Postu­lat Der­der (15.4045): Recht auf Nut­zung der per­sön­li­chen Daten. Recht auf Kopie
Ange­nom­men am 18.12.2015

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, zu prü­fen und Bericht zu erstat­ten, inwie­fern der Ein­zel­ne und die Volks­wirt­schaft von der Wei­ter­ver­wen­dung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten pro­fi­tie­ren könn­ten. Ins­be­son­de­re soll er dabei ein “Recht auf Kopie” für den Ein­zel­nen prü­fen.

Begründung

Per­sön­li­che Daten wer­den von Unter­neh­men, ins­be­son­de­re Inter­net­un­ter­neh­men und Han­dels­ge­sell­schaf­ten, sowie von öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen in immer grö­sse­ren Men­gen gespei­chert und für ihre Zwecke ver­wer­tet und genutzt. Die betrof­fe­nen Per­so­nen haben höch­stens einen ein­ge­schränk­ten Zugang zu die­sen Daten und blei­ben von deren wirt­schaft­li­cher oder wis­sen­schaft­li­cher Wei­ter­ver­wen­dung (Zweit­nut­zung, “Sekun­där­nut­zung”) aus­ge­schlos­sen. Der Bun­des­rat soll in einem Bericht dar­le­gen, wie die­ser Zustand im Inter­es­se des Ein­zel­nen geän­dert wer­den kann. Der Bericht soll ins­be­son­de­re über die fol­gen­den Punk­te Aus­kunft geben:

1. Wie kann der Zugang einer Per­son zu den Daten, die sich auf sie bezie­hen, im Sin­ne eines “Rechts auf Kopie” gesetz­lich ver­an­kert und sicher­ge­stellt wer­den?

2. In wel­cher Bezie­hung steht ein sol­ches “Recht auf Kopie” zum Schutz vor Miss­brauch per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, wie er im Daten­schutz­ge­setz gere­gelt ist?

3. Wie ist die Absicht des euro­päi­schen Daten­schutz­be­auf­trag­ten zu beur­tei­len, das “Recht auf Kopie” in die kom­men­de Reform der euro­päi­schen Daten­schutz­ge­setz­ge­bung ein­zu­bau­en (vgl. European Data Pro­tec­tion Super­vi­sor: Pri­va­cy and com­pe­ti­tiveness in the age of big data: The inter­play bet­ween data pro­tec­tion, com­pe­ti­ti­on law and con­su­mer pro­tec­tion in the Digi­tal Eco­no­my, März 2014, Sei­te 15)?

4. Wie ist der öko­no­mi­sche Wert der Sekun­där­nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten ein­zu­schät­zen, und wel­ches (zusätz­li­che) wirt­schaft­li­che Poten­zi­al kann durch die Zweit­nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten unter Kon­trol­le der betrof­fe­nen Per­so­nen erschlos­sen wer­den?

5. Wel­che recht­li­chen, tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Lösun­gen kom­men für die Imple­men­tie­rung des Zugangs zu per­sön­li­chen Daten in Betracht, und wel­chen Auf­wand wer­den die­se Lösun­gen für Unter­neh­men und öffent­li­che Ver­wal­tun­gen ver­ur­sa­chen?

6. Wel­che Plä­ne haben ande­re Län­der respek­ti­ve die EU, das “Recht auf Kopie” gesetz­lich zu ver­an­kern, und wel­che Rol­le soll die Schweiz in die­sem Umfeld spie­len?

Stellungnahme des Bundesrats

Der Bun­des­rat wird die ver­lang­te Prü­fung im Rah­men der Revi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über den Daten­schutz (SR 235.1) vor­neh­men.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.