­tenz der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten gestärkt wer­den. Wie die im Rah­men der Gesetz­ge­bungs­ar­bei­ten durch­ge­führ­te Regu­lie­rungs­fol­ge­ab­schät­zung gezeigt hat, wird der Haupt­nut­zen des EPD der Bevöl­ke­rung zufal­len. Ins­be­son­de­re für die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die an einer chro­ni­schen Krank­heit lei­den (in der Schweiz rund 1,7 Mil­lio­nen Men­schen), wird schon weni­ge Jah­re nach Ein­füh­rung des EPD ein kon­kre­ter Nut­zen erwar­tet. Da sich die­ser pri­mär in einer bes­se­ren Pati­en­ten­si­cher­heit, einer bes­se­ren Behand­lung und mehr Gesund­heits­kom­pe­tenz äussern wird, lässt sich die­ser jedoch nur sehr schwer quan­ti­fi­zie­ren. Des­halb unter­stützt der Bund den Auf­bau der Stamm­ge­mein­schaf­ten und Gemein­schaf­ten ins­ge­samt mit bis zu 30 Mil­lio­nen Fran­ken. Da der Bund nur Pro­jek­te mit Finanz­hil­fen unter­stützt, die von Kan­to­nen oder Drit­ten min­de­stens im glei­chen Umfang mit­fi­nan­ziert wer­den, dürf­ten vor­aus­sicht­lich rund 60 Mil­lio­nen Fran­ken in den Auf­bau von Stamm­ge­mein­schaf­ten und Gemein­schaf­ten inve­stiert wer­den.

Mit der Fra­ge der Ver­pflich­tung aller Gesund­heits­fach­per­so­nen, ein EPD anzu­bie­ten, hat sich der Bun­des­rat am 29. März 2018 im Rah­men der Dis­kus­si­on zum Stand der Umset­zung der Mass­nah­men, die im Bericht der Exper­ten­grup­pe “Kosten­dämp­fungs­mass­nah­men zur Ent­la­stung der obli­ga­to­ri­schen Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung” vor­ge­schla­gen wur­den, befasst. Er ist der Ansicht, dass mit dem Inkraft­tre­ten des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Juni 2015 über das elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­dos­sier (EPDG; SR. 816.1) am 15. April 2017 und einer Über­gangs­frist von drei Jah­ren für den Anschluss der Spi­tä­ler und von fünf Jah­ren für den Anschluss der Pfle­ge­hei­me eine Ände­rung zum jet­zi­gen Zeit­punkt ver­früht wäre. Zumal sich das Par­la­ment bei der Ver­ab­schie­dung des EPDG expli­zit für die Bei­be­hal­tung der Frei­wil­lig­keit für die ambu­lant täti­gen Gesund­heits­fach­per­so­nen aus­ge­spro­chen hat.

Bund und Kan­to­ne set­zen sich im Rah­men ihrer Zustän­dig­kei­ten dafür ein, dass die für die Umset­zung des elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­siers not­wen­di­gen Fach­per­so­nen aus­ge­bil­det wer­den. Auch der “Akti­ons­plan Digi­ta­li­sie­rung im BFI-Bereich in den Jah­ren 2019 und 2020” des Staats­se­kre­ta­ri­ats für Bil­dung, For­schung und Inno­va­ti­on, den der Bun­des­rat am 5. Juli 2017 zur Kennt­nis genom­men hat, zielt dar­auf ab, die Aus- und Wei­ter­bil­dung von Fach­per­so­nen im Bereich Digi­ta­li­sie­rung zu för­dern.

In Ergän­zung zur lau­fen­den beglei­ten­den Eva­lua­ti­on, mit wel­cher die Ein­füh­rung des EPD ste­tig opti­miert wer­den soll, wird das EPDG nach den ersten Betriebs­jah­ren (vor­aus­sicht­lich im Jahr 2025) einer beur­tei­len­den Geset­zes­eva­lua­ti­on unter­zo­gen. Des­halb ver­zich­tet der Bun­des­rat zum aktu­el­len Zeit­punkt dar­auf, eine wei­te­re Stu­die durch­zu­füh­ren.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.