Anfra­ge Rech­stei­ner (97.1143): Beach­tung der Emp­feh­lun­gen des Daten­schutz­be­auf­trag­ten durch die Bun­des­ver­wal­tung

Eingereichter Text

Dem 4. Tätig­keits­be­richt des Eid­ge­nös­si­schen Daten­schutz­be­auf­trag­ten 1996/97 ist zu ent­neh­men, dass ver­schie­de­ne Emp­feh­lun­gen, vor allem im Justiz- und Poli­zei­be­reich (z. B. hin­sicht­lich des Systems DOSIS), nicht beach­tet wer­den.

Ich fra­ge den Bun­des­rat des­halb:

1. Wel­che Emp­feh­lun­gen des Eid­ge­nös­si­schen Daten­schutz­be­auf­trag­ten sind nicht berück­sich­tigt wor­den?

2. Wes­halb geschah dies im ein­zel­nen nicht?

3. Wie wer­den die neu­esten Bean­stan­dun­gen des Daten­schutz­be­auf­trag­ten im Berei­che des Biga behan­delt und umge­setzt?

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h1>Antwort des Bun­des­rats

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1. Vor­erst muss zwi­schen “offi­zi­el­len” Emp­feh­lun­gen, die der Eid­ge­nös­si­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te (EDSB) gestützt auf Arti­kel 27 Absatz 4 des Daten­schutz­ge­set­zes (DSG) abgibt, und den Emp­feh­lun­gen, die der EDSB in sei­nen Stel­lung­nah­men zu Erlas­sen und Mass­nah­men des Bun­des (Art. 31 Abs. 1 Bst. b DSG) abgibt, unter­schie­den wer­den. Aus den Tätig­keits­be­rich­ten des EDSB geht her­vor, dass er vom 1. Juli 1993 bis zum 31. März 1997 824 sol­che Stel­lung­nah­men an Bun­des­or­ga­ne abge­ge­ben hat. Jede die­ser Stel­lung­nah­men ent­hielt zahl­rei­che Anre­gun­gen, so dass die Zahl sol­cher Emp­feh­lun­gen des EDSB im erwähn­ten Zeit­raum meh­re­re Tau­send erreicht. Weder die Bun­des­ver­wal­tung noch der EDSB füh­ren eine Sta­ti­stik dar­über, wie die­sen Emp­feh­lun­gen Fol­ge gege­ben wor­den ist. Die Emp­feh­lun­gen des EDSB wer­den einer ver­tief­ten Prü­fung unter­zo­gen und mit ihm dis­ku­tiert, bevor sie ganz oder teil­wei­se über­nom­men oder, im Fal­le der Nicht­ei­ni­gung, dem zustän­di­gen Depar­te­ment oder dem Bun­des­rat zur Beur­tei­lung unter­brei­tet wer­den. In den Anträ­gen an den Bun­des­rat berich­ten die Depar­te­men­te über Dif­fe­ren­zen mit dem EDSB. Die Emp­feh­lun­gen zum Infor­ma­ti­ons­sy­stem DOSIS, die in der Anfra­ge ange­spro­chen wer­den, sind Emp­feh­lun­gen die­ses Typs gewe­sen. Im übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die DOSIS-Ver­ord­nung vom 26. Juni 1996 im Zuge des Erlas­ses einer all­ge­mei­nen Voll­zugs­ver­ord­nung zum Bun­des­ge­setz vom 7. Okto­ber 1994 über die kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Zen­tral­stel­len des Bun­des am 19. Novem­ber 1997 einer Teil­re­vi­si­on unter­zo­gen wur­de. Die Vor­be­rei­tung die­ser Teil­re­vi­si­on wur­de vom EDSB begrüsst und in fach­li­cher Hin­sicht beglei­tet.

Vom 1. Juli 1993 bis zum 31. Mai 1997 hat der EDSB sie­ben “offi­zi­el­le” Emp­feh­lun­gen in Anwen­dung von Arti­kel 27 Absatz 4 DSG aus­ge­spro­chen. Zwei davon sind vor­be­halt­los von den betrof­fe­nen Bun­des­äm­tern akzep­tiert wor­den. Eine Emp­feh­lung ist nur in einem ein­zi­gen Punkt abge­lehnt wor­den, den der EDSB den zustän­di­gen Depar­te­men­ten zum Ent­scheid vor­ge­legt hat. Vier wei­te­re Emp­feh­lun­gen sind gesamt­haft zurück­ge­wie­sen und den zustän­di­gen Depar­te­men­ten zum Ent­scheid unter­brei­tet wor­den. Die Depar­te­ments­ent­schei­de haben die Auf­fas­sung der Ämter hin­sicht­lich der wich­tig­sten Streit­punk­te bestä­tigt; sie haben aber gewis­se Vor­schlä­ge des EDSB, die vor­her durch die Ämter zurück­ge­wie­sen wur­den, gut­ge­hei­ssen.

2. Grund für die mei­sten Dif­fe­ren­zen zwi­schen dem EDSB und dem Bun­des­rat sind unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen über die Abwä­gun­gen der ent­ge­gen­ste­hen­den Inter­es­sen. In allen Fäl­len, in denen der Bun­des­rat oder die Bun­des­ver­wal­tung den Emp­feh­lun­gen des EDSB nicht gefolgt sind, haben sie einen Ermes­sens­spiel­raum aus­ge­schöpft, der ihnen durch das DSG ein­ge­räumt wird.

3. Der Betrieb der Inter­net-Datei der anony­men Pro­fi­le der Stel­len­su­chen­den, wel­che einen zen­tra­len Pfei­ler der gesetz­lich ver­an­ker­ten Zusam­men­ar­beit zwi­schen der öffent­li­chen und der pri­va­ten Arbeits­ver­mitt­lung dar­stellt (vgl. Art. 85 Abs. 1 Bst. a und Art. 85b Abs. 2 Avig sowie Art. 33 Abs. 2 AVG), ist Anfang Okto­ber 1997 wegen Pro­ble­men in den Berei­chen Daten­schutz und Zugriffs­si­cher­heit bis auf wei­te­res ein­ge­stellt wor­den.

Der Bun­des­rat erach­tet die­se Form der Zusam­men­ar­beit zwi­schen der öffent­li­chen und der pri­va­ten Arbeits­ver­mitt­lung als wich­tig und zweck­mä­ssig, um die Stel­len­su­chen­den bei der Arbeits­su­che effi­zi­ent zu unter­stüt­zen. Er hat des­halb das Biga beauf­tragt, die Inter­net-Datei nach Behe­bung der Pro­ble­me in den erwähn­ten Berei­chen wie­der in Betrieb zu neh­men. Das Biga führt zur­zeit bezüg­lich Daten­schutz und Zugriffs­si­cher­heit Gesprä­che mit den ent­spre­chen­den Bun­des­stel­len und dem EDSB. Tech­ni­sche Mass­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Zugriffs­si­cher­heit sind erkannt, und deren Umset­zung ist ein­ge­lei­tet.

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.