Take-Aways (AI)
  • Tota­le Revi­si­on des Gesund­heits­ge­set­zes zur mate­ri­el­len und for­mel­len Anglei­chung an Bun­des­recht, Schlie­ssung von Rege­lungs­lücken und Modernisierung.
  • Pflicht zur elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on mit Über­gangs­frist drei Jah­re, unver­än­der­ba­rer Spei­che­rung und Nach­weis der Datenschutzvereinbarkeit.
  • Kon­kre­ti­sie­rung der Schwei­ge­pflicht, Ver­mu­tung der Zustim­mung in Pra­xis­ge­mein­schaf­ten sowie gestärk­te for­mell­ge­setz­li­che Datenschutzgrundlagen.

Der Kan­ton Zürich revi­diert der­zeit sein Gesund­heits­ge­setz (GesG). Die Ver­nehm­las­sung dau­ert bis Mit­te Novem­ber 2025:

Revi­si­ons­zie­le

Das Ziel der Revi­si­on fasst die GD im Erläu­tern­den Bericht wie folgt zusammen:

Das heu­te gel­ten­de GesG ist seit 1. Juli 2008 in Kraft und wur­de bis­her mehr­fach revi­diert. Die Zie­le einer Total­re­vi­si­on des GesG sind eine for­mel­le und mate­ri­el­le Anglei­chung an das anwend­ba­re Bun­des­recht, das Schlie­ssen von Rege­lungs­lücken, die not­wen­di­ge Umset­zung des Lega­li­täts­prin­zips, eine Moder­ni­sie­rung und Har­mo­ni­sie­rung von Begrif­fen sowie eine erhöh­te Les­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit des Geset­zes. Das Gesund­heits­ge­setz erfüllt für die Rechts­an­wen­de­rin­nen und ‑anwen­der wich­ti­ge Infor­ma­ti­ons­funk­tio­nen. Das total­re­vi­dier­te GesG soll neu­en Ent­wick­lun­gen im Gesund­heits­recht sowie der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen Rech­nung tra­gen. Es soll so aus­ge­stal­tet sein, dass dazu nach Mög­lich­keit kei­ne wei­te­ren Geset­zes­än­de­run­gen not­wen­dig sind.

und:

Die Zie­le der Total­re­vi­si­on des GesG sind eine for­mel­le und mate­ri­el­le Anglei­chung an das anwend­ba­re Bun­des­recht, das Schlie­ssen von Rege­lungs­lücken, die not­wen­di­ge Umset­zung des Lega­li­täts­prin­zips, eine Moder­ni­sie­rung und Har­mo­ni­sie­rung von Begrif­fen sowie eine erhöh­te Les­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit des Geset­zes. Indem das total­re­vi­dier­te GesG auch neu­en Ent­wick­lun­gen im Gesund­heits­recht Rech­nung trägt (nament­lich Tele­me­di­zin oder Digi­ta­li­sie­rung), ist es als zukunfts­fä­hi­ger Erlass ausgestaltet.

Die Rege­lungs­dich­te der kan­to­na­len Gesund­heits­ge­setz­ge­bung soll nur dort erhöht wer­den, wo das zwin­gend ist. Das ist vor allem im Bereich des Daten­schut­zes der Fall. Die Erfor­de­nis­se des Daten­schut­zes füh­ren zu einer im Ver­gleich weit­ge­hen­den Rege­lung auf for­mell- gesetz­li­cher Grund­la­ge. Im Übri­gen wer­den ledig­lich dort neue Bestim­mun­gen ein­ge­führt, wo Rege­lungs­lücken bestehen und auf­grund des in Art. 38 Abs. 1 der Kan­tons­ver­fas­sung ver­an­ker­ten mate­ri­el­len Geset­zes­be­griffs eine Nor­mie­rung auf Geset­zes­stu­fe erfor­der­lich ist. Vor­schrif­ten mit unter­ge­ord­ne­tem und mit tech­ni­schem Cha­rak­ter wer­den auf Ver­ord­nungs­stu­fe gere­gelt. Zudem sol­len bun­des­recht­li­che oder inter­kan­to­na­le Vor­schrif­ten im kan­to­na­len Recht nicht wie­der­holt wer­den, sofern das aus Grün­den der Ver­ständ­lich­keit oder des Sach­zu­sam­men­hangs nicht not­wen­dig ist.

Soweit sinn­voll sol­len ver­wand­te Rege­lungs­be­rei­che im total­re­vi­dier­ten GesG nor­miert wer­den. Seit Inkraft­tre­ten des Krebs­re­gi­strie­rungs­ge­set­zes (KRG) […], ist die Krebs­re­gi­strie­rung auf Bun­des­ebe­ne gere­gelt. Den Kan­to­nen obliegt die Organisations‑, Finan­zie­rungs- und Auf­sichts­pflicht sowie die Rege­lung des Daten­be­zugs aus den Ein­woh­ner­re­gi­stern. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das kan­to­na­le Krebs­re­gi­ster­ge­setz […] in wei­ten Tei­len obso­let gewor­den. Ein­zel­ne Bestim­mun­gen […] sol­len in das total­re­vi­dier­te GesG über­führt wer­den. Im Übri­gen soll das kan­to­na­le Kre­ReG auf­ge­ho­ben wer­den. Wei­ter kön­nen im Zusam­men­hang mit der Rege­lung der Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on im neu­en GesG Bestim­mun­gen im Pati­en­tin­nen- und Pati­en­ten­ge­setz (PatG) vom 5. April 2004 (LS 813.13) auf­ge­ho­ben werden.

Pflicht zur elek­tro­ni­schen Patientendokumentation

Der Ent­wurf sieht in § 22 eine Pflicht zur elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on für die Human­me­di­zin vor:

§ 22 Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on b. Führung
1 Die Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on wird elek­tro­nisch geführt.
2 Datum und Urhe­ber­schaft der Ein­trä­ge müs­sen unmit­tel­bar ersicht­lich sein. Die Ein­tra­gun­gen müs­sen unab­än­der­bar gespei­chert und jeder­zeit abruf­bar sein. Berich­ti­gun­gen erfol­gen durch Ergän­zun­gen der Eintragungen.
3 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten kön­nen ver­lan­gen, dass ein Ein­trag in der Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on mit ihrer Auf­fas­sung ergänzt wird, wenn sie dar­an ein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se haben.
4 Die Ver­ein­bar­keit mit den Daten­schutz­vor­schrif­ten des Bun­des und des Kan­tons ist nachzuweisen.

Das soll indes nur für künf­ti­ge Ein­trä­ge gel­ten, eine Digi­ta­li­sie­rung der vor­han­de­nen Doku­men­ta­tio­nen wird nicht ver­langt (es kann aber ein Gebot der Sorg­falt sein, lau­fen­de, d.h. nicht abge­schlos­se­ne Pati­en­ten­do­ku­men­ta­tio­nen eben­falls zu digi­ta­li­sie­ren). Es gilt zudem eine Über­gangs­frist von drei Jahren.

Dass den Bewil­li­gungs­in­ha­bern dadurch Auf­wand ent­steht, liegt auf der Hand; der Regie­rungs­rat meint aber, es rech­ne sich:

Eben­falls mit Auf­wän­den ver­bun­den ist die Ver­pflich­tung zur elek­tro­ni­schen Füh­rung der Pati­en­ten­do­ku­men­ta­ti­on. Es fal­len ins­be­son­de­re Inve­sti­ti­ons­ko­sten an, die je nach System, Ange­bot und Ser­vice unter­schied­lich hoch sein kön­nen. Ange­sichts ange­streb­ter Qua­li­täts- und Effi­zi­enz­ge­win­ne, wie bspw. bes­se­re Les­bar­keit, Zugriff bei Haus­be­su­chen oder aus dem Home­of­fice, weni­ger Stau­raum, d.h. umge­kehrt Flä­chen­ge­winn, Ver­schlan­kung und Ver­ein­fa­chung von Pro­zes­sen ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Auf­wen­dun­gen innert ver­tret­ba­rer Frist kom­pen­sier­bar sind.

Schwei­ge­pflicht

Das neue GesG soll die Schwei­ge­pflicht der im Gesund­heits­we­sen täti­gen Per­so­nen kon­kre­ti­sie­ren, ins­be­son­de­re in Bezug auf die Befrei­ung. § 25 soll wie folgt lau­ten, jeweils mit dem Erläuterungsbericht:

1 Per­so­nen, die einen Beruf des Gesund­heits­we­sens aus­üben, und ihre Hilfs­per­so­nen wah­ren Still­schwei­gen über Geheim­nis­se, die ihnen infol­ge ihres Beru­fes anver­traut wor­den sind oder die sie in des­sen Aus­übung wahr­ge­nom­men haben.

Abs. 1: Das Bun­des­recht sieht für die Medizinal‑, die Gesund­heits- und Psy­cho­lo­gie­be­ru­fe im Sin­ne des PsyG in Art. 40 lit. f MedBG, Art. 16 lit f. GesBG bzw. Art. 27 lit. e PsyG vor, dass das Berufs­ge­heim­nis nach Mass­ga­be der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zu wah­ren ist. Das Bun­des­recht ver­weist somit auf ande­re gesetz­li­che Vor­schrif­ten, wel­che dem Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te des Pati­en­ten die­nen, ins­be­son­de­re auf Art. 321 StGB, aber auch auf Art. 30 (Per­sön­lich­keits­ver­let­zun­gen) und 62 DSG sowie Art. 28 ZGB (Schutz der Per­sön­lich­keit). Wird eine die­ser pri­vat- oder straf­recht­li­chen Pflich­ten ver­letzt, liegt gleich­zei­tig ein Ver­stoss gegen die Berufs­pflich­ten nach MedBG respek­ti­ve PsyG oder GesBG vor, was auch eineDis­zi­pli­nar­mass­nah­me nach sich zie­hen kann. Art. 321 StGB umfasst einen geschlos­se­nen Kreis von Geheim­nis­trä­gern aus dem medi­zi­ni­schen Bereich (Ärz­tin­nen und Ärz­te, Zahn­ärz­tin­nen und Zahn­ärz­te, Chi­ro­prak­to­rin­nen und Chi­ro­prak­to­ren, Apo­the­ke­rin­nen und Apo­the­ker, Heb­am­men, Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen, Pfle­ge­fach­per­so­nen, Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen und Phy­sio­the­ra­peu­ten, Ergo­the­ra­peu­tin­nen und Ergo­the­ra­peu­ten, Ernäh­rungs­be­ra­te­rin­nen und Ernäh­rungs­be­ra­ter, Opto­me­tri­stin­nen und Opto­me­tri­sten und Osteo­pathin­nen und Osteo­pa­then sowie ihre Hilfs­per­so­nen). Die kan­to­nal regle­men­tier­ten Beru­fe fal­len – vor­be­hält­lich deren Qua­li­fi­ka­ti­on als Hilfs­per­so­nen i.S. der Straf­be­stim­mung – nicht dar­un­ter. Für die­se wird die Schwei­ge­pflicht des­halb aus­drück­lich im kan­to­na­len GesG ver­an­kert. Bei Ver­let­zung der Schwei­ge­pflicht kön­nen somit auch gegen­über Ange­hö­ri­gen der Beru­fe des Gesund­heits­we­sens nach kan­to­na­lem Recht Dis­zi­pli­nar­mass­nah­men ver­hängt wer­den. Unbe­rührt davon bleibt die straf­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit nach Art. 62 DSG.

2 Die Pati­en­tin oder der Pati­ent sowie auf Antrag die Direk­ti­on kön­nen einen Geheim­nis­trä­ger oder eine Geheim­nis­trä­ge­rin und deren Hilfs­per­so­nen von der gel­ten­den Schwei­ge­pflicht befrei­en.

Abs. 2: Der mög­li­che Rah­men für behörd­li­che Befrei­un­gen von der Schwei­ge­pflicht und Anzei­ge­pflich­ten wird weit­ge­hend durch das Bun­des­recht vor­ge­ge­ben. Im Rah­men der dem Kan­ton ver­blei­ben­den Regu­lie­rungs­kom­pe­tenz wird die gel­ten­de Bestim­mung von § 15 Abs. 1 GesG mit inhalt­li­chen Prä­zi­sie­run­gen weitergeführt.

3 Inner­halb von Pra­xis­ge­mein­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens wird die Zustim­mung zur Wei­ter­ga­be von Pati­en­ten­da­ten ver­mu­tet, soweit sich die dort täti­gen Per­so­nen ergän­zen oder vertreten.

Abs. 3: In Arzt­pra­xen und in Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens ist die Zustim­mung der Pati­en­tin oder des Pati­en­ten zu ver­mu­ten, soweit sich die dort täti­gen Per­so­nen ergän­zen oder vertreten.

4 Die Zustim­mung zur Befrei­ung gilt als von der Pati­en­tin oder vom Pati­en­ten erteilt, soweit dies zur Wahr­neh­mung der berech­tig­ten Inter­es­sen der Gesund­heits­fach­per­son im Rah­men der Abwehr einer gegen sie gerich­te­ten Anzei­ge an Auf­sichts- oder Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den oder einer gegen sie gerich­te­te For­de­rung sei­tens der Pati­en­tin oder des Pati­en­ten erfor­der­lich ist. Dies gilt auch, soweit (Haftpflicht-)Versicherungen für eine etwa­ige For­de­rung ein­tre­ten würden.

Abs. 4: Es han­delt sich um Fäl­le von offen­sicht­lich still­schwei­gen­der Ein­wil­li­gung nach Art. 321 Ziff. 2 StGB. Die Bestim­mung liegt dar­in begrün­det, dass zum einen die Pati­en­tin oder der Pati­ent sel­ber nach aussen kund­tut, dass sie oder er sich in eine bestimm­te Behand­lung bege­ben hat und damit auf die Geheim­sphä­re ver­zich­tet. Der Gesund­heits­fach­per­son muss es mög­lich sein, sich gegen Ansprü­che ver­tei­di­gen zu kön­nen. Des­halb darf sie Inhal­te der Behand­lung ver­fah­rens­füh­ren­den (Aufsichts-)Behörden und Gerich­ten mit­tei­len bzw. unge­schwärz­te Behand­lungs­un­ter­la­gen zur­Ver­fü­gung stel­len. Eben­so darf sie dem von ihr beauf­tra­gen Sach­ver­stän­di­gen die voll­stän­di­gen und unge­schwärz­ten Kran­ken­un­ter­la­gen zur Anfer­ti­gung eines Gut­ach­tens über­mit­teln und die­se ohne Zustim­mung der Pati­en­ten­sei­te ihrem Rechts­an­walt und/oder ihrer Haft­pflicht­ver­si­che­rung wei­ter­lei­ten. Die Bestim­mung bezieht sich nicht auf Fäl­le, in denen eine Gesund­heits­fach­per­son Ansprü­che gegen eine Pati­en­tin oder einen Pati­en­ten erhebt.

5 Per­so­nen nach Abs. 1 sind auch ohne Befrei­ung berech­tigt,
a. den zustän­di­gen Kin­des­schutz­be­hör­den Wahr­neh­mun­gen zu mel­den, wenn die kör­per­li­che, psy­chi­sche oder sexu­el­le Inte­gri­tät eines Kin­des gefähr­det erscheint und eine Mel­dung im Inter­es­se des Kin­des liegt,
b. den Ermitt­lungs­be­hör­den bei der Iden­ti­fi­ka­ti­on von Lei­chen behilf­lich zu sein,
c. den zustän­di­gen Behör­den im Rah­men von Abklä­run­gen betref­fend ausser­ge­wöhn­li­che Todes­fäl­le Aus­kunft zu geben.

Abs. 5: Die enu­me­ra­tiv geli­ste­ten Mel­de­rech­te beru­hen auf Art. 321 Ziff. 3 StGB inVer­bin­dung mit Art. 314c ZGB, wonach auch Berufs­ge­heim­nis­trä­ger im Sin­ne des StGB der Kin­des­schutz­be­hör­de Mel­dung erstat­ten kön­nen, wenn die kör­per­li­che, psy­chi­sche oder sexu­el­le Inte­gri­tät eines Kin­des gefähr­det erscheint und eine Mel­dung im Inter­es­se des Kin­des liegt. Zu beach­ten ist hier­bei, dass die­ses Mel­de­recht gemäss Art. 314 Abs. 2 S. 2 ZGB nicht gilt für nach dem StGB an das Berufs­ge­heim­nis gebundeneHilfspersonen.

6 Unge­ach­tet der Schwei­ge­pflicht mel­den Per­so­nen gemäss Abs. 1 der Poli­zei unver­züg­lich ausser­ge­wöhn­li­che Todes­fäl­le, ins­be­son­de­re sol­che mit Anzei­chen für eine Straf­tat sowie Selbsttötung.

Abs. 6: Nach Art. 253 Abs. 4 StPO bestim­men die Kan­to­ne, wel­che Medi­zi­nal­per­so­nen ver­pflich­tet sind, ausser­ge­wöhn­li­che Todes­fäl­le zu melden.Etwaige Aus­nah­men von der Schwei­ge­pflicht im Zusam­men­hang mit über­trag­ba­ren Krank­hei­ten rich­ten sich nach dem eid­ge­nös­si­schen Epi­de­mien­ge­setz und dem dazu­ge­hö­ri­gen Ver­ord­nungs­recht. Ande­re Aus­nah­men erge­ben sich aus wei­te­ren Bundesgesetzen

Inter­es­sant ist vor allem die Ver­mu­tung der Zustim­mung inner­halb von Pra­xis­ge­mein­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens. Hier geht es eigent­lich kaum um eine Zustim­mung, son­dern viel­mehr feh­len­den Geheim­nis­wil­len, der nicht auf­ge­ge­ben, son­dern in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen nie gebil­det wird. Zudem ist die Ver­mu­tung poten­ti­ell etwas eng. “Ergän­zung” muss wohl als Syn­onym für jede sinn­vol­le Zusam­men­ar­beit ver­stan­den werden.

Auch die ver­mu­te­te Zustim­mung zur Offen­ba­rung für die Abwehr von Anzei­gen und For­de­run­gen ist bemer­kens­wert. Auch hier liegt in Wirk­lich­keit kaum eine Zustim­mung vor, nach­dem die Offen­ba­rung hier i.d.R. nicht den Inter­es­sen des Pati­en­ten dient. Es geht viel­mehr um ein feh­len­des Geheim­nis­in­ter­es­se, also eine Form des Rechts­miss­brauchs­ver­bots. Was dabei fehlt, ist eine Befrei­ung zur Durch­set­zung eige­ner For­de­run­gen, also bspw. Inkas­so­mass­nah­men. Hier muss also wei­ter­hin mit einer Ein­wil­li­gung des Pati­en­ten oder einer Befrei­ung gear­bei­tet wer­den (die GD stellt dazu ein For­mu­lar zur Ver­fü­gung, lei­der aber nur ein­zel­fall­wei­se und nicht als Generalermächtigung).

Digi­ta­li­sie­rung

Das neue GesG ermäch­tigt die GD, Stan­dards für den Daten­aus­tausch zwi­schen Gesund­heits­fach­per­so­nen, Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens und Kosten­trä­gern fest­zu­le­gen. Damit soll die Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens erleich­tert wer­den, oder genau­er eine Ver­net­zung von Gesund­heits­ein­rich­tun­gen und Gesund­heits­fach­per­so­nen, damit Infor­ma­tio­nen ent­lang der Behand­lungs­ket­te elek­tro­nisch aus­ge­tauscht und ein­mal erfass­te Daten mehr­fach ver­wen­det wer­den kön­nen. Dabei soll die GD lau­fen­de Akti­vi­tä­ten bspw. im Pro­jekt Digi­S­an­té (Paket 1) berücksichtigen.

Daten­schutz

Hier wer­den vor allem die for­mell­ge­setz­li­chen Grund­la­gen für die Bear­bei­tung von beson­ders schüt­zens­wer­ten Per­so­nen­da­ten gestärkt:

Das heu­te gel­ten­de GesG wird den gel­ten­den Anfor­de­run­gen an einen zeit­ge­mä­ssen Daten­schutz nur unzu­rei­chend gerecht. Die für den Voll­zug des vor­lie­gen­den Geset­zes vor­ge­se­he­nen Daten­be­ar­bei­tun­gen durch die Direk­ti­on, den Bezirks­rat, die Gemein­den und ande­re mit öffent­li­chen Auf­ga­ben betrau­te Stel­len müs­sen nach heu­ti­ger Rechts­la­ge im Gesetz sel­ber gere­gelt sein, soweit sie sich nicht bereits aus ande­ren Geset­zen, ins­be­son­de­re aus dem Bun­des­recht erge­ben. Sol­len beson­de­re Per­so­nen­da­ten bear­bei­tet wer­den (bei­spiels­wei­se bei der Ein­sicht­nah­me in Pati­en­ten­da­ten im Rah­men von Inspek­tio­nen und auf­sichts­recht­li­chen Ver­fah­ren gegen Gesund­heits­fach­per­so­nen oder Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens oder bei der Prü­fung von Gesu­chen um Ent­bin­dung vom Berufs­ge­heim­nis), so ist eine hin­rei­chend bestimm­te Rege­lung erfor­der­lich. Das gilt auch für die Bear­bei­tung von Bewilligungs‑, Auf­sichts- und Sank­ti­ons­da­ten von Gesund­heits­fach­per­so­nen und Ein­rich­tun­gen des Gesund­heits­we­sens: Die­se Daten ent­hal­ten regel­mä­ssig Anga­ben über die Gesund­heit sowie die gegen­über die­sen Per­so­nen aus­ge­spro­che­nen straf- oder ver­wal­tungs­recht­li­chen Mass­nah­men und Sank­tio­nen. In ihrer Gesamt­heit erlau­ben sie zudem eine Beur­tei­lung wesent­li­cher Aspek­te der Persönlichkeit.