Take-Aways (AI)
  • Der EuG hat am 3. Sep­tem­ber 2025 die Kla­ge von Phil­ip­pe Latom­be gegen das EU‑US Data Pri­va­cy Frame­work (DPF) abgewiesen.
  • Das Gericht hielt das Data Pro­tec­tion Review Court (DPRC) für aus­rei­chend unab­hän­gig und bin­dend, trotz Kri­tik an sei­ner exe­ku­ti­ven Verankerung.
  • Der EuG befand, Mas­sen­über­wa­chung sei weder inner­halb noch ausser­halb der USA gene­rell zuläs­sig; EO 14086 und ande­re Beschrän­kun­gen genüg­ten als Garantien.
  • Auto­ma­ti­sier­te Ein­zel­ent­schei­dun­gen und Daten­si­cher­heits­an­for­de­run­gen wur­den vom EuG als durch sek­tor­spe­zi­fi­sche Schutz­me­cha­nis­men und tech­ni­sche Mass­nah­men aus­rei­chend abge­deckt bewertet.

Das EU-US Data Pri­va­cy Frame­work (DPF) erlaubt Unter­neh­men und Behör­den seit sei­nem Inkraft­tre­ten am 10. Juli 2023, Per­so­nen­da­ten an nach dem DPF zer­ti­fi­zier­te Emp­fän­ger in den USA zu über­mit­teln. In der Schweiz hat der Bun­des­rat das Äqui­va­lent, das CH-US Data Pri­va­cy Frame­work, 15. Sep­tem­ber 2024 in Kraft gesetzt.

Das DPF wur­de aller­dings seit Beginn als schwach kri­ti­siert, und der fran­zö­si­sche Abge­ord­ne­te Phil­ip­pe Latom­be hat­te vor dem EuG gegen das DPF geklagt. Der EuG nun die Ange­mes­sen­heit des DPF bestä­tigt bzw. die Kla­ge von Latom­be abge­wie­sen (Urteil Rs. T‑553/23; der­zeit erst auf fran­zö­sisch und por­tu­gie­sisch verfügbar).

Die Ent­schei­dung ist nicht rechts­kräf­tig, Latom­be kann sie inner­halb von zwei Mona­ten beim EuGH anfechten.

Vor­läu­fer: Schrems I & II

Das DPF ist bekannt­lich eine Nach­fol­ge­re­ge­lung im Bemü­hen, die wirt­schaft­lich not­wen­di­ge Über­mitt­lung von Per­so­nen­da­ten aus Mit­tel­er­de (EU) an Mordor (USA) zu ermöglichen:

  • Schrems I – Safe Har­bor: Der erste Ver­such einer sol­chen Rege­lung war das Safe-Har­bor Agree­ment. Der EuGH hat­te es 2015 im Schrems I‑Urteil 2015 auf­ge­ho­ben, mit fol­gen­den Kernaussagen:

    73 […] Wie der Gene­ral­an­walt […] aus­ge­führt hat, ist der Aus­druck „ange­mes­se­nes Schutz­ni­veau“ jedoch so zu ver­ste­hen, dass ver­langt wird, dass das Dritt­land auf­grund sei­ner inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder inter­na­tio­na­ler Ver­pflich­tun­gen tat­säch­lich ein Schutz­ni­veau der Frei­hei­ten und Grund­rech­te gewähr­lei­stet, das dem in der Uni­on […] garan­tier­ten Niveau der Sache nach gleich­wer­tig ist. […] 

    81 Auch wenn der Rück­griff eines Dritt­lands auf ein System der Selbst­zer­ti­fi­zie­rung als sol­cher nicht gegen das Erfor­der­nis […] ver­stößt, dass in dem betref­fen­den Dritt­land „auf­grund sei­ner inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder inter­na­tio­na­ler Ver­pflich­tun­gen“ ein ange­mes­se­nes Schutz­ni­veau gewähr­lei­stet sein muss, beruht die Zuver­läs­sig­keit eines sol­chen Systems im Hin­blick auf die­ses Erfor­der­nis wesent­lich auf der Schaf­fung wirk­sa­mer Über­wa­chungs- und Kon­troll­me­cha­nis­men, die es erlau­ben, in der Pra­xis etwa­ige Ver­stö­ße gegen Regeln zur Gewähr­lei­stung des Schut­zes der Grund­rech­te, ins­be­son­de­re des Rechts auf Ach­tung der Pri­vat­sphä­re sowie des Rechts auf den Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten, zu ermit­teln und zu ahnden.

    87 […] ermög­licht die Aus­nah­me in Abs. 4 von Anhang I der Ent­schei­dung 2000/520 es daher, gestützt auf Erfor­der­nis­se der natio­na­len Sicher­heit, des öffent­li­chen Inter­es­ses oder von Rechts­vor­schrif­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten in die Grund­rech­te der Per­so­nen ein­zu­grei­fen, deren per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten aus der Uni­on in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten über­mit­telt wer­den oder wer­den könn­ten. Für die Fest­stel­lung des Vor­lie­gens eines Ein­griffs in das Grund­recht auf Ach­tung der Pri­vat­sphä­re kommt es nicht dar­auf an, ob die betref­fen­den Infor­ma­tio­nen über die Pri­vat­sphä­re sen­si­blen Cha­rak­ter haben oder ob die Betrof­fe­nen durch den Ein­griff Nach­tei­le erlit­ten haben könnten ([…]).

    89 Hin­zu kommt, dass die Ent­schei­dung 2000/520 kei­ne Fest­stel­lung zum Bestehen eines wirk­sa­men gericht­li­chen Rechts­schut­zes gegen der­ar­ti­ge Ein­grif­fe ent­hält. Wie der Gene­ral­an­walt in den Nrn. 204 bis 206 sei­ner Schluss­an­trä­ge aus­ge­führt hat, bezie­hen sich die pri­va­ten Schieds­me­cha­nis­men und die Ver­fah­ren vor der Fede­ral Trade Com­mis­si­on, deren ins­be­son­de­re in den FAQ 11 in Anhang II der Ent­schei­dung beschrie­be­ne Befug­nis­se auf Han­dels­strei­tig­kei­ten beschränkt sind, auf die Ein­hal­tung der Grund­sät­ze des „siche­ren Hafens“ durch die ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men und kön­nen nicht im Rah­men von Strei­tig­kei­ten über die Recht­mä­ßig­keit von Ein­grif­fen in Grund­rech­te, die sich aus Maß­nah­men staat­li­chen Ursprungs erge­ben, zur Anwen­dung kommen.

    92 Dar­über hin­aus ver­langt der Schutz des Grund­rechts auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens auf Uni­ons­ebe­ne vor allem, dass sich die Aus­nah­men vom Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und des­sen Ein­schrän­kun­gen auf das abso­lut Not­wen­di­ge beschrän­ken […].

    98 Daher ist, ohne dass es einer Prü­fung des Inhalts der Grund­sät­ze des „siche­ren Hafens“ bedarf, der Schluss zu zie­hen, dass Art. 1 der Ent­schei­dung 2000/520 gegen die in Art. 25 Abs. 6 der Richt­li­nie 95/46 im Licht der Char­ta fest­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen verstößt […].

  • Schrems II – Pri­va­cy Shield: Der zwei­te Ver­such hiess Pri­va­cy Shield, eine ana­lo­ge Rege­lung zur Über­mitt­lung an zer­ti­fi­zier­te US-Impor­teu­re. Im Juli 2016 in Kraft getre­ten, wur­de es vom EuGH im Juli 2020 im Schrems-II-Urteil auf­ge­ho­ben:

    105 […] Art. 46 Abs. 1 und Art. 46 Abs. 2 Buchst. c der DSGVO dahin aus­zu­le­gen sind, dass die nach die­sen Vor­schrif­ten erfor­der­li­chen geeig­ne­ten Garan­tien, durch­setz­ba­ren Rech­te und wirk­sa­men Rechts­be­hel­fe gewähr­lei­sten müs­sen, dass die Rech­te der Per­so­nen, deren per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten auf der Grund­la­ge von Stan­dard­da­ten­schutz­klau­seln in ein Dritt­land über­mit­telt wer­den, ein Schutz­ni­veau genie­ßen, das dem in der Uni­on durch die DSGVO im Licht der Char­ta garan­tier­ten Niveau der Sache nach gleich­wer­tig ist. […].

    176 Schließ­lich muss die frag­li­che, den Ein­griff ent­hal­ten­de Rege­lung, um dem Erfor­der­nis der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu genü­gen, wonach sich die Aus­nah­men und Ein­schrän­kun­gen in Bezug auf den Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten auf das abso­lut Not­wen­di­ge beschrän­ken müs­sen, kla­re und prä­zi­se Regeln für die Trag­wei­te und die Anwen­dung der betref­fen­den Maß­nah­me vor­se­hen und Min­dester­for­der­nis­se auf­stel­len, so dass die Per­so­nen, deren Daten über­mit­telt wur­den, über aus­rei­chen­de Garan­tien ver­fü­gen, die einen wirk­sa­men Schutz ihrer per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten vor Miss­brauchs­ri­si­ken ermög­li­chen. Sie muss ins­be­son­de­re ange­ben, unter wel­chen Umstän­den und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine Maß­nah­me, die die Ver­ar­bei­tung sol­cher Daten vor­sieht, getrof­fen wer­den darf, damit gewähr­lei­stet ist, dass der Ein­griff auf das abso­lut Not­wen­di­ge beschränkt wird. Das Erfor­der­nis, über sol­che Garan­tien zu ver­fü­gen, ist umso bedeut­sa­mer, wenn die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten auto­ma­tisch ver­ar­bei­tet werden […].

    177 Hier­zu bestimmt Art. 45 Abs. 2 Buchst. a der DSGVO, dass die Kom­mis­si­on bei der Prü­fung der Ange­mes­sen­heit des von einem Dritt­land gebo­te­nen Schutz­ni­veaus u. a. „wirk­sa­me und durch­setz­ba­re Rech­te der betrof­fe­nen Per­son“, deren per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten über­mit­telt wer­den, berücksichtigt.

    180 […] lässt Sec­tion 702 des FISA in kei­ner Wei­se erken­nen, dass für die dar­in ent­hal­te­ne Ermäch­ti­gung zur Durch­füh­rung von Über­wa­chungs­pro­gram­men zum Zweck der Aus­lands­auf­klä­rung Ein­schrän­kun­gen bestehen. Genau­so wenig ist erkenn­bar, dass für poten­zi­ell von die­sen Pro­gram­men erfass­te Nicht-US-Per­so­nen Garan­tien exi­stie­ren. Unter die­sen Umstän­den ist die­se Vor­schrift […] nicht geeig­net, ein Schutz­ni­veau zu gewähr­lei­sten, das dem durch die Char­ta […] garan­tier­ten Niveau der Sache nach gleich­wer­tig ist.

    184 Folg­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass weder Sec­tion 702 des FISA noch die E.O. 12333 in Ver­bin­dung mit der PPD-28 den im Uni­ons­recht nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit bestehen­den Min­dest­an­for­de­run­gen genü­gen, so dass nicht ange­nom­men wer­den kann, dass die auf die­se Vor­schrif­ten gestütz­ten Über­wa­chungs­pro­gram­me auf das zwin­gend erfor­der­li­che Maß beschränkt sind.

    194 Die Prü­fung der Fra­ge, ob der im DSS-Beschluss ange­führ­te Ombuds­me­cha­nis­mus tat­säch­lich die von der Kom­mis­si­on fest­ge­stell­ten Ein­schrän­kun­gen des Rechts auf gericht­li­chen Rechts­schutz aus­zu­glei­chen ver­mag, muss nach den Anfor­de­run­gen, die sich aus Art. 47 der Char­ta und der in Rn. 187 des vor­lie­gen­den Urteils wie­der­ge­ge­be­nen Recht­spre­chung erge­ben, von dem Grund­satz aus­ge­hen, dass Ein­zel­ne über die Mög­lich­keit ver­fü­gen müs­sen, Rechts­be­hel­fe vor einem unab­hän­gi­gen und unpar­tei­ischen Gericht ein­zu­le­gen, um Zugang zu den sie betref­fen­den per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten zu erlan­gen oder die Berich­ti­gung oder Löschung sol­cher Daten zu erwirken.

    197 Dem­nach eröff­net der im DSS-Beschluss genann­te Ombuds­me­cha­nis­mus kei­nen Rechts­weg zu einem Organ, das den Per­so­nen, deren Daten in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten über­mit­telt wer­den, Garan­tien böte, die den nach Art. 47 der Char­ta erfor­der­li­chen Garan­tien der Sache nach gleich­wer­tig wären.

    199 Dar­aus folgt, dass Art. 1 des DSS-Beschlus­ses mit Art. 45 Abs. 1 der DSGVO, aus­ge­legt im Licht der Art. 7, 8 und 47 der Char­ta, unver­ein­bar und somit ungül­tig ist.

Kri­tik am DPF

Vor die­sem Hin­ter­grund erstaunt es wenig, dass das DPF rasch unter Beschuss geriet:

  • Die Ange­mes­sen­heits­ent­schei­dung beruh­te schwer­ge­wich­tig auf der Exe­cu­ti­ve Order 14086 “Enhan­cing Safe­guards for United Sta­tes Signals Intel­li­gence Acti­vi­ties”, die Auf­klä­rungs­mass­nah­men gewis­sen Beschrän­kun­gen unter­warf und ein Beschwer­de­ver­fah­ren für Betrof­fe­ne ein­führ­te. Die­se Zusa­gen erlaub­ten es der EU-Kom­mis­si­on, die Ange­mes­sen­heit die­ses Rechts­rah­mens trotz Schrems I und II fest­zu­stel­len. Auf Kri­tik stiess aller­dings beson­ders der Umstand, dass eine Exe­cu­ti­ve Order kein Gesetz ist und des­halb leicht auf­ge­ho­ben wer­den kann, dass die Tätig­keit der US-Geheim­dien­ste bspw. auf Basis von FISA 702 nicht aus­rei­chend ein­ge­schränkt wer­de und dass das durch die Exe­cu­ti­ve Order geschaf­fe­ne “Data Pro­tec­tion Review Court” (DPRC) nicht unab­hän­gig sei (son­dern Teil der Exekutive).
  • Eine wei­te­re Grund­la­ge der Ange­mes­sen­heits­ent­schei­dung war das PCLOB. Das Pri­va­cy and Civil Liber­ties Over­sight Board (dazu hier) ist mit dem Schutz ins­be­son­de­re der Pri­vat­sphä­re im Bereich der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung betraut und soll das DPRC beauf­sich­ti­gen. Die Ent­las­sung der demo­kra­ti­schen Mit­glie­der des PCLOB durch Prä­si­dent Trump warf die Fra­ge auf (auch im Euro­päi­schen Par­la­ment), ob dem DPF damit eine Grund­la­ge ent­zo­gen war.
  • Was eben­falls nicht half, war die nun beur­teil­te Kla­ge des fran­zö­si­schen Abge­ord­ne­ten Phil­ip­pe Latom­be kurz nach dem Inkraft­tre­ten des DPF.

Die mei­sten Unter­neh­men haben sich des­halb nicht aus­schliess­lich auf das DPF ver­las­sen, son­dern haben bei Über­mitt­lun­gen an zer­ti­fi­zier­te US-Emp­fän­ger zusätz­lich die Stan­dard­ver­trags­klau­seln geschlos­sen, mit direk­ter Wirk­sam­keit oder bedingt durch eine Auf­he­bung des DPF.

Abwei­sung der Kla­ge Latombe

Am 3. Sep­tem­ber 2025 hat das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on (EuG) die Kla­ge von Latom­be nun abge­wie­sen. Die Begrün­dung des EuG lau­tet im Wesent­li­chen wie folgt:

Unab­hän­gig­keit des DPRC

Latom­be hat­te argu­men­tiert, das DPRC sei kein unab­hän­gi­ges und unpar­tei­isches Gericht im Sin­ne der Char­ta. Der EuG kommt dage­gen zum Ergeb­nis, das DPRC sei aus­rei­chend unab­hän­gig, zumal sei­ne Mit­glie­der nach Kri­te­ri­en bestellt wer­den, die jenen für Bun­des­rich­ter ver­gleich­bar sei­en, die Mit­glie­der kei­ne Exe­ku­tiv­funk­ti­on beklei­den dür­fen und Ent­schei­dun­gen des DPRC bin­dend sei­en. Die Über­wa­chung durch das PCLOB ver­stär­ke dies. Dass das DPRC nicht durch ein Gesetz geschaf­fen wur­de, tue dem kei­nen Abbruch. Auf die Abset­zung eini­ger Rich­ter durch Trump ging der EuG aller­dings nicht ein.

Mas­sen­haf­te Daten­be­schaf­fung durch US-Geheimdienste

Laut Latom­be ver­letz­te der Ange­mes­sen­heits­be­schluss die Char­ta auch des­we­gen, weil US-Geheim­dien­ste Per­so­nen­da­ten mas­sen­haft (“bulk coll­ec­tion”) ohne gericht­li­che Geneh­mi­gung beschaf­fen könn­ten. Der EuG geht von der Unter­schei­dung zwi­schen der Daten­be­schaf­fung in und ausser­halb der USA aus: 

  • In den USA kön­ne eine Daten­be­schaf­fung zu Zwecken der natio­na­len Sicher­heit (auch für aus der EU über­mit­tel­te Daten) nur gezielt erfol­gen, d.h. bezo­gen auf eine bestimm­te Per­son, ein bestimm­tes Kon­to oder einem ande­ren Selector.
  • Ausser­halb der USA wer­den Daten i.d.R. zwar eben­falls gezielt, u.U. aber auch durch eine mas­sen­haf­te Beschaf­fung erho­ben. Die­se Mas­sen­be­schaf­fung unter­liegt der EO 14086 und EO 12333, die sie Garan­tien und Beschrän­kun­gen unter­wer­fen. Eine unge­re­gel­te Mas­sen­be­schaf­fung sei weder inner­halb noch ausser­halb der USA zulässig.

Es kön­ne vor­lie­gend sodann nur dar­um gehen, ob eine mas­sen­haf­te Beschaf­fung bei Daten in Fra­ge kom­me, die gera­de auf Basis des DPF über­mit­telt wer­den. FISA 702 sei dabei nicht rele­vant, weil FISA 702 nicht eine mas­sen­haf­te Erhe­bung betrifft.

Mit Bezug auf die EO 14086 hat­te Latom­be u.a. kri­ti­siert, dass die Beschaf­fung kei­ner vor­he­ri­gen Geneh­mi­gung durch eine Justiz- oder Ver­wal­tungs­be­hör­de bedür­fe. Das trifft zwar zu. Laut EuG ver­langt Schrems II das aber auch nicht; eine nach­träg­li­che gericht­li­chen Kon­trol­le sei grund­sätz­lich aus­rei­chend (wie hier durch das DPRC). Auch unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des EuGH und des EGMR erschei­ne eine vor­he­ri­gen Geneh­mi­gung nicht als ein­zi­ge Garan­tie. Das US-Recht ent­hal­te wie erwähnt aus­rei­chen­de Beschrän­kun­gen der mas­sen­haf­ten Beschaf­fung und sehe das Recht auf einen wirk­sa­men Rechts­be­helf vor – das genüge.

Auto­ma­ti­sier­te Ein­zel­ent­schei­dun­gen und Datensicherheit

Latom­be kri­ti­sier­te schliess­lich, es feh­le eine aus­drück­li­che Garan­tie, dass Per­so­nen nicht auto­ma­ti­sier­ten Ent­schei­dun­gen unter­wor­fen wer­den. Art. 22 DSGVO fin­de aller­dings nur dort kei­ne Anwen­dung, wo ein zer­ti­fi­zier­te US-Unter­neh­men Daten in der EU direkt erfas­se, ohne dass eine Ange­bots­aus­rich­tung nach Art. 3 Abs. 2 DSGVO erfolgt. Hier gäbe es aus­rei­chen­de sek­to­ra­le Schutz­me­cha­nis­men (z.B. im Kredit‑, Arbeits‑, Ver­si­che­rungs- oder Gesund­heits­recht). – Auch dass Vor­ga­ben zu tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Sicher­heits­mass­s­nah­men feh­len, sah der EuG anders.