Inter­pel­la­ti­on Nan­ter­mod (21.4447): Foto­fal­len und Datenschutz

Inter­pel­la­ti­on Nan­ter­mod (21.4447): Foto­fal­len und Datenschutz

Ein­ge­reich­ter Text

In sei­ner Stel­lung­nah­me zur Inter­pel­la­ti­on Ros­si­ni 13.1082 war der Bun­des­rat der Ansicht, dass die in der Natur auf­ge­stell­ten Foto­fal­len aus daten­schutz­recht­li­cher Sicht kein Pro­blem dar­stell­ten und dass die gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten aus­rei­chen wür­den. Eini­ge Jah­re spä­ter zeigt sich, dass sich die Situa­ti­on in Rich­tung der Befürch­tun­gen des ehe­ma­li­gen Natio­nal­rats Ros­si­ni ent­wickelt hat. Die Zahl der auf­ge­stell­ten Fal­len ist förm­lich explo­diert. Laut dem Daten­schutz­be­auf­trag­ten des Kan­tons Wal­lis sind bei ihm zahl­rei­che Beschwer­den ein­ge­gan­gen. Spa­zier­gän­ge­rin­nen und Spa­zier­gän­ger wer­den von den Besit­ze­rin­nen und Besit­zern der Fal­len aus­spio­niert. Es wur­den Straf­ver­fah­ren auf­grund von Anzei­gen eröff­net, die sich aus­schliess­lich auf die mit die­sen Foto­fal­len gesam­mel­ten ille­ga­len Bewei­se stütz­ten. Eine Jagd­auf­se­he­rin scherz­te mit einer ande­ren Per­son und sag­te, dass sie sie auf einer Suo­ne habe lau­fen sehen. Die Infor­ma­tio­nen, um die Bevöl­ke­rung davon abzu­hal­ten, die Kame­ras zu ent­wen­den, sind abso­lut mangelhaft.

Es zeigt sich also, dass mit die­sen Foto­fal­len, die in der Pra­xis zu einem Netz von Über­wa­chungs­ka­me­ras in der Natur wer­den, unter Ver­let­zung aller Daten­schutz­vor­schrif­ten wahr­schein­lich Straf­ta­ten began­gen wur­den. Ist der Bun­des­rat ange­sichts die­ser Situa­ti­on bereit, sei­ne Ein­schät­zung aus dem Jahr 2014, als er die gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten noch für aus­rei­chend hielt, zu revidieren?

Ist der Bun­des­rat bereit, die kan­to­na­len Amts­stel­len und die Uni­ver­si­tä­ten, die die­se Fal­len auf­stel­len, auf ihre stren­gen daten­schutz­recht­li­chen Pflich­ten auf­merk­sam zu machen? Was gedenkt der Bun­des­rat zu tun, um die unkon­trol­lier­te Ver­brei­tung der Foto­fal­len zu ver­hin­dern? Wäre es nicht sinn­voll, den Ein­satz von Foto­fal­len im Jagd­ge­setz (JSG) zu regeln?

Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats vom 16.02.2022

Der Bun­des­rat hat bereits in sei­nen Ant­wor­ten auf die Anfra­ge des dama­li­gen Natio­nal­ra­tes Ros­si­ni 13.1082 “Foto­fal­len und Daten­schutz” sowie auf des­sen Fra­gen 14.5068 und 14.5069 “Foto­fal­len. Anwen­dung des Daten­schut­zes” fest­ge­hal­ten, dass beim Ein­satz von Foto­fal­len die Daten­schutz­vor­schrif­ten ein­zu­hal­ten sind. Die Bear­bei­tung von Per­so­nen­da­ten durch pri­va­te Per­so­nen und Bun­des­or­ga­ne wird durch das Daten­schutz­ge­setz des Bun­des (DSG, SR 235.1), die Daten­be­ar­bei­tung durch kan­to­na­le Behör­den (wie etwa Uni­ver­si­tä­ten) durch die Daten­schutz­ge­setz­ge­bung der Kan­to­ne gere­gelt. Per­so­nen­da­ten dür­fen nur zu dem Zweck bear­bei­tet wer­den, der bei der Beschaf­fung der Daten ange­ge­ben wur­de, aus den Umstän­den ersicht­lich oder gesetz­lich vor­ge­se­hen ist (für die Daten­schutz­ge­setz­ge­bung auf Bun­des­ebe­ne s. Art. 4 Abs. 3 DSG). Foto­fal­len bezwecken nicht die Bear­bei­tung von Per­so­nen­da­ten, son­dern die­nen der Über­wa­chung und Erfas­sung von Wild­tier­be­stän­den. Ent­spre­chend sind die Foto­fal­len so aus­zu­rich­ten, dass auf den Bil­dern kei­ne Per­so­nen erkenn­bar sind. All­fäl­li­ge Fotos, die den­noch Per­so­nen iden­ti­fi­zie­ren las­sen, sind unver­züg­lich zu löschen. Eine Auf­be­wah­rung, Wei­ter­lei­tung oder Ver­öf­fent­li­chung von Per­so­nen­fo­tos oder dar­aus gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen ist ver­bo­ten. Ausser­dem ist das unbe­fug­te Auf­neh­men ande­rer Per­so­nen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach Arti­kel 179quater des Schwei­ze­ri­schen Straf­ge­setz­bu­ches (SR 311.0) straf­bar. In den Kan­to­nen Wal­lis und Grau­bün­den ist der Ein­satz von Foto­fal­len für die Jagd­aus­übung unter­sagt (Art. 32 Abs. 7 Aus­füh­rungs­re­gle­ment zum Jagd­ge­setz des Kan­tons Wal­lis und Art. 6 Ver­ord­nung über den Jagd­be­trieb des Kan­tons Grau­bün­den). Im Wei­te­ren haben etwa der Kan­ton Zürich sowie der Ver­ein Jagd­Schweiz Leit­li­ni­en zum Ein­satz von Foto­fal­len publiziert.

Ob in der Pra­xis beim Ein­satz der Foto­fal­len gegen daten­schutz­recht­li­che Vor­ga­ben und straf­recht­li­che Nor­men ver­sto­ssen wird, ist im Ein­zel­fall durch die Auf­sichts­be­hör­den und die Gerich­te zu beur­tei­len. Für die Auf­sicht über die Ein­hal­tung des Daten­schutz­rechts sind bezüg­lich Rege­lun­gen auf Bun­des­ebe­ne der EDÖB und bezüg­lich Rege­lun­gen auf kan­to­na­ler Ebe­ne die Daten­schutz­be­hör­den der Kan­to­ne zustän­dig. Nach dem total­re­vi­dier­ten DSG eröff­net der EDÖB von Amtes wegen oder auf Anzei­ge hin eine Unter­su­chung, wenn genü­gend Anzei­chen bestehen, dass ein Ver­stoss gegen die Daten­schutz­vor­schrif­ten vor­liegt. Im Wei­te­ren wird der EDÖB Ver­fü­gun­gen erlas­sen kön­nen, deren Miss­ach­tung bei ent­spre­chen­der Andro­hung straf­bar ist. Foto­fal­len im Auf­trag des Bun­des sind mit Hin­weis­schil­dern signa­li­siert, die den Betrei­ber bzw. die Betrei­be­rin nen­nen. Die vom Kan­ton Zürich ver­ab­schie­de­ten Leit­li­ni­en sehen für den Ein­satz durch Pri­vat­per­so­nen ähn­li­che Bestim­mun­gen vor. Per­so­nen, die den Ver­dacht haben, dass sie foto­gra­fiert wur­den, kön­nen sich an den Ver­ant­wort­li­chen bzw. die Ver­ant­wort­li­che wen­den und gestützt auf die Daten­schutz­ge­setz­ge­bung Aus­kunft über die Daten­be­ar­bei­tung sowie die Löschung bzw. Ver­nich­tung der ent­spre­chen­den Fotos ver­lan­gen. Im Übri­gen besteht für die betrof­fe­nen Per­so­nen die Mög­lich­keit, sich an die Auf­sichts- oder Justiz­be­hör­den zu wen­den. Der immer häu­fi­ge­re Ein­satz der Foto­fal­len zu Jagd­zwecken berei­tet den zustän­di­gen Behör­den aller­dings Sor­gen. Dies nicht nur aus daten­schutz­recht­li­chen Beden­ken, son­dern ins­be­son­de­re auch mit Blick auf den Schutz der Wild­tie­re, für den der Bund zu sor­gen hat (vgl. Art. 79 und 80 Abs. 1 der Schwei­ze­ri­schen Bun­des­ver­fas­sung, SR 101). Wer­den die Tie­re für deren Beja­gung dau­er­haft über­wacht, indem Foto­fal­len als Hilfs­mit­tel ein­ge­setzt wer­den, kann sich dies auf die Erhal­tung der betrof­fe­nen Tie­re schäd­lich aus­wir­ken. Der Bun­des­rat wird des­halb bei näch­ster Gele­gen­heit prü­fen, ob eine Rege­lung zum Ein­satz von Foto­fal­len für die Jagd erfor­der­lich ist.

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