Postu­lat Leu­ten­eg­ger-Ober­hol­zer (16.3315): Regi­ster der wirt­schaft­lich Berech­tig­ten von juri­sti­schen Per­so­nen und Trusts
Postu­lat abge­lehnt.

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird ein­ge­la­den, in einem Bericht dar­zu­le­gen, wie die Trans­pa­renz über die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten bei juri­sti­schen Per­so­nen, bei Rechts­kon­struk­tio­nen wie Trusts und ver­gleich­ba­ren Rechts­in­sti­tu­ten und Off­shore-Kon­struk­tio­nen ver­bes­sert wer­den kann. Dabei ist auch sicher­zu­stel­len, dass die­se Infor­ma­tio­nen öffent­lich zugäng­lich sind.

Begründung

Die revi­dier­ten Gafi-Richt­li­ni­en ver­lan­gen, dass die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten von juri­sti­schen Per­so­nen erfasst wer­den. Mit einer kom­ple­xen Geset­zes­re­vi­si­on, die auf den 1. Janu­ar 2016 in Kraft getre­ten ist, hat das Par­la­ment dem Begeh­ren von Gafi ansatz­wei­se Rech­nung getra­gen. Auch im Zusam­men­hang mit den Pana­ma Papers zeigt sich erneut, dass mit der in der Schweiz gewähl­ten Lösung kei­ne wirk­li­che Trans­pa­renz her­ge­stellt wer­den kann. Es fehlt ein öffent­lich zugäng­li­ches Regi­ster über die wirt­schaft­lich berech­tig­ten Indi­vi­du­en aller juri­sti­schen Per­so­nen.

Völ­lig fehlt zudem die Trans­pa­renz über die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten, die hin­ter Rechts­kon­struk­tio­nen wie den Trusts ste­hen. Die­se wer­den über die Trans­pa­renz­vor­schrif­ten für die juri­sti­schen Per­so­nen nicht erfasst. Die Unter­stel­lung unter einen Finanz­in­ter­me­di­är und die Regi­strie­rungs­pflicht durch die Fin­ma (vgl. Ant­wort des Bun­des­ra­tes auf die Moti­on 13.3356) sichern noch kei­ne öffent­li­che Trans­pa­renz über die jewei­li­gen wirt­schaft­lich Berech­tig­ten.

Die Trans­pa­renz und die damit ver­bun­de­ne öffent­li­che Kon­trol­le sind der beste Schutz vor Miss­bräu­chen und vor Rechts­kon­struk­ten, die zur Ver­deckung ille­ga­ler Geschäf­te die­nen. Die­ses Anlie­gen ent­spricht auch den For­de­run­gen vie­ler Staa­ten, wie sie nach der Publi­ka­ti­on der Pana­ma Papers for­mu­liert wor­den sind.

Stellungnahme des Bundesrats

Der Bun­des­rat unter­stützt die inter­na­tio­na­len Anstren­gun­gen, die die Trans­pa­renz der juri­sti­schen Per­so­nen und der Rechts­kon­struk­tio­nen wie Trusts sowie der sie beherr­schen­den Per­so­nen (wirt­schaft­lich Berech­tig­te) ver­bes­sern sol­len. Die Schweiz hat des­halb Mass­nah­men ergrif­fen, um die Anfor­de­run­gen der Grou­pe d’action finan­ciè­re (Gafi) wirk­sam umzu­set­zen. Für juri­sti­sche Per­so­nen hat die Schweiz ins­be­son­de­re die Pflicht ein­ge­führt, der Gesell­schaft die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten aller Betei­li­gun­gen von 25 Pro­zent oder mehr zu mel­den (Art. 697j und 790a OR). Die Gesell­schaft ist ver­pflich­tet, eine Liste – d. h. ein Regi­ster – der wirt­schaft­lich Berech­tig­ten zu füh­ren, die im Inland nament­lich den zustän­di­gen Behör­den jeder­zeit zugäng­lich sein muss. Jede Ände­rung ist eben­falls zu mel­den, damit gewähr­lei­stet ist, dass die Liste oder das Regi­ster immer auf dem aktu­ell­sten Stand ist. Das Gesetz schreibt zudem vor, dass die Ver­mö­gens- und Mit­glied­schafts­rech­te ruhen, solan­ge noch kei­ne Mel­dung erfolgt ist. Im Gegen­satz zum Gesetz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes vom 13. Dezem­ber 2013 über die Umset­zung der revi­dier­ten Gafi-Emp­feh­lun­gen sieht das Gesetz jedoch kei­ne straf­recht­li­chen Sank­tio­nen vor.

Der Bun­des­rat unter­stützt die Anstren­gun­gen der G-20 zur wirk­sa­men Umset­zung der inter­na­tio­nal bestehen­den Gafi-Stan­dards, sieht jedoch kei­ne Not­wen­dig­keit für wei­ter gehen­de Mass­nah­men, ins­be­son­de­re nicht für die Schaf­fung öffent­li­cher Regi­ster der wirt­schaft­lich berech­tig­ten Per­so­nen, wie es die G-5 vor­schlägt. Die Anga­ben zu den wirt­schaft­lich Berech­tig­ten sind pri­vat­recht­li­cher Natur und damit schüt­zens­wer­te Infor­ma­tio­nen, nament­lich unter dem Gesichts­punkt des Han­dels und des Daten­schut­zes. Sie müs­sen nicht zwin­gend öffent­lich ein­seh­bar sein. Wesent­lich ist, dass die zustän­di­gen Behör­den im Inland rasch Zugang zu die­sen Infor­ma­tio­nen haben. Dar­über hin­aus müs­sen auch die Finanz­in­ter­me­diä­re die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten der juri­sti­schen Per­so­nen ken­nen, mit denen sie Geschäfts­be­zie­hun­gen unter­hal­ten. Die ein­schlä­gi­gen gel­ten­den Bestim­mun­gen des Geld­wä­sche­rei­ge­set­zes (GwG) und sei­ne Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen genü­gen.

Was Rechts­kon­struk­te wie Trusts angeht, ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass die Infor­ma­tio­nen über die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten in erster Linie in den Staa­ten erfasst und zur Ver­fü­gung gestellt wer­den soll­ten, nach deren Recht die­se Rechts­kon­struk­tio­nen gegrün­det wur­den. Die Schweiz enga­giert sich auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne aktiv in die­sem Sin­ne. Zur Erin­ne­rung: Das Schwei­zer Recht lässt kei­ne Grün­dung von Trusts zu. Bei den in der Schweiz ver­wal­te­ten Trusts ist die Iden­ti­fi­ka­ti­on der wirt­schaft­lich Berech­tig­ten schon anhand der Infor­ma­tio­nen mög­lich, die von den Finanz­in­ter­me­diä­ren gemäss GwG erfasst wer­den müs­sen. Die­se Infor­ma­tio­nen wer­den schrift­lich doku­men­tiert und sind den zustän­di­gen Behör­den zugäng­lich. Ausser­dem weist der Bun­des­rat dar­auf hin, dass Tru­stees als Finanz­in­ter­me­diä­re gel­ten und somit den Pflich­ten gemäss GwG unter­ste­hen, also auch der Pflicht zur Iden­ti­fi­ka­ti­on der wirt­schaft­lich Berech­tig­ten.

Zusam­men­fas­send gesagt ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass die gel­ten­de Gesetz­ge­bung aus­reicht, um die Trans­pa­renz der wirt­schaft­lich Berech­tig­ten von juri­sti­schen Per­so­nen und Rechts­kon­struk­tio­nen zu gewähr­lei­sten, da nament­lich gewähr­lei­stet ist, dass die zustän­di­gen Behör­den stets einen zeit­ge­rech­ten Zugang zu die­sen Infor­ma­tio­nen haben. Der Bun­des­rat sieht kei­ne Not­wen­dig­keit, jeder­mann den öffent­li­chen Zugang zu die­ser Art von Infor­ma­tio­nen zu ermög­li­chen.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.