BVGer A‑2479/2020: Scha­den­er­satz für Aus­künf­te an die NZZ?

«ETH und Empa unter­su­chen Vor­wür­fe gegen For­scher­paar», titel­te die NZZ am 22. Febru­ar 2019 auf ihrer Web­sei­te. Für die Eid­ge­nös­si­sche Mate­ri­al­prü­fungs- und For­schungs­an­stalt (Empa), die im Arti­kel zu Wort kam, hat­te die Ange­le­gen­heit ein Nach­spiel: Die ehe­ma­li­ge Ange­stell­te for­der­te Scha­den­er­satz und Genug­tu­ung in Höhe von CHF 50’000 – zu Unrecht, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt am 23. März 2021 ent­schied (Urteil A‑2479/2020).

Auf Anfra­ge der NZZ hat­te die Empa bestä­tigt, dass man eine Unter­su­chung wegen Fehl­ver­hal­tens ein­ge­lei­tet habe, die betref­fen­de Ange­stell­te krank­ge­schrie­ben sei und im März zurück­keh­re. Zusätz­lich hat­te der Direk­tor der Empa glei­chen­tags eine «Inter­ne Mit­tei­lung» an die Beleg­schaft – immer­hin rund 1’000 Ange­stell­te – ver­schickt. Die Beschwer­de­füh­re­rin sah sich dadurch «in ihrer Gel­tung als ehr­ba­rer Mensch her­ab­ge­setzt» (E. 4.1).

Mate­ri­ell berief sie sich auf das Ver­ant­wort­lich­keits­ge­setz (VG). Die­ses schreibt in Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Bst. a eine ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Staats­haf­tung fest und knüpft dar­an vier kumu­la­ti­ve Vor­aus­set­zun­gen: Die (i) amt­li­che Tätig­keit eines Bun­des­am­ten muss (ii) adäquat kau­sal und (iii) wider­recht­lich einen (iv) quan­ti­zi­fier­ten Scha­den bewirken.

Vor­lie­gend stand die Wider­recht­lich­keit im Zen­trum, genau­er ein Ver­stoss gegen Art. 328b Satz 1 OR. Dem­zu­fol­ge dür­fen Daten über Arbeit­neh­mer nur bear­bei­tet wer­den, soweit sie die Eig­nung für das Arbeits­ver­hält­nis betref­fen oder für die Durch­füh­rung des­sel­ben erfor­der­lich sind. Zusätz­lich muss sich die Hand­lung gegen eine zumin­dest bestimm­ba­re Per­son rich­ten. Unter die­sem Aspekt schie­nen die Aus­künf­te an die NZZ unbe­denk­lich, weil deren Bericht­erstat­tung kei­ne Iden­ti­fi­zie­rung erlaub­te (E. 4.3.2).

Als per­sön­lich­keits­ver­let­zend erwies sich hin­ge­gen die inter­ne Mit­tei­lung. Denn die Bekannt­ga­be der krank­heits­be­ding­ten Abwe­sen­heit, der ein­ge­lei­te­ten Unter­su­chung und der erfolg­ten Neu­be­set­zung ver­moch­te das Anse­hen und die Pri­vat­sphä­re der Betrof­fe­nen zu beein­träch­ti­gen (E. 4.4.3). Aus­ge­hend davon prüf­te das Gericht, ob sich die Empa als Bun­des­be­hör­de i.S.v. Art. 2 Abs. 1 Bst. b DSG auf den Recht­fer­ti­gungs­grund von Art. 19 Abs. 1bis DSG beru­fen kön­ne (E. 4.5.1, 4.6). Die­ser gibt Bun­des­or­ga­nen das Recht, im Rah­men ihrer akti­ven Infor­ma­ti­ons­tä­tig­keit auch Per­so­nen­da­ten wei­ter­zu­ge­ben. Vor­aus­ge­setzt ist, dass die Daten mit der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben zusam­men­hän­gen (Bst. a) und das öffent­li­che Inter­es­se an ihrer Bekannt­ga­be über­wiegt (Bst. b). Ins­be­son­de­re bei «medi­en­no­to­ri­schen» Fäl­len wird eine akti­ve behörd­li­che Ver­öf­fent­li­chung als zuläs­sig erach­tet (E. 4.5.1 a.E.). Auch lässt es die Pra­xis «aus arbeits­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den» zu, Per­so­nal­mu­ta­tio­nen selbst per Mas­sen-E-Mail bekannt­zu­ge­ben, solan­ge sich die Nach­richt in sach­li­cher Wei­se dar­auf beschränkt (E. 4.5.2).

Im Fall der Empa bejah­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein über­wie­gen­des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se auf­sei­ten der Beleg­schaft (E. 4.6.2) und schätz­te die Mit­tei­lung als sach­lich, wahr­heits­ge­treu, ver­hält­nis­mä­ssig und zumut­bar ein (E. 4.6.3 ff.). Mit die­ser Recht­fer­ti­gung ent­fiel die Wider­recht­lich­keit (E. 4.3.1), was wie­der­um die Ansprü­che auf Scha­den­er­satz (E. 4.7) und Genug­tu­ung (E. 5) hin­fäl­lig mach­te. Die Beschwer­de wur­de voll­um­fäng­lich abgewiesen.