Der EDÖB hat sei­nen 33. Tätig­keits­be­richt für die Peri­ode vom 1. April 2025 bis 31. März 2026 vor­ge­legt. Im Vor­der­grund steht das 20 Jah­re-Jubi­lä­um des Öffent­lich­keits­prin­zips. Daten­schutz­recht­lich tre­ten zwei The­men her­vor: die Kon­so­li­die­rung der Auf­sicht über das revi­dier­te DSG und eine bemer­kens­wert dich­te Rei­he von Ver­fah­ren gegen pri­va­te Ver­ant­wort­li­che, ins­be­son­de­re aus dem Finanz­sek­tor sowie dem Inkas­so- und Aus­kunf­tei­we­sen. Das Gespräch zum Bericht zwi­schen RA Mar­tin Stei­ger und Andre­as von Gun­ten kann man sich beim Pod­cast “Daten­schutz-Plau­de­rei­en” hier anhören.

Zu eini­gen Kenn­zah­len für die Berichtsperiode:

  • Bera­tun­gen: 971
  • Ämter­kon­sul­ta­tio­nen: 306
  • Anzei­gen: 2447 (Vor­jahr: 1053), davon 2347 gegen Pri­va­te und rund 100 gegen den Bund
  • Auf­sichts­hand­lun­gen: 156 nie­der­schwel­li­ge Inter­ven­tio­nen, 22 Vor­ab­klä­run­gen, 9 for­mel­le Untersuchungen
  • Schlich­tungs­an­trä­ge (BGÖ): 203
  • Gemel­de­te Daten­si­cher­heits­ver­let­zun­gen: 484, davon 141 frei­wil­lig (Vor­jahr: 363, davon 26 frei­wil­lig). Gemeint ist wohl, dass die nied­ri­ge Zahl die aus­drück­lich als frei­wil­lig bezeich­ne­ten Mel­dun­gen wie­der­gibt. Es dürf­te eine hohe Dun­kel­zif­fer eben­falls frei­wil­li­ger Mel­dun­gen geben, die auf­grund des Mel­de­for­mu­lars aber nicht als sol­che dekla­riert wer­den konnten
  • Für DSG-Belan­ge ein­setz­ba­re Stel­len: 32 (Vor­jahr: 33)

Wesent­li­che Punkte

Auf­sicht über das revi­dier­te DSG konsolidiert

Der EDÖB bezeich­net den auf­sichts­recht­li­chen Voll­zug des seit dem 1. Sep­tem­ber 2023 gel­ten­den DSG als “kon­so­li­diert”:

Der auf­sichts­recht­li­che Voll­zug des am 1. Sep­tem­ber 2023 in Kraft getre­te­nen DSG kann als kon­so­li­diert gel­ten, nach­dem der EDÖB sein Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot zur Anwen­dung des neuu.U. Rechts im Berichts­jahr durch wei­te­re Rat­ge­ber für die Pra­xis abrun­den konn­te und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt am 6. Okto­ber 2025 die neue Ver­fü­gungs­pra­xis der Behör­de mit einem ersten, in Rechts­kraft erwach­se­nen Urteil bestä­tigt hat.

Dabei geht es um das Urteil vom 6. Okto­ber 2025 i.S. Pfar­rer­check, mit dem das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eine Ver­fü­gung des EDÖB bestä­tigt hat­te, d.h. das Ver­bot der Publi­ka­ti­on von Kon­takt­da­ten von Pfarr­per­so­nen ohne Ein­wil­li­gung unter­sagt und die Anord­nung der Löschung innert 40 Tagen. Eben­falls bestä­tig­te wur­de dabei die auf dem effek­ti­ven Zeit­auf­wand beru­hen­de Gebühr und die Anony­mi­sie­rung der Anzei­gen im Rah­men der Akteneinsicht.

Dass die Auf­sichts­pra­xis damit kon­so­li­diert ist, ist aller­dings eine muti­ge Aus­sa­ge, nach­dem das BVGer dem EDÖB mit Urteil i.S. Apfel­ki­ste eine schwer­wie­gen­de Ver­let­zung von Ver­fah­rens­rech­ten beschei­nigt hat­te. Die Kon­so­li­die­rung dürf­te noch eini­ge Zeit in Anspruch nehmen.

Bis­her ist auch nicht gericht­lich geklärt, ob die Publi­ka­ti­ons­pra­xis des EDÖB – die Publi­ka­ti­on von Ver­fü­gun­gen unter Namens­nen­nung des Ver­fü­gungs­adres­sa­ten als Stan­dard­vor­ge­hen – rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen stand­hält. Sowohl die gesetz­li­che Grund­la­ge von Art. 57 Abs. 2 DSG als auch das Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­ge­bot ver­lan­gen jeden­falls eine Abwä­gung des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­ses des Publi­kums an der Namens­nen­nung gegen das Dis­kre­ti­ons­in­ter­es­se des Ver­fü­gungs­adres­sa­ten, die sich in den Publi­ka­ti­ons­ver­fü­gun­gen des EDÖB nicht fin­det. Augen­fäl­lig ist auch, dass bei einer “frei­wil­li­gen” Befol­gung nie­der­schwel­li­ger Inter­ven­tio­nen (z.B. hier) kei­ne Namen genannt wer­den, bei Ver­fü­gun­gen aber schon. Dies macht aus der nie­der­schwel­li­gen Inter­ven­tio­nen fak­tisch eine Zwangs­mass­nah­me ohne Rechts­grund­la­ge. Die hohe “Erfolgs­quo­te” die­ser Inter­ven­tio­nen dürf­te sich jeden­falls zum Teil nicht mit spon­ta­ner Ein­sicht, son­dern der Furcht vor Repu­ta­ti­ons­schä­den infol­ge einer Unter­su­chung und Ver­fü­gung erklä­ren lassen.

Vie­le Anzei­gen, weni­ge for­mel­le Aufsichtshandlungen

Die Zahl der ein­ge­gan­ge­nen Anzei­gen hat sich auf 2’447 mehr als ver­dop­pelt. Davon rich­te­ten sich 2’347 gegen pri­va­te Ver­ant­wort­li­che und nur rund 100 gegen Bun­des­be­hör­den. 2’210 davon wur­den behan­delt, 237 waren offen. Aus die­ser Mas­se resul­tier­ten 156 nie­der­schwel­li­ge Inter­ven­tio­nen, 22 Vor­ab­klä­run­gen und 9 for­mel­le Unter­su­chun­gen, von denen im Berichts­jahr 6 eröff­net worden.

Die Quo­ten zu den Anzei­gen lie­gen damit in etwa wie folgt:

  • Nie­der­schwel­li­ge Inter­ven­tio­nen: 6%
  • Vor­ab­klä­run­gen: 1%
  • for­mel­le Unter­su­chun­gen: 0.36%

Das spricht für das Augen­mass des EDÖB und lässt deut­lich wer­den, was auch für Aus­kunfts­be­geh­ren gilt: In der Regel geht es nicht um daten­schutz­recht­li­che Anlie­gen (zumin­dest wenn nicht meh­re­re Anzei­gen gegen das­sel­be Unter­neh­men eingehen).

Für Belan­ge des DSG ste­hen 2026 32 Voll­zeit­stel­len zur Ver­fü­gung, eine weni­ger als 2025. Der Auf­wand ver­teilt sich auf

  • Bera­tung (49,7 %)
  • Auf­sicht (21,5 %)
  • Infor­ma­ti­on (17 %) und
  • Gesetz­ge­bung (11,8 %).

Der Auf­sichts­an­teil ist dabei gegen­über dem Vor­jahr (20,3 %) leicht gestiegen.

Ver­fah­ren gegen Pri­va­te: Ban­ken, Inkas­so, Auskunfteien

Die Auf­sicht kon­zen­triert sich auf pri­va­te Ver­ant­wort­li­che, mit einer Häu­fung bei Finanz­dienst­lei­stern und beim Auskunftsrecht:

  • Gegen Post­Fi­nan­ce ver­füg­te der EDÖB, bei der Erstel­lung von Stimm­ab­drücken zur Authen­ti­fi­zie­rung mit­tels Stimm­erken­nung eine aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung ein­zu­ho­len und Stimm­ab­drücke ohne sol­che Ein­wil­li­gung zu löschen (dazu hier). Post­Fi­nan­ce hat gegen die Ver­fü­gung und die beab­sich­tig­te Publi­ka­ti­on Beschwer­de erho­ben. Bei­de Ver­fah­ren waren bei Redak­ti­ons­schluss des Berichts offen­bar noch hängig.
  • Gegen Cem­bra Money Bank schloss der EDÖB im Janu­ar 2025 eine Unter­su­chung zum Umgang mit Aus­kunfts­ge­su­chen ab. Cem­bra hat­te kei­ne Beschwer­de gegen die Ver­fü­gung erhoben.
  • Gegen Inkas­so-Team ord­ne­te der EDÖB an, die Publi­ka­ti­on von Per­so­nen­da­ten mut­mass­li­cher Schuld­ner im Inter­net zu unter­las­sen und publi­zier­te Daten zu löschen.
  • Gegen eine nicht nament­lich genann­te Wirt­schafts­aus­kunf­tei eröff­ne­te der EDÖB eine Unter­su­chung zur Fra­ge, ob aus Boni­täts­aus­künf­ten stam­men­de Daten zu Mar­ke­ting­zwecken an Drit­te wei­ter­ge­ge­ben wer­den dür­fen und ob ihr Umgang mit Aus­kunfts- und Löschungs­ge­su­chen recht­mä­ssig ist.
  • In einem Fall, bei Add Con­ti GmbH, hat der EDÖB wegen Ver­let­zung der Mit­wir­kungs­pflicht bei der Staats­an­walt­schaft St. Gal­len Straf­an­zei­ge eingereicht.

KI und Biometrie

Am 3. März 2026 lei­te­te der EDÖB nach einer infor­mel­len Vor­ab­klä­rung eine Unter­su­chung gegen ein schwei­ze­ri­sches Unter­neh­men ein, das Dienst­lei­stun­gen der digi­ta­len Iden­ti­täts­prü­fung und der KI-gestütz­ten Alters­i­den­ti­fi­ka­ti­on anbie­tet und die zur Iden­ti­täts­prü­fung erho­be­nen bio­me­tri­schen Daten zur Schu­lung ihrer KI ver­wen­det. Geprüft wird dabei die Ver­ein­bar­keit der KI-gestütz­ten Bear­bei­tun­gen mit den Bear­bei­tungs­grund­sät­zen und die Umset­zung der Betrof­fe­nen­rech­te. Aus­lö­ser waren offen­bar unzu­rei­chen­de Ant­wor­ten zum Umgang mit Betroffenenbegehren.

Aus­kunfts­recht zur Beweisbeschaffung

Der EDÖB erhielt erneut zahl­rei­che Anzei­gen von Per­so­nen ohne Zugang zu ihren Kon­ten bei Social Media-Anbie­tern, stell­te dabei aber kei­ne Ver­let­zung des Aus­kunfts­rechts fest. Ob sich Betrei­ber und Nut­zer an die Nut­zungs­be­din­gun­gen gehal­ten haben, ist eine zivil­recht­li­che Fra­ge. Das Aus­kunfts­recht dient aus­schliess­lich der infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung und ist kein Instru­ment der Beweis­erhe­bung für zivil- oder straf­recht­li­che Anlie­gen, und es erfasst auch kei­ne Daten Drit­ter, etwa mut­mass­li­cher Hacker. Zugleich hält der EDÖB fest, dass Anbie­ter die Iden­ti­tät der Nut­zer prü­fen und Aus­künf­te ver­wei­gern müs­sen, wenn die Kon­to­in­ha­ber­schaft nicht nach­ge­wie­sen ist.

Daten­si­cher­heits­ver­let­zun­gen

Die Zahl der gemel­de­ten Daten­si­cher­heits­ver­let­zun­gen stieg auf 484 (Vor­jahr: 363). Der Anstieg geht fast nur auf frei­wil­li­ge Mel­dun­gen zurück, die von 26 auf 141 zunah­men, wäh­rend die obli­ga­to­ri­schen Mel­dun­gen kon­stant blie­ben. Anlass soll eine Anpas­sung des Leit­fa­dens des EDÖB betref­fend die Mel­dung von Daten­si­cher­heits­ver­let­zun­gen sein, mit der der EDÖB aus­drück­lich auf die Mög­lich­keit frei­wil­li­ger Mel­dun­gen hin­weist. Dane­ben neh­men auch vor­läu­fi­ge Mel­dun­gen zu.

Öffent­lich­keits­prin­zip

Zum Jubi­lä­um des BGÖ ver­zeich­net der Bericht 203 Schlich­tungs­an­trä­ge im Jahr 2025, einen mehr als im Vor­jahr. Der eigent­li­che Anstieg der Bela­stung geht auf die Zahl der Zugangs­ge­su­che an die Bun­des­ver­wal­tung zurück, die sich über zehn Jah­re mehr als ver­drei­facht hat. Die mei­sten Schlich­tungs­an­trä­ge stam­men von Medi­en (84) und Pri­va­ten (53). In 1’030 Fäl­len voll­stän­di­ger oder teil­wei­ser Zugangs­ver­wei­ge­rung kam es in 20% zu einem Schlich­tungs­an­trag; 207 Ver­fah­ren wur­den erle­digt, in 98 eine Eini­gung erzielt.

Wei­te­re Punkte

Der Tätig­keits­be­richt ent­hählt wei­te­re Hin­wei­se und Beob­ach­tun­gen, von denen eini­ge kurz her­aus­ge­grif­fen sei­en (mehr oder weni­ger in der Struk­tur des Berichts):

Digi­ta­li­sie­rung

  • Dash­cams: Per­ma­nen­te Dash­cam-Auf­nah­men ver­let­zen laut EDÖB die Grund­sät­ze des DSG, weil Zweck und Rechts­grund­la­ge nicht hin­rei­chend bestimmt sind. Ereig­nis­ge­steu­er­te Syste­me, die etwa nur bei einer Voll­brem­sung, plötz­li­cher Bewe­gung oder Erschüt­te­rung auf­zeich­nen und nicht benö­tig­te Auf­nah­men rasch löschen, kön­nen DSG-kon­form betrie­ben werden.
  • M365 und Cloud in der Bun­des­ver­wal­tung: Bei der Migra­ti­on der Bun­des­ver­wal­tung auf Micro­soft 365 im Pro­jekt CEBA hat der EDÖB dazu bei­getra­gen, dass GEVER-Dos­siers, Inhal­te von Out­look-Mail­bo­xen sowie beson­ders schüt­zens­wer­te Per­so­nen­da­ten und Per­sön­lich­keits­pro­fi­le wei­ter­hin in Rechen­zen­tren der Bun­des­ver­wal­tung bear­bei­tet wer­den, on-pre­mi­se und nicht in der Cloud. Eben­falls ver­langt er eine prä­zi­se Beschrei­bung hoher Risi­ken und risi­ko­min­dern­der Mass­nah­men in der DSFA. Begrüsst wird zudem, dass die Bun­des­kanz­lei im Pro­jekt BOSS mit­tel­fri­stig ein­setz­ba­re Open-Source-Alter­na­ti­ven zu M365 prüft.
  • Sekun­där­nut­zung von Per­so­nen­da­ten. Zur Moti­on 22.3890 (Rah­men­ge­setz für die Sekun­där­nut­zung von Daten) sieht Der EDÖB daten­schutz­recht­lich kei­nen Bedarf an einer Neu­re­ge­lung. Das DSG erlau­be Sekun­där­nut­zun­gen bereits, soweit die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 31 bzw. Art. 39 DSG erfüllt sind. Ins­be­son­de­re kön­ne eine Zweck­än­de­rung für nicht per­so­nen­be­zo­ge­ne Zwecke wie For­schung, Pla­nung oder Sta­ti­stik gerecht­fer­tigt werden.

Künst­li­che Intelligenz

  • Tech­no­lo­gie­neu­tra­les DSG: Der EDÖB betont, dass das DSG tech­no­lo­gie­neu­tral for­mu­liert ist und auf KI-gestütz­te Daten­be­ar­bei­tun­gen Anwen­dung findet.
  • Zur KI-Kon­ven­ti­on des Euro­pa­rats unter­stützt der EDÖB den Ansatz des Bun­des­rats, die grund­rechts­re­le­van­ten Berei­che (auch den Daten­schutz) all­ge­mein zu regu­lie­ren und bei Bedarf durch sek­to­ri­el­le Vor­ga­ben zu ergän­zen (falls es dabei bleibt).
  • Bun­des­ei­ge­ne KI-Syste­me: Für die Bun­des­ver­wal­tung sieht der EDÖB bun­des­ei­ge­ne KI-Syste­me als not­wen­dig, um Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­schutz ein­zu­hal­ten. Ent­schei­dend sei, dass Prompts und dar­in ent­hal­te­ne Daten lokal bear­bei­tet und nur befug­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten zugäng­lich gemacht wer­den. Kom­mer­zi­el­le LLM wie Copi­lot oder ChatGPT bedeu­te­ten dem­ge­gen­über auf­grund der min­de­stens zeit­wei­li­gen Spei­che­rung in der Cloud des Anbie­ters ein Datensicherheitsrisiko.
  • Smart­glas­ses: “Intel­li­gen­te” Bril­len wer­fen Fra­gen der Trans­pa­renz auf. Auto­ma­ti­sche Licht­si­gna­le genü­gen dafür nicht ohne Wei­te­res. Zudem erin­nert der EDÖB dar­an, dass der heim­li­che Ein­satz von Auf­nah­me­ge­rä­ten zur Beob­ach­tung oder Auf­zeich­nung pri­va­ter Vor­gän­ge straf­bar sein kann. Pri­va­te Nut­zer müs­sen ihre Infor­ma­ti­ons­pflich­ten erfül­len und je nach Ver­wen­dung die Ein­wil­li­gung betrof­fe­ner Dritt­per­so­nen einholen.
  • KI-Trai­ning mit bio­me­tri­schen Daten: Am 3. März 2026 eröff­ne­te der EDÖB eine Unter­su­chung gegen ein schwei­ze­ri­sches Unter­neh­men, das digi­ta­le Iden­ti­täts­prü­fung und KI-gestütz­te Alters­i­den­ti­fi­ka­ti­on anbie­tet und bio­me­tri­sche Daten aus der Iden­ti­täts­prü­fung zum Trai­ning sei­ner KI ver­wen­det. Gegen­stand sind die Ver­ein­bar­keit mit Trans­pa­renz, Ver­hält­nis­mä­ssig­keit, Treu und Glau­ben, Zweck­bin­dung sowie die Umset­zung der Betroffenenrechte.

Gesund­heit

  • Elek­tro­ni­sches Gesund­heits­dos­sier: Das elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­dos­sier soll durch das elek­tro­ni­sche Gesund­heits­dos­sier abge­löst wer­den. Der Bun­des­rat hat­te die Bot­schaft dazu im Novem­ber 2025 ans Par­la­ment über­wie­sen; mit dem Inkraft­tre­ten sei ab 2030 zu rech­nen. Das E‑GD soll auto­ma­tisch und kosten­los für Per­so­nen mit Wohn­sitz in der Schweiz eröff­net wer­den, wobei ein Opt-out mög­lich sein muss. Der EDÖB ver­langt ein ech­tes, ein­heit­li­ches und form­lo­ses Wider­spruchs­recht, ein­schliess­lich ana­lo­ger Lösun­gen, eine eigen­stän­di­ge Ver­wal­tung der Zugriffs­rech­te, Pro­to­koll­ein­sicht sowie hohe Anfor­de­run­gen an Daten­schutz und Daten­si­cher­heit. Der Zugriff von Gesund­heits-Apps wur­de auf sei­nen Antrag hin ver­schärft. Die Bei­be­hal­tung einer sek­to­ri­el­len Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer statt der AHV-Num­mer begrüsst er, weil sie das Risi­ko einer Ver­knüp­fung mit ande­ren Daten­be­stän­den redu­ziert.  
  • TARDOC und ambu­lan­te Pau­scha­len: Das neue Tarif­sy­stem für ambu­lan­te ärzt­li­che Behand­lun­gen gilt seit dem 1. Janu­ar 2026 und ersetzt TARMED. Es besteht aus TARDOC als Ein­zel­lei­stungs­ta­rif und den ambu­lan­ten Pau­scha­len. Der EDÖB weist hier auf offe­ne tech­ni­sche und recht­li­che Fra­gen hin, ins­be­son­de­re bei der Über­mitt­lung von Dia­gno­se­da­ten. Die­se dür­fen nicht über das hin­aus­ge­hen, was für die Rech­nungs­kon­trol­le erfor­der­lich ist.
  • Spi­Ges: Spi­Ges steht für «Spi­tal­sta­tio­nä­re Gesund­heits­ver­sor­gung» und ist ein Digi­S­an­té-Pro­jekt zur Umset­zung des Once-Only-Prin­zips im sta­tio­nä­ren Spi­tal­be­reich. Spi­tal­da­ten sol­len ein­mal erho­ben und anschlie­ssend für ver­schie­de­ne gesetz­li­che Zwecke genutzt wer­den kön­nen, unter ande­rem durch Bun­des­stel­len, Kan­to­ne, Ver­si­che­rer, Swiss­DRG AG und ANQ. Der EDÖB ver­langt dabei, dass jeder Emp­fän­ger nur auf die für sei­ne gesetz­li­chen Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Daten zugrei­fen kann. Per­so­nen­da­ten sind vor der Über­mitt­lung zu anony­mi­sie­ren und auf das not­wen­di­ge Mini­mum zu beschränken.

Ver­kehr

  • SBB-Body­cams: Beim geplan­ten Ein­satz von Body­cams durch Zug­be­glei­ter betont der EDÖB das Lega­li­täts­prin­zip. Video­über­wa­chung stel­le einen schwe­ren Grund­rechts­ein­griff dar; die wesent­li­chen Ele­men­te müs­sen des­halb for­mell­ge­setz­lich und mög­lichst tech­no­lo­gie­neu­tral gere­gelt wer­den. Die heu­ti­gen Grund­la­gen genü­gen nach Ansicht des EDÖB nicht. Die SBB haben offen­bar zuge­sagt, mit der Umset­zung zuzu­war­ten. Gegen die BLT Basel­land Trans­port eröff­ne­te der EDÖB am 24. Febru­ar 2026 wegen bereits ein­ge­setz­ter Body­cams eine Untersuchung.
  • Gesichts­er­ken­nung am Flug­ha­fen Zürich: Die Flug­ha­fen Zürich AG gilt auf­grund ihrer Betriebs­kon­zes­si­on als Bun­des­or­gan. Für ein Pilot­pro­jekt zur Gesichts­er­ken­nung bei der Bord­kar­ten­kon­trol­le fehlt nach Ansicht des EDÖB eine for­mell­ge­setz­li­che Grund­la­ge. Die Flug­ha­fen Zürich AG ver­zich­tet bis zum Inkraft­tre­ten der nöti­gen Rechts­grund­la­ge auf die Fortführung.

Öffent­lich­keits­prin­zip

  • Münd­li­che Schlich­tung: 2025 wur­den 97 Schlich­tungs­ver­hand­lun­gen durch­ge­führt; in 71 Fäl­len kam es zu einer Eini­gung, was einer Quo­te von 73 Pro­zent ent­spricht. Ins­ge­samt wur­den 203 Schlich­tungs­an­trä­ge ein­ge­reicht und 49 Emp­feh­lun­gen erlas­sen. Die hohe Eini­gungs­quo­te spri­che für das Instru­ment, auch wenn die Regel­fri­sten wei­ter­hin ein Pro­blem bleiben.
  • Miss­brauch des BGÖ: Inter­es­sant ist die sehr berech­tig­te Kri­tik des EDÖB an einer zuneh­men­den Nut­zung des BGÖ für sach­frem­de Zwecke. Er beob­ach­tet ver­mehr­te Ver­su­che, über das BGÖ Rechts­fra­gen klä­ren zu las­sen oder Behör­den­ent­schei­de zu erwir­ken, bei denen es in der Sache nicht mehr haupt­säch­lich um den Zugang zu amt­li­chen Doku­men­ten geht. Als Grün­de dafür nennt er die Nie­der­schwel­lig­keit und Kosten­lo­sig­keit des Schlichtungsverfahrens.
  • For­ma­lis­mus und Mit­wir­kung: Der EDÖB kri­ti­siert zuneh­men­den For­ma­lis­mus. Behör­den klär­ten teils zen­tra­le Vor­fra­gen erst im Schlich­tungs­ver­fah­ren, etwa Ver­tre­tungs­voll­macht, Par­tei­fä­hig­keit oder Berech­ti­gung zur Gesuch­stel­lung. Auf der ande­ren Sei­te sieht sich der EDÖB ver­mehrt mit for­ma­li­sti­schen Ver­fah­rens­an­trä­gen konfrontiert.
  • Spe­zi­al­ge­setz­li­che Gel­tungs­lücken: Unter Gel­tungs­lücken ver­steht der EDÖB spe­zi­al­ge­setz­li­che Vor­be­hal­te nach Art. 4 BGÖ, d.h. Bestim­mun­gen in ande­ren Bun­des­ge­set­zen, die bestimm­te Infor­ma­tio­nen als geheim bezeich­nen oder vom BGÖ abwei­chen­de Zugangs­vor­aus­set­zun­gen schaf­fen. Der EDÖB führt 13 bestehen­de und 11 geplan­te sol­che Gel­tungs­lücken auf. Die bestehen­den Aus­nah­me­be­stim­mun­gen des BGÖ, ins­be­son­de­re Art. 7 und 9 BGÖ zum Schutz von Geschäfts­ge­heim­nis­sen, Pri­vat­sphä­re und Daten juri­sti­scher Per­so­nen, sol­len laut EDÖB grund­sätz­lich genü­gen. Dem ist jeden­falls inso­weit zu wider­spre­chen, als das Geschäfts­ge­heim­nis durch die sehr stren­ge Pra­xis fak­tisch völ­lig aus­ge­he­belt wird.
  • Aus­höh­lung des Öffent­lich­keits­prin­zips. Pro­ble­ma­tisch sind für den EDÖB Aus­nah­men für Aufsichts‑, Kontroll‑, Audit- und Inspek­ti­ons­be­hör­den. Gera­de hier bestehe ein erhöh­tes öffent­li­ches Inter­es­se an Trans­pa­renz. Wird die Auf­sichts­tä­tig­keit dem BGÖ ent­zo­gen, wer­den das Öffent­lich­keits­prin­zip zurück­ge­baut. Der EDÖB will sich des­halb in Ämter­kon­sul­ta­tio­nen wei­ter­hin gegen neue Spe­zi­al­be­stim­mun­gen aussprechen.