Take-Aways (AI)
  • BVGer bestä­tigt, dass Lucen­cy wie­der­holt Per­so­nen­da­ten wei­ter­ge­ge­ben hat, die­se Wei­ter­ga­ben regel­mä­ssig und geschäfts­be­zo­gen erfolgten.
  • Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me gilt laut Art. 44 Abs.1 VGG (Ver­weis auf Art.3 Abs.2 BZP) auch in EDÖB-Emp­feh­lungs­ver­fah­ren vor dem BVGer.
  • Rechts­be­geh­ren­än­de­run­gen unter­lie­gen Art.26 Abs.1 BZP; sie müs­sen mit dem ursprüng­li­chen Begeh­ren zusammenhängen.
  • EDÖB darf vor BVGer nur Mass­nah­men ver­lan­gen, die inhalt­lich den emp­foh­le­nen ent­spre­chen; zusätz­li­che technische/organisatorische For­de­run­gen abgewiesen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat im Zusam­men­hang mit einer Emp­feh­lung des EDÖB an Lucen­cy AG, eine schwei­ze­ri­sche Mar­ke­ting-Agen­tur, ein Urteil gefällt (Urteil A‑5225/2015 vom 12. April 2017; PDF). Die Emp­feh­lung des EDÖB war durch Hin­wei­se von Per­so­nen ange­sto­ssen wor­den, die uner­wünsch­te Wer­be­schrei­ben an Lucen­cy bezo­ge­ne Adres­sen erhal­ten hat­ten. Nach­dem auch nach der Emp­feh­lung wei­te­re Hin­wei­se ein­gin­gen, hat­te der EDÖB Kla­ge beim BVGer erhoben.

Im mate­ri­el­ler Hin­sicht ist fol­gen­der Punkt interessant:

  • Beweis­mä­ssig stand fest, dass Lucen­cy in meh­re­ren Fäl­len Per­so­nen­da­ten an Inter­es­sen­ten wei­ter­ge­ge­ben hat­te, die anschlie­ssend zu Wer­be­zwecken ver­wen­det wur­den. Da die­se Bekannt­ga­be zur Geschäfts­tä­tig­keit gehör­te, ist laut BVGer ohne wei­te­res davon aus­zu­ge­hen, eine sol­che Bekannt­ga­be sei regel­mä­ssig gefolgt und habe auch Adres­sen wei­te­rer Per­so­nen umfasst.

in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht hält das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sodann fol­gen­de Punk­te fest:

  • Auf­grund des Ver­wei­ses in Art. 44 Abs. 1 VGG auf Art. 3 Abs. 2 BZP gilt die Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me auch in Kla­ge­ver­fah­ren betref­fend Emp­feh­lun­gen des EDÖB.
  • Die Ände­rung von Rechts­be­geh­ren unter­steht daher den Anfor­de­run­gen von Art. 26 Abs. 1 BZP (Kla­ge­än­de­rung), ver­langt also einen Zusam­men­hang mit dem ursprüng­li­chen Rechts­be­geh­ren. Zudem darf der EDÖB im Kla­ge­ver­fah­ren vor Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur Mass­nah­men verlangen,die inhalt­lich nicht über die von ihm emp­foh­le­nen Mass­nah­men hin­aus­ge­hen. Das Begeh­ren des EDÖB, es sei­en ihm die zur Umset­zung des ursprüng­li­chen Begeh­rens not­wen­di­gen tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Mass­nah­men vor­zu­le­gen, ist damit nicht ver­ein­bar, sodass auf die­ses Begeh­ren nicht ein­zu­tre­ten ist.