Inter­pel­la­ti­on Moli­na (26.3414): Umset­zung der KI-Kon­ven­ti­on des Euro­pa­rats in der Schweiz

Ein­ge­reich­ter Text

Am 27. März 2025 hat BR Albert Rösti die Kon­ven­ti­on des Euro­pa­rats über Künst­li­che Intel­li­genz und Men­schen­rech­te, Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit im Namen der Schweiz unter­zeich­net. Der Bun­des­rat hat am 12. Febru­ar 2025 beschlos­sen, die Kon­ven­ti­on zu rati­fi­zie­ren und das EJPD beauf­tragt, bis Ende 2026 eine «Mini­mal­vor­la­ge» zu erar­bei­ten. Die bis­he­ri­gen Kom­mu­ni­ka­tio­nen des Bun­des­ra­tes zur Umset­zung der KI-Kon­ven­ti­on blei­ben jedoch auf­fal­lend vage. Wäh­rend die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung im KI-Bereich mit hoher Geschwin­dig­keit vor­an­schrei­tet und KI-Syste­me zuneh­mend in grund­rechts­re­le­van­ten Berei­chen zum Ein­satz kom­men, setzt der Bun­des­rat vor­wie­gend auf recht­lich unver­bind­li­che Instru­men­te wie Selbst­ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen und Ethik­ko­di­zes. Es ist frag­lich, ob die­ser Ansatz dem Schutz­auf­trag der Kon­ven­ti­on gerecht wird.

Die KI-Kon­ven­ti­on des Euro­pa­rats ver­pflich­tet die Unter­zeich­ner­staa­ten, den Schutz der Men­schen­rech­te, der Demo­kra­tie und der Rechts­staat­lich­keit im gesam­ten Lebens­zy­klus von KI-Syste­men sicher­zu­stel­len. Ange­sichts der rasan­ten Ent­wick­lung von KI-Tech­no­lo­gien und ihrer zuneh­men­den Bedeu­tung in zen­tra­len Lebens­be­rei­chen der Bevöl­ke­rung stel­len sich grund­le­gen­de Fra­gen zur Ernst­haf­tig­keit und Wirk­sam­keit der geplan­ten Umset­zung. Beson­ders besorg­nis­er­re­gend ist die Aus­klam­me­rung des Pri­vat­sek­tors. Die Kon­ven­ti­on selbst ermög­licht zwar die­se Fle­xi­bi­li­tät, doch zahl­rei­che zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen bemän­geln, dass eine sol­che Aus­nah­me die Kon­ven­ti­on erheb­lich schwächt. Vor die­sem Hin­ter­grund bit­te ich um die Beant­wor­tung fol­gen­der Fragen:

  1. Wel­che kon­kre­ten Geset­zes­an­pas­sun­gen sind in der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge bis Ende 2026 vor­ge­se­hen, nament­lich in den Berei­chen Trans­pa­renz, Daten­schutz, Nicht­dis­kri­mi­nie­rung und Aufsicht?
  2. Wel­che Evi­denz liegt dem Bun­des­rat vor, dass Selbst­ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen und Ethik­ko­di­zes ein wirk­sa­mes Instru­ment dar­stel­len, um die Grund­rech­te der Bevöl­ke­rung beim Ein­satz von KI-Syste­men durch pri­va­te Akteu­re zu schützen?
  3. Wie stellt der Bun­des­rat sicher, dass die gewähl­te «Mini­mal­va­ri­an­te» der Umset­zung nicht dazu führt, dass die Schweiz im inter­na­tio­na­len Ver­gleich – ins­be­son­de­re gegen­über der EU mit ihrem AI-Act – zu einem Stand­ort mit tie­fe­rem Schutz­ni­veau wird?