Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, die Per­spek­ti­ven von Web 3.0, die wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten für die Schweiz und die Mög­lich­kei­ten, dar­in unse­re Wer­te zu för­dern, im Rah­men einer Stu­die zu prü­fen.

Das Web ist zur­zeit stark zen­tra­li­siert. Der Auf­schwung der Block­chain-Tech­no­lo­gie könn­te die Vor­herr­schaft der GAFA in Fra­ge stel­len und eine Ver­la­ge­rung der Macht zugun­sten der Inter­net-Use­rin­nen und -User und neu­er Akteu­re ermög­li­chen. Das Block­chain-Poten­zi­al ist so gross, dass Euro­pa und die Schweiz dadurch wie­der zu Ein­fluss im Inter­net gelan­gen könn­ten. Wir befin­den uns in einer ent­schei­den­den Pha­se: Jetzt heisst es han­deln.

Die Stu­die soll die Her­aus­for­de­run­gen von Web 3.0 umschrei­ben; unse­re Stra­te­gie bezüg­lich Web 3.0 und Block­chain defi­nie­ren (die Schweiz befin­det sich welt­weit unter den ersten drei); die erfor­der­li­chen Kom­pe­ten­zen benen­nen; prü­fen, ob öffent­li­che Block­chains geschaf­fen wer­den müs­sen; eva­lu­ie­ren, wozu wir bereit sind, um die Pri­vat­sphä­re zu schüt­zen, für einen fai­re­ren Wett­be­werb zu sor­gen und die Macht gerech­ter zu ver­tei­len: drei Ver­spre­chen von Web 3.0.

Begründung

Die Block­chain-Tech­no­lo­gie könn­te die dem Inter­net zugrun­de­lie­gen­de Struk­tur revo­lu­tio­nie­ren. Prak­tisch unfehl­bar, was die Sicher­heit betrifft, könn­te sich die Art des Daten­aus­tauschs grund­le­gend ver­än­dern.

Heu­te kur­sie­ren im Inter­net vor allem Infor­ma­tio­nen. Mor­gen könn­ten es Din­ge von Wert sein: Stimm­rech­te, Finanz­ti­tel, Immo­bi­li­en­be­tei­li­gun­gen, Ein­zah­lun­gen ohne Bank­kon­to.

Die Rol­le des Sicher­heits­rie­gels von Block­chain kann mit einem mass­ge­schnei­der­ten und auto­ma­ti­sier­ten Daten­ma­nage­ment kom­bi­niert wer­den und jedem Inter­net-User und jeder Inter­net-Use­rin erlau­ben, nur die Daten preis­zu­ge­ben, die für eine Online-Dienst­lei­stung wirk­lich nötig sind (Rei­se­bü­ro, Ver­si­che­rer, Such­ma­schi­ne, sozia­le Netz­wer­ke). Die Use­rin­nen und User wür­den nicht län­ger “Big Data” ohne ihr Wis­sen Infor­ma­tio­nen zulie­fern.

Block­chain ermög­licht es, Mit­tel zu beschaf­fen, ICO (Initi­al Coins Offe­rings), zu denen alle Zugang haben – ähn­lich wie Crowd Fun­ding, nur dass jeder und jede Bei­tra­glei­sten­de einen “Coin” erhält, der auf einer Block­chain-Platt­form gehan­delt wer­den kann. Jeder Käu­fer und jede Käu­fe­rin wird Inter­es­se dar­an haben, das Start-up mit dem eige­nen Netz­werk zu unter­stüt­zen, um es bekannt zu machen, denn wenn die­ses Erfolg hat, steigt der Wert des Coins. Ein umge­kehr­ter Netz­werk-Effekt und eine bes­se­re Auf­tei­lung der Wert­schöp­fung wer­den die Fol­ge sein.

Die­se weni­gen Bei­spie­le zei­gen, dass das Auf­kom­men von Web 3.0 es ermög­li­chen könn­te, zum ursprüng­li­chen Geist des Inter­nets zurück­zu­keh­ren, zu einem Inter­net, in dem sich alle frei bewe­gen und aus­drücken kön­nen.

Stellungnahme des Bundesrats vom 15.8.2018

Der Begriff “Web 3.0” wird in der Lite­ra­tur mit dem Begriff des “seman­ti­schen Web” in Ver­bin­dung gebracht. Damit kön­nen Com­pu­ter im Inter­net von Men­schen erstell­te Inhal­te ver­ste­hen, inter­pre­tie­ren und mit­ein­an­der in Bezie­hung set­zen. Zum Bei­spiel ist es einem Com­pu­ter so mög­lich, beim Begriff “Jagu­ar” abhän­gig vom gege­be­nen Kon­text zu unter­schei­den, ob es sich um eine Raub­kat­ze oder um eine Auto­mar­ke han­delt. Eine Anfra­ge kann dabei dezen­tral und ohne Zuhil­fe­nah­me von gro­ssen Inter­net­platt­for­men wie Goog­le, Ama­zon, Face­book etc. durch den Nut­zen­den recher­chiert und bereit­ge­stellt wer­den. Anwen­dun­gen der künst­li­chen Intel­li­genz gelan­gen dabei häu­fig eben­falls zum Ein­satz. Die Ver­wen­dung von Block­chain kann auf­grund des dezen­tra­len Ansat­zes die Ent­wick­lung von Web 3.0-Anwendungen unter­stüt­zen.

Wie der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me auf die Moti­on 17.3818 “Die Schweiz zu einem Welt­zen­trum der Block­chain-Tech­no­lo­gie machen” aus­führ­te, ver­fügt er mit sei­ner Stra­te­gie Digi­ta­le Schweiz über ein geeig­ne­tes Instru­ment, damit die Schweiz die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung in allen Lebens­be­rei­chen kon­se­quent nut­zen kann. Die Stra­te­gie wird gegen­wär­tig im Dia­log mit Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, For­schung und Zivil­ge­sell­schaft wei­ter­ent­wickelt. So wird im Zuge der lau­fen­den Aktua­li­sie­rung der Stra­te­gie geprüft, ob eine Arbeits­grup­pe zur Klä­rung von Fra­gen der künst­li­chen Intel­li­genz ein­zu­rich­ten sei.

Hin­sicht­lich der Block­chain-Tech­no­lo­gie hat der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me auf die Moti­on 17.3818 bereits die Ein­rich­tung einer Arbeits­grup­pe unter der Lei­tung des Staats­se­kre­ta­ri­ats für inter­na­tio­na­le Finanz­fra­gen ange­kün­digt. Die­se hat am 18. Janu­ar 2018 die Arbei­ten auf­ge­nom­men und wird die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen über­prü­fen und all­fäl­li­gen Hand­lungs­be­darf auf­zei­gen. Ein ent­spre­chen­der Bericht zuhan­den des Bun­des­rats soll Ende 2018 vor­lie­gen.

Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ist die Dezen­tra­li­sie­rung des Inter­nets The­ma der Dis­kus­sio­nen über die glo­ba­le Digi­ta­le Gou­vernanz. Die Schweiz ist aktiv in die­se Pro­zes­se ein­ge­bun­den. In Erfül­lung des Postu­la­tes 17.3789 “Die Schweiz soll zum Epi­zen­trum der inter­na­tio­na­len Digi­ta­li­sie­rungs­gou­vernanz wer­den kön­nen” erar­bei­tet der Bun­des­rat per Ende 2018 einen Bericht zu den Akti­vi­tä­ten der Schweiz in die­sem Bereich. Der Bericht soll auf­zei­gen, was die Schweiz bereits alles unter­nom­men hat und wei­ter­hin zu unter­neh­men gedenkt. Der Fokus liegt ins­be­son­de­re auf dem inter­na­tio­na­len Genf.

Auch im Bereich der Stan­dar­di­sie­rung ver­folgt der Bund die lau­fen­den Arbei­ten etwa im Rah­men der inter­na­tio­na­len Fern­mel­de­uni­on (ITU-T). Dabei ist fest­zu­stel­len, dass die Ent­wick­lung noch zu wenig weit fort­ge­schrit­ten ist, als dass sich bereits direk­te Aus­wir­kun­gen auf die Schweiz erge­ben wür­den.

Da sich aus der Ent­wick­lung im Bereich Web 3.0 noch wenig kon­kre­te Ergeb­nis­se ablei­ten las­sen und die Ent­wick­lung noch unüber­sicht­lich ver­läuft, ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass auf die Erstel­lung eines Berich­tes gegen­wär­tig zu ver­zich­ten sei.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.