Der Rat der Euro­päi­schen Uni­on hat die Ver­ord­nung zur Ver­ein­fa­chung der Umset­zung des AI Act (Digi­tal Omni­bus on AI, COM(2025) 836) am 29. Juni 2026 end­gül­tig ange­nom­men, nach­dem das Par­la­ment am 16. Juni 2026 zuge­stimmt hat­te. Das Ver­fah­ren ist damit abge­schlos­sen. Die Ver­ord­nung wird nun im Amts­blatt publi­ziert wer­den und tritt dann am drit­ten Tag danach in Kraft.

Inhalt­lich ver­schiebt der Omni­bus vor allem das Inkraft­tre­ten der Pflich­ten für Hoch­ri­si­ko-Syste­me; die wei­te­ren Ent­la­stun­gen fal­len etwas enger aus als erwartet:

  • Pflich­ten für Hoch­ri­si­ko-KI: Die Gel­tung wird für Syste­me nach Anhang III von 2. August 2026 auf den 2. Dezem­ber 2027 ver­scho­ben, für Syste­me in regu­lier­ten Pro­duk­ten nach Anhang I von 2. August 2027 auf den 2. August 2028.
  • Neu­es Ver­bot (Art. 5): Ver­bo­ten wer­den als neue Fall­grup­pe das Inver­kehr­brin­gen und der Ein­satz von KI-Syste­men zur Erzeu­gung von Dar­stel­lun­gen sexu­el­len Kinds­miss­brauchs (CSAM) oder nicht ein­ver­nehm­li­cher inti­mer Dar­stel­lun­gen iden­ti­fi­zier­ba­rer Per­so­nen (“Nudi­fier”). Das erfasst auch gene­ri­sche Bild- und Video­mo­del­le, sofern ange­mes­se­ne Schutz­vor­keh­run­gen feh­len. Anwend­bar ab 2. Dezem­ber 2026. Das Ver­bot stammt nicht aus dem Kom­mis­si­ons­vor­schlag, son­dern wur­de im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren eingefügt.
  • Kenn­zeich­nung syn­the­ti­scher Inhal­te (Art. 50 Abs. 2): Für vor dem 2. August 2026 in Ver­kehr gebrach­te Syste­me gilt eine ver­kürz­te Über­gangs­frist bis zum 2. Dezem­ber 2026. Die wei­te­ren Trans­pa­renz­pflich­ten (Art. 50 Abs. 1, 3 und 4) blei­ben wei­ter­hin ab dem 2. August 2026 anwendbar.
  • Bias-Daten (Art. 4a): Pro­vi­der und Deployer dür­fen beson­ders schüt­zens­wer­te Daten zur Erken­nung und zu Kor­rek­tur von Bias (Ver­zer­run­gen) bear­bei­ten, soweit dies strikt erfor­der­lich ist.
  • Real­la­bo­re: Die Frist der Mit­glied­staa­ten zur Ein­rich­tung eines Real­la­bors wird auf den 2. August 2027 erstreckt.

Beim Ver­hält­nis zum sek­to­ra­len Recht bleibt der Omni­bus hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. Die Über­schnei­dun­gen zwi­schen dem AI Act und Pro­dukt­recht wer­den für Maschi­nen­pro­duk­te auf­ge­löst, die künf­tig allein den sek­to­ra­len Sicher­heits­re­geln fol­gen. Für Medi­zin­pro­duk­te, Spiel­zeug, Auf­zü­ge und Was­ser­fahr­zeu­ge sol­len die Über­schnei­dun­gen über Durch­füh­rungs­rechts­ak­te berei­nigt werden.

Noch aus­ste­hend ist all­ge­mei­ne Digi­tal Omni­bus zu DSGVO, ePri­va­cy, NIS2 und Data Act.