Der Bun­des­rat hat heu­te nach eini­ger Ver­zö­ge­rung einen Geset­zes­ent­wurf zur Regu­lie­rung von Online-Platt­for­men wie Insta­gram, X oder Goog­le in die Ver­nehm­las­sung geschickt (Bun­des­ge­setz über Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men und Such­ma­schi­nen, KomPG):

Die Ver­nehm­las­sung dau­ert bis am 16. Febru­ar 2026.

Mit dem KomPG sol­len die Rech­te der Nut­zer von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men und Such­ma­schi­nen gestärkt und die Trans­pa­renz geför­dert wer­den (Art. 1). Der Ent­wurf ori­en­tiert sich eng am Digi­tal Ser­vices Act der EU, ist aber kei­ne Kopie davon.

Bspw. beschränkt sich der Anwen­dungs­be­reich des KomPG auf beson­ders gro­sse Platt­for­men und Such­ma­schi­nenwie X (Twit­ter), You­Tube, Insta­gram oder Goog­le Search, die eine zen­tra­le Stel­lung in der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­neh­men. Der Gel­tungs­be­reich ist bewusst eng: Nur sehr gro­sse Platt­for­men und Such­ma­schi­nen sind betrof­fen, d.h. sol­che, die monat­lich von min­de­stens 10% der Schwei­zer Bevöl­ke­rung genutzt wer­den (Art. 2), dann aber unab­hän­gig vom Sitz der Anbie­ter. Klei­ne­re und mitt­le­re Anbie­ter sind aus­ge­nom­men. Anders als der DSA soll das KomPG nicht auf Durch­lei­tungs­dien­ste, Hosting- oder Caching-Dien­ste anwend­bar sein. Auch gemein­nüt­zi­ge Dien­ste ohne wirt­schaft­li­chen Zweck (z. B. Wiki­pe­dia) sind aus­ge­nom­men anwendbar.

Dabei sieht der Ent­wurf im Wesent­li­chen fol­gen­des vor:

  • Anbie­ter sehr gro­sser Platt­for­men und Such­ma­schi­nen müs­sen ein Mel­de­ver­fah­ren für mut­mass­lich straf­recht­lich rele­van­te Inhal­te bereit­stel­len (z. B. Gewalt, Hass­re­de, Ver­leum­dung), Mel­dun­gen prü­fen, begrün­den und Betrof­fe­ne infor­mie­ren (Art. 4 – 5).
  • Nut­ze­rin­nen und Nut­zer, deren Inhal­te ent­fernt oder Kon­ten gesperrt wer­den („ein­schrän­ken­de Mass­nah­men”), haben Anspruch auf eine Mit­tei­lung mit Begrün­dung sowie Zugang zu einem kosten­lo­sen inter­nen Beschwer­de­ver­fah­ren (Art. 6 – 7).
  • Strei­tig­kei­ten kön­nen zudem einer zuge­las­se­nen Schlich­tungs­stel­le vor­ge­legt wer­den, deren Ver­fah­ren für Platt­for­men ver­pflich­tend ist (Art. 8 – 12).
  • Die AGB müs­sen bestimm­te Min­dest­in­hal­te ent­hal­ten – ins­be­son­de­re zur Mode­ra­ti­on und zu Emp­feh­lungs­sy­ste­men -, in drei Amts­spra­chen und mit Zusam­men­fas­sung öffent­lich zugäng­lich sein. Wesent­li­che Ände­run­gen sind aktiv mit­zu­tei­len (Art. 13).
  • Es gel­ten Sorgfalts‑, Trans­pa­renz- und Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te bei der Inhalts­mo­de­ra­ti­on sowie bei Mel­de- und Beschwer­de­ver­fah­ren (Art. 14).
  • Dritt­wer­bung muss sicht­bar gekenn­zeich­net wer­den. Nut­ze­rin­nen und Nut­zer sol­len ein­fa­chen Zugang zu Infor­ma­tio­nen über die Per­so­na­li­sie­rungs­sy­ste­me erhal­ten; gro­sse Platt­for­men müs­sen zudem ein öffent­li­ches Wer­be­ar­chiv füh­ren (Art. 15 – 16).
  • Für Emp­feh­lungs­sy­ste­me sind Anga­ben zu den ein­ge­setz­ten Algo­rith­men (Para­me­ter, Gewich­tung) in den AGB offen­zu­le­gen. Zudem ist eine Nut­zungs­op­ti­on ohne Pro­fil­ing bereit­zu­stel­len (Art. 18).
  • Anbie­ter sind ver­pflich­tet, jähr­lich Trans­pa­renz­be­rich­te (u. a. zu Mode­ra­ti­on und Beschwer­den) sowie eine Risi­ko­be­wer­tung zu syste­mi­schen Aus­wir­kun­gen auf Demo­kra­tie, öffent­li­che Sicher­heit und Grund­rech­te zu ver­öf­fent­li­chen (Art. 19 – 20);
  • Platt­for­men müs­sen eine Anlauf­stel­le in der Schweiz und – bei Sitz im Aus­land – eine Rechts­ver­tre­tung benen­nen (Art. 21 – 23).
  • Es erfolgt eine jähr­li­che unab­hän­gi­ge Eva­lua­ti­on zur Ein­hal­tung der Pflich­ten durch die Anbie­ter (Art. 24 – 25).
  • For­schen­de und zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sol­len unter Auf­la­gen Zugang zu Platt­form­da­ten erhal­ten kön­nen, um syste­mi­sche Risi­ken zu unter­su­chen (Art. 26).
  • Die Auf­sicht über­nimmt das Bun­des­amt für Kom­mu­ni­ka­ti­on (BAKOM). Die­ses kann Ver­wal­tungs­mass­nah­men bis hin zur tem­po­rä­ren Sper­rung von Dien­sten anord­nen (Art. 27 ff.).
  • Sank­tio­nen bis zu 6 % des welt­wei­ten Jah­res­um­sat­zes sind vor­ge­se­hen (Art. 34).