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Inter­pel­la­ti­on Cot­tier (23.3930): Künst­li­che Intel­li­genz. Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen müs­sen geschaf­fen wer­den, um das Beste dar­aus zu machen und Fehl­ent­wick­lun­gen zu vermeiden?

Inter­pel­la­ti­on Cot­tier (23.3930): Künst­li­che Intel­li­genz. Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen müs­sen geschaf­fen wer­den, um das Beste dar­aus zu machen und Fehl­ent­wick­lun­gen zu vermeiden?

Ein­ge­reich­ter Text

Künst­li­che Intel­li­genz (KI) spielt in unse­rer Gesell­schaft schnell eine immer wich­ti­ge­re Rol­le. Das Poten­zi­al für Fort­schrit­te, das die­se Tech­no­lo­gien bie­ten, ist immens. Die Her­aus­for­de­run­gen, die sie mit sich brin­gen, sind es ebenfalls.

KI hat das Poten­zi­al, die Art und Wei­se, wie wir arbei­ten, kom­mu­ni­zie­ren und sogar zusam­men­le­ben, radi­kal zu ver­än­dern. Wenn sie falsch oder zu fal­schen Zwecken ein­ge­setzt wird, kann sie auch schwer­wie­gen­de nega­ti­ve Fol­gen ins­be­son­de­re für die Pri­vat­sphä­re, die Sicher­heit oder die Men­schen­wür­de haben.

In die­sem Zusam­men­hang stel­le ich dem Bun­des­rat fol­gen­de Fragen:

  • Ist er bereit, ein natio­na­les For­schungs­pro­gramm zu star­ten, das sich damit befasst, wie sich die KI auf unse­re Gesell­schaft und Demo­kra­tie aus­wirkt, wel­che Rah­men­be­din­gun­gen für sie geschaf­fen wer­den kön­nen und wie sie zu Zwecken ent­wickelt wer­den kann, die für alle von Nut­zen sind?
  • Plant er, einen spe­zi­fi­schen Rechts­rah­men für Tech­no­lo­gien, die KI nut­zen, zu schaf­fen, oder hält er die der­zei­ti­ge Gesetz­ge­bung für ausreichend?
  • Wie wird sich die neue Rege­lung der EU sei­ner Mei­nung nach auf die Schwei­zer Gesetz­ge­bung aus­wir­ken? Wird die Schweiz Mass­nah­men ergrei­fen müs­sen, um sich anzu­pas­sen oder um die Aner­ken­nung von Äqui­va­len­zen zu erlangen?
  • Wel­chen Ein­fluss kön­nen die lau­fen­den Ver­hand­lun­gen über ein Über­ein­kom­men des Euro­pa­rats über «künst­li­che Intel­li­genz, Men­schen­rech­te, Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit» auf die Schweiz und ihre Gesetz­ge­bung haben. Der Vor­ent­wurf des Über­ein­kom­mens wur­de kürz­lich vom Aus­schuss für künst­li­che Intel­li­genz (Com­mit­tee on Arti­fi­ci­al Intel­li­gence, CAI), des­sen Vor­sitz übri­gens ein Schwei­zer inne­hat, ver­öf­fent­licht. Plant die Schweiz, ihre Gesetz­ge­bung anzu­pas­sen? Wur­de mit der Arbeit in die­sem Bereich bereits begonnen?
  • Wel­che Mass­nah­men soll­ten ergrif­fen wer­den, um sicher­zu­stel­len, dass die Ent­wick­lung die­ser Tech­no­lo­gien in der Schweiz einen regu­lier­ten, aber gün­sti­gen Rah­men fin­det und dass Unter­neh­men, die in die­sem Bereich tätig sind, in der Schweiz gegrün­det wer­den oder sich hier niederlassen?
  • Soll­te die Schweiz nicht eine umfas­sen­de Stra­te­gie ent­wickeln, die die­se ver­schie­de­nen Aspek­te abdeckt? Ist der Bun­des­rat bereit, die­se Auf­ga­be in Angriff zu nehmen?

Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats vom 30.8.2023

Der Bun­des­rat hat bereits zahl­rei­che Mass­nah­men ergrif­fen, um einen ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Umgang mit künst­li­cher Intel­li­genz (KI) zu gewähr­lei­sten. Auf der Grund­la­ge des 2019 erschie­ne­nen Berichts der inter­de­par­te­men­ta­len Arbeits­grup­pe «Künst­li­che Intel­li­genz» hat er Leit­li­ni­en für den Ein­satz von KI in der Bun­des­ver­wal­tung aus­ge­ar­bei­tet und das Kom­pe­tenz­netz­werk für künst­li­che Intel­li­genz (CNAI) ins Leben gerufen.

Für die Lan­cie­rung eines Natio­na­len For­schungs­pro­gramms gibt es eta­blier­te Ver­fah­ren. Hier­bei kön­nen inter­es­sier­te Krei­se nach dem bot­tom-up Prin­zip The­men­vor­schlä­ge ein­rei­chen. Auf deren Grund­la­ge erar­bei­tet das Staats­se­kre­ta­ri­at für Bil­dung, For­schung und Inno­va­ti­on (SBFI) Pro­gramm­vor­schlä­ge, die vom Schwei­ze­ri­schen Natio­nal­fonds auf Mach­bar­keit geprüft wer­den. Der Bun­des­rat hat bereits das Natio­na­le For­schungs­pro­gramm NFP 77 «Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on» lan­ciert, in dem auch zu KI geforscht wird – ins­be­son­de­re im For­schungs­mo­dul «Ethik, Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Gover­nan­ce». In der NFP-Prüfrun­de 2022/2023 wur­de zudem ein Vor­schlag zu digi­ta­ler Demo­kra­tie geprüft. Die­se Prü­fung fiel nega­tiv aus, auch da vie­le Über­lap­pun­gen zum NFP 77 fest­ge­stellt wur­den (sie­he dazu Ant­wor­ten auf Anfra­ge 23.7210 und Inter­pel­la­ti­on 23.3281).

Die Aus­wir­kun­gen der Nut­zung von KI sind stark kon­text­ab­hän­gig. Aus die­sem Grund hat der Bun­des­rat bereits regu­la­to­ri­sche Mass­nah­men für gewis­se Berei­che getrof­fen. Ins­be­son­de­re hat er das Eid­ge­nös­si­sche Depar­te­ment für Umwelt, Ver­kehr, Ener­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on (UVEK) beauf­tragt, einen Ent­wurf zur Regu­lie­rung gro­sser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men aus­zu­ar­bei­ten. Mit die­sem Ent­wurf sol­len die Rech­te der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer in der Schweiz gestärkt und die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen an die Platt­for­men erhöht wer­den. Das neue Daten­schutz­ge­setz, das am 1. Sep­tem­ber 2023 in Kraft tritt, zielt eben­falls dar­auf ab, den Daten­schutz an den Stand der Tech­nik anzu­pas­sen. Es ent­hält Bestim­mun­gen über Ent­schei­dun­gen, die aus­schliess­lich auf einer auto­ma­ti­sier­ten Daten­be­ar­bei­tung beru­hen. Im Rah­men der der­zeit lau­fen­den Ver­nehm­las­sung zur Ände­rung des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes (Lei­stungs­schutz­recht für Medi­en­ver­la­ge) soll fest­ge­stellt wer­den, ob in Bezug auf den Ein­satz gene­ra­ti­ver KI Rege­lungs­be­darf besteht.

Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ver­folgt der Bun­des­rat die EU-inter­nen Ver­hand­lun­gen über die Ver­ord­nung zur Fest­le­gung har­mo­ni­sier­ter Vor­schrif­ten für künst­li­che Intel­li­genz (Gesetz über künst­li­che Intel­li­genz, «AI Act»). Die­se Ver­hand­lun­gen dürf­ten Ende 2023 oder Anfang 2024 abge­schlos­sen wer­den. Bevor eine all­fäl­li­ge Anpas­sung des schwei­ze­ri­schen Rechts­rah­mens in Betracht gezo­gen wird, um die Ver­wen­dung von KI in Anleh­nung an den «AI Act» zu regeln, müs­sen die Kon­se­quen­zen im Detail ana­ly­siert und die Inter­es­sen sorg­fäl­tig abge­wo­gen wer­den. Eine sol­che Ana­ly­se kann aber erst durch­ge­führt wer­den, wenn ein end­gül­ti­ger Ver­ord­nungs­text vor­liegt. Dar­über hin­aus betei­ligt sich die Schweiz aktiv an den Ver­hand­lun­gen des Euro­pa­ra­tes zu einem Über­ein­kom­men in die­sem Bereich und bringt dabei ihre Inter­es­sen und Wer­te ein. Die Schweiz hat den Vor­sitz des zustän­di­gen Komi­tees inne. Falls die Schweiz das Über­ein­kom­men rati­fi­ziert, ist sie anschlie­ssend ver­pflich­tet, es natio­nal umzu­set­zen. Ob gesetz­li­che Anpas­sun­gen not­wen­dig sind, wird sich erst nach Abschluss der Ver­hand­lun­gen zeigen.

In sei­ner Stel­lung­nah­me zum Postu­lat Dobler (23.3201) hat der Bun­des­rat bereits dar­ge­legt, dass er im Rah­men der bestehen­den Gefä­sse des Bun­des (insb. der inter­de­par­te­men­ta­len Koor­di­na­ti­ons­grup­pe EU-Digi­tal­po­li­tik, der Pla­te­for­me Tri­par­ti­te, des KI-Leit­li­ni­en-Moni­to­rings und das KI-Kom­pe­tenz­netz­werk des BFS (CNAI)) eine poli­ti­sche Ana­ly­se vor­neh­men wird. An die­sen Arbei­ten sind alle für die betrof­fe­nen Rechts­be­rei­che feder­füh­ren­den Bun­des­stel­len betei­ligt. Bis Ende 2024 wer­den Hand­lungs­be­darf sowie mög­li­che Optio­nen für sek­to­ri­el­le und wenn nötig hori­zon­ta­le Mass­nah­men aufgezeigt.

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