BVGer A‑4494/2020: kei­ne Ein­sicht in «Fall Crypto»

Die Schwei­ze­ri­sche Export­ri­si­ko­ver­si­che­rung (SERV) hat einer Redak­teu­rin der «Rund­schau» zurecht die Ein­sicht in ihre Unter­la­gen ver­wehrt. Dies ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt am 20. April 2021 (BVGer A‑4494/2020). Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Listen betra­fen den Export von Chif­frier­ge­rä­ten der Cryp­to AG und der Cryp­to Inter­na­tio­nal AG.

Im Wesent­li­chen hat­te die SERV den Zugang aus drei Grün­den ver­wei­gert: aus Rück­sicht auf die aussen­po­li­ti­schen Inter­es­sen der Schweiz (Art. 7 Abs. 1 Bst. d BGÖ), zur Wah­rung von Geschäfts­ge­heim­nis­sen (Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ) und in Ach­tung der Pri­vat­sphä­re Drit­ter (Art. 7 Abs. 2 und Art. 9 BGÖ). Für die­je­ni­gen Doku­men­te, die noch von ihrer Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­ti­on, der 1934 gegrün­de­ten Export­ri­si­ko­ga­ran­tie, erstellt wor­den waren, erach­te­te sie das 2006 in Kraft getre­te­ne BGÖ von vorn­her­ein nicht für anwendbar.

Der Vor­in­stanz fol­gend erklär­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, dass Listen, die aus älte­ren Infor­ma­tio­nen mit Blick auf ein Schlich­tungs­ver­fah­ren erstellt wor­den sind, nicht schon dadurch in den zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich des Öffent­lich­keits­ge­setz­tes fal­len (E. 3.3). Sol­che «vir­tu­el­len» Doku­men­te i.S.v. Art. 5 Abs. 2 BGÖ begrün­den mit ande­ren Wor­ten kei­nen neu­en Zeits­tem­pel. Mass­geb­lich bleibt das Datum der Fer­tig­stel­lung (E. 3.1; Art. 23 BGÖ).

Die neue­ren Doku­men­te unter­stan­den zwar dem Öffent­lich­keits­ge­setz, doch schei­ter­te ihre Zugäng­lich­ma­chung am Vor­be­halt der Gefähr­dung aussen­po­li­ti­scher Inter­es­sen. In sei­ner Wür­di­gung griff das Gericht ins­be­son­de­re auf den ins Recht geleg­ten Bericht der Geschäfts­prü­fungs­de­le­ga­ti­on zum «Fall Cryp­to» zurück (BBl 2021 156 ff.). Gleich­zei­tig beton­te es, dass die Sub­stan­ti­ie­rung sol­cher Pro­gno­sen «nicht nur auf ‹har­ten› Fak­ten beru­hen kann, son­dern sich zwangs­läu­fig auch auf Annah­men, Ver­mu­tun­gen oder Hypo­the­sen stüt­zen muss, die auf­grund der Umstän­de des kon­kre­ten Fal­les gebil­det wer­den» (E. 5.8). Im Ergeb­nis erach­te­te es die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen gel­tend gemach­te Gefähr­dung der aussen­po­li­ti­schen Inter­es­sen der Schweiz als plausibel:

«Zusam­men­fas­send ist […] von einem ernst­haf­ten Risi­ko aus­zu­ge­hen, dass die Ver­öf­fent­li­chung der auf der Liste ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen den aussen­po­li­ti­schen Inter­es­sen und inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen der Schweiz scha­den könn­te.» (E. 5.8 f.)

Bei die­sem Aus­gang erüb­rig­te sich eine Prü­fung der ver­blie­be­nen Aus­nah­me­tat­be­stän­de, ins­be­son­de­re der Wah­rung von Geschäfts­ge­heim­nis­sen. Auch kam eine Anony­mi­sie­rung der Liste nicht infra­ge, weil die Aus­sa­ge­kraft dadurch so weit geschmä­lert wür­de, dass der Zugang eben­so gut hät­te ver­wei­gert wer­den kön­nen (E. 5.10.2). Die Beschwer­de wur­de voll­um­fäng­lich abge­wie­sen. Wegen der poli­ti­schen Bri­sanz behan­del­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Fall als «cau­se célèb­re» und ver­öf­fent­lich­te eine Medi­en­mit­tei­lung in die­ser Sache.