Inter­pel­la­ti­on Der­der (15.4253): Die Daten schüt­zen, damit sie bes­ser genutzt wer­den kön­nen. Eine drin­gen­de Not­wen­dig­keit und eine Chance

Inter­pel­la­ti­on Der­der (15.4253): Die Daten schüt­zen, damit sie bes­ser genutzt wer­den kön­nen. Eine drin­gen­de Not­wen­dig­keit und eine Chance

Ein­ge­reich­ter Text

Die Daten­men­ge, die von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern pro­du­ziert wird, nimmt sehr stark zu. Wir pro­du­zie­ren – mei­stens unbe­wusst – immer mehr und immer heik­le­re Daten (Big Data). Der Schutz der indi­vi­du­el­len Grund­frei­hei­ten, die bedroh­ter sind denn je, wird in unse­rem Rechts­staat zu einer Prio­ri­tät und die Auf­ga­be des Eid­ge­nös­si­schen Daten­schutz- und Öffent­lich­keits­be­auf­trag­ten (EDÖB) ist so wich­tig wie noch nie.

Ich habe den Bun­des­rat gefragt, ob der Auf­trag an den EDÖB nicht über­prüft und ihm mehr Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wer­den müss­ten (Fra­ge 15.5562). In sei­ner Ant­wort hat der Bun­des­rat dar­an erin­nert, dass vor­ge­se­hen ist, die Fra­ge der Auf­ga­ben und Mit­tel des EDÖB im Rah­men der Revi­si­on des Bun­des­ge­set­zes über den Daten­schutz noch vor August 2016 zu behan­deln. Er äusser­te sich jedoch nicht kon­kret zum Inhalt der gestell­ten Fra­ge, obwohl der neue EDÖB wäh­rend der näch­sten Ses­si­on in sei­ner Funk­ti­on bestä­tigt wird.

Vor die­sem Hin­ter­grund bit­te ich den Bun­des­rat um die Beant­wor­tung der fol­gen­den Fragen:

1. Es scheint unver­meid­lich, dass die Auf­ga­ben des EDÖB auf­grund der explo­si­ons­ar­ti­gen Zunah­me der pro­du­zier­ten Daten eben­falls zuneh­men. Wer­den ihm die nöti­gen Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt werden?

2. Wes­halb ver­zö­gert sich die lau­fen­de Geset­zes­re­vi­si­on? Wird der Ent­wurf bis August 2016 vor­lie­gen? Soll­te er nicht frü­her fer­tig­ge­stellt wer­den, da die grund­sätz­li­che Hal­tung der EU zu die­sem The­ma bekannt ist?

3. Ist sich der Bun­des­rat bewusst, wel­che her­vor­ra­gen­den Mög­lich­kei­ten Big Data bie­tet, ins­be­son­de­re in den Berei­chen Gesund­heit, Prä­zi­si­ons­me­di­zin und in der Behand­lung von schwe­ren Krank­hei­ten? Die Aus­schöp­fung die­ser Mög­lich­kei­ten bedingt, dass das Tei­len von Per­so­nen­da­ten geför­dert wird. Der Schutz die­ser Daten und der Pri­vat­sphä­re muss des­halb ver­bes­sert wer­den, damit das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die­ses System gestärkt wird. Ist sich der Bun­des­rat des­sen bewusst?

4. Ist dem Bun­des­rat bewusst, wie wich­tig die­ses Dos­sier ist und wel­che Dring­lich­keit es hat in einer Zeit, die im Zei­chen der Digi­ta­li­sie­rung und der Daten steht?

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h1>Stellungnahme des Bundesrats

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1. Die Fra­ge der Auf­stockung der Mit­tel des Eid­ge­nös­si­schen Daten­schutz- und Öffent­lich­keits­be­auf­trag­ten (EDÖB) wird im Rah­men der Revi­si­on des Daten­schutz­ge­set­zes (DSG; SR 235.1) geprüft wer­den und hängt davon ab, wel­che Auf­ga­ben ihm über­tra­gen wer­den. Der Bun­des­rat kann sich dazu im jet­zi­gen Zeit­punkt nicht äussern, er wird dies jedoch in der Bot­schaft tun.

2. Der Bun­des­rat sieht vor, die Revi­si­ons­vor­la­ge wie geplant bis Ende August 2016 in die Ver­nehm­las­sung zu schicken. Die Revi­sio­nen auf euro­päi­scher Ebe­ne – sowohl die Vor­la­gen für eine Richt­li­nie und eine Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Uni­on als auch die Vor­la­ge zur Moder­ni­sie­rung des Über­ein­kom­mens Nr. 108 des Euro­pa­ra­tes – wer­den im Lau­fe die­ses Jah­res ver­ab­schie­det. Aus die­sem Grund ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass es nicht sinn­voll ist, die Arbei­ten vor­zu­zie­hen. Über­dies beab­sich­tigt der Bun­des­rat, den im Früh­ling erwar­te­ten Ergeb­nis­sen einer aktu­ell lau­fen­den Regu­lie­rungs­fol­gen­ab­schät­zung (RFA) soweit wie mög­lich Rech­nung zu tragen.

3. Der Bun­des­rat ist sich der Chan­cen von Big Data, aber auch der damit ver­bun­de­nen neu­en Her­aus­for­de­run­gen im Daten­schutz­be­reich bewusst (sie­he nament­lich sei­ne Ant­wort vom 25. Febru­ar 2015 auf die Inter­pel­la­ti­on Graf-Lit­scher 14.4194). Um die­ses Phä­no­men bes­ser zu erfas­sen, hat er im Juni 2015 ein Natio­na­les For­schungs­pro­gramm lan­ciert, mit dem die Grund­la­gen für einen wirk­sa­men und ange­mes­se­nen Ein­satz der immer stär­ker wach­sen­den Daten­men­gen in allen Gesell­schafts­be­rei­chen geschaf­fen wer­den sol­len (NFP 75 “Big Data”). Das Modul 3 die­ses Pro­gram­mes unter­stützt die Ent­wick­lung von Big-Data-Anwen­dun­gen in ver­schie­de­nen Gesell­schafts­be­rei­chen, ins­be­son­de­re auch im Bereich der Medi­zin. In Erfül­lung der Moti­on Rech­stei­ner 13.3841 hat das EFD zudem die Exper­ten­grup­pe “Zukunft der Daten­be­ar­bei­tung und Daten­si­cher­heit” ein­ge­setzt, die ins­be­son­de­re gesell­schaft­li­che, poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Aspek­te von Big Data unter­sucht. Die­se Exper­ten­grup­pe wird sich auch mit spe­zi­fi­schen The­men im Bereich der Gesund­heit aus­ein­an­der­set­zen, nament­lich mit dem elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­sier. Big Data und das Bedürf­nis, den betrof­fe­nen Per­so­nen mehr Auto­no­mie zu ver­lei­hen, indem die Mass­nah­men gegen Miss­brauch und die staat­li­che Kon­trol­le ver­stärkt wer­den, unter ande­rem im Bereich der Gesund­heit, wer­den über­dies ein The­ma der neu­en digi­ta­len Stra­te­gie des Bun­des­ra­tes sein. Die­se wird wahr­schein­lich in der ersten Hälf­te die­ses Jah­res ver­ab­schie­det. Schliess­lich soll­te die RFA, wel­che im Rah­men der Revi­si­on des DSG durch­ge­führt wird, eben­falls nütz­li­che Anhalts­punk­te zu Big Data liefern.

Mit der Revi­si­on des DSG beab­sich­tigt der Bun­des­rat eine Stär­kung des Daten­schut­zes nament­lich durch eine höhe­re Trans­pa­renz der Daten­be­ar­bei­tung und eine ver­bes­ser­te Kon­trol­le der Betrof­fe­nen über ihre Daten. Die Revi­si­on soll es erleich­tern, ein Kli­ma des Ver­trau­ens zu schaf­fen bzw. auf­recht­zu­er­hal­ten, das den Aus­tausch per­sön­li­cher Daten begün­sti­gen könnte.

4. Das The­ma Daten­schutz ist für den Bun­des­rat von zen­tra­ler Bedeu­tung, wie die in Zif­fer 3 erwähn­ten lau­fen­den Arbei­ten, ins­be­son­de­re die Ein­set­zung der Exper­ten­grup­pe “Zukunft der Daten­be­ar­bei­tung und Daten­si­cher­heit”, zei­gen. Im Übri­gen ist im Bereich der Gesetz­ge­bung die Eröff­nung der Ver­nehm­las­sung zur Revi­si­on des DSG Teil der Zie­le des Bun­des­ra­tes für das Jahr 2016 (Ziel 2).