Moti­on Ett­lin (22.3859): Master­plan zur digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen. Nut­zung von gesetz­li­chen Stan­dards und bestehen­den Daten

Moti­on Ett­lin (22.3859): Master­plan zur digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen. Nut­zung von gesetz­li­chen Stan­dards und bestehen­den Daten

Ein­ge­reich­ter Text

1. Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, dem Par­la­ment zur Umset­zung der Moti­on Ett­lin 21.3957 “Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen. Rück­stand end­lich auf­ho­len!” einen kon­kre­ten Master­plan vor­zu­le­gen, der die zeit­li­chen und inhalt­li­chen Digi­ta­li­sie­rungs­zie­le ver­läss­lich dar­legt und auf­zeigt, wie sie erreicht wer­den sollen.

Bei der Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen sind dabei die gesetz­lich fest­ge­leg­ten, ein­heit­li­chen Stan­dards und bestehen­den Daten­ban­ken zu nut­zen und wei­ter zu ent­wickeln, sofern sie nicht gewinn­ori­en­tiert oder staat­lich beauf­sich­tigt sind.

Der Bun­des­rat erstat­tet dem Par­la­ment jähr­lich Bericht über den Stand der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesundheitswesen.

2. Der Bun­des­rat wird zudem beauf­tragt, die SMVS-Daten (Swiss Medi­ci­nes Veri­fi­ca­ti­on System) für das digi­ta­le Manage­ment von Ver­sor­gungs­eng­päs­sen bei Human­arz­nei­mit­teln zu nut­zen und dafür eine gesetz­li­che Grund­la­ge zu schaffen.

Damit der SMVS-Daten­satz immer voll­stän­dig und ver­läss­lich ist, muss der Bun­des­rat in der Ver­ord­nung über die indi­vi­du­el­len Erken­nungs­merk­ma­le und Sicher­heits­vor­rich­tun­gen auf der Ver­packung von Human­arz­nei­mit­teln das Anbrin­gen und die Über­prü­fung der Sicher­heits­merk­ma­le und ‑vor­rich­tun­gen – gleich wie in der EU – obli­ga­to­risch erklä­ren.

Begrün­dung

1. Die Moti­on Ett­lin 21.3957 “Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen. Rück­stand end­lich auf­ho­len!” wur­de von Natio­nal- und Stän­de­rat gegen den Wil­len des Bun­des­ra­tes ein­stim­mig über­wie­sen. Die Umset­zung die­ser Moti­on ist nun rasch anzu­ge­hen, und dem Par­la­ment soll dabei eine tra­gen­de Rol­le zukommen.

Denn ein ein­stim­mi­ger Wil­le von Natio­nal- und Stän­de­rat ist zwei­fel­los äusserst sel­ten. Kommt er zustan­de, ver­dient die Moti­on eine abso­lut prio­ri­tä­re Behand­lung in zeit­li­cher und inhalt­li­cher Hin­sicht. Des­halb wird der Bun­des­rat beauf­tragt, umge­hend einen Master­plan zur Umset­zung der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen vor­zu­le­gen, der von SGK‑S und SGK‑N zu geneh­mi­gen ist. Dar­über hin­aus ist ein jähr­li­ches Reporting des Bun­des­ra­tes zum Stand der Umset­zung des Master­plans an das Par­la­ment erforderlich.

2. Anzahl und Schwe­re­grad von Arz­nei­mit­tel­eng­päs­sen in der Schweiz neh­men seit Jah­ren zu und die Lage ver­schärft sich wei­ter. Der Bericht des BAG “Ver­sor­gungs­eng­päs­se mit Human­arz­nei­mit­teln” for­dert: “In Zukunft ist die Ent­wick­lung einer natio­na­len Daten­bank erstre­bens­wert, damit sich die aktu­el­le Lage bezüg­lich Arz­nei­mit­tel­eng­päs­sen moni­to­ren, ermit­teln und doku­men­tie­ren lässt und deren Ursa­chen unter­sucht wer­den können.”

Die SMVS-Daten­bank wur­de gestützt auf Arti­kel 17a HMG von einem gemein­nüt­zi­gen Ver­band im Auf­trag des Bun­des geschaf­fen, um die Fäl­schungs­si­cher­heit bei ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln in der Schweiz zu erhö­hen. Bezahlt wur­de sie von der Indu­strie, orga­ni­siert ist sie als GmbH im Besitz des gemein­nüt­zi­gen Ver­bands, und sie ver­fügt als beson­ders wich­ti­gen Vor­teil, über einen Voll­an­schluss an die euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­da­ten­bank. Damit kön­nen ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel aus der Schweiz und dem euro­päi­schen Markt in Sekun­den­bruch­tei­len auf ihre Echt­heit veri­fi­ziert werden.

Mit einer gesetz­li­chen Grund­la­ge kön­nen die Daten der SMVS-Daten­bank auch genutzt wer­den, um den Behör­den von BAG, BWL und Armee­apo­the­ke als ver­läss­li­ches Pla­nungs­in­stru­ment zur Anti­zi­pa­ti­on, Fest­stel­lung und Bewäl­ti­gung von Ver­sor­gungs­lücken zu die­nen. Sie bie­tet elek­tro­nisch einen tages­ak­tu­el­len Über­blick über Anzahl und Ver­füg­bar­keit aller ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­tel­packun­gen in der Schweiz. Statt mit gro­ssem Auf­wand die Schaf­fung einer neu­en, natio­na­len Daten­bank ohne Anschluss an die euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­da­ten­bank zu schaf­fen, ist es finan­zi­ell und zeit­lich von Vor­teil, die bereits bestehen­den Daten der SMVS-Daten­bank zu nutzen.

Die Ver­nehm­las­sung zur Ver­ord­nung über die indi­vi­du­el­len Erken­nungs­merk­ma­le und Sicher­heits­vor­rich­tun­gen auf der Ver­packung von Human­arz­nei­mit­teln ist abge­schlos­sen. Die Mehr­heit der Ver­nehm­las­sungs­teil­neh­men­den sprach sich für das obli­ga­to­ri­sche Anbrin­gen und die Über­prü­fung der Sicher­heits­merk­ma­le und ‑vor­rich­tun­gen aus – gleich wie in der EU. Nur mit die­ser Ver­bind­lich­keit ist sicher­ge­stellt, dass alle ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­tel, die in der SMVS-Daten­bank ent­hal­ten sind, sich auch auf dem Schwei­zer Markt befinden.

Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats vom 31.8.2022

1. Der Bun­des­rat unter­stützt das von der Moti­on vor­ge­brach­te Anlie­gen. Um die Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen zu för­dern, hat das Bun­des­amt für Gesund­heit (BAG) Anfang Mai 2022 vom Bun­des­rat den Auf­trag erhal­ten, ein Pro­gramm zur För­de­rung der Digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen zu lan­cie­ren. Ziel ist es, bis Ende 2023 dem Par­la­ment eine Bot­schaft inklu­si­ve eines ent­spre­chen­den Ver­pflich­tungs­kre­di­tes zur Umset­zung des Pro­gramms zu unterbreiten.

Der Bun­des­rat weist dar­auf hin, dass im Gesund­heits­be­reich nur weni­ge gesetz­lich fest­ge­leg­te ein­heit­li­che Stan­dards exi­stie­ren; unter ande­rem des­we­gen, weil der Bund im Gesund­heits­we­sen nur über eine sehr beschränk­te Rege­lungs­kom­pe­tenz ver­fügt. Eines der zen­tra­len Punk­te des erwähn­ten Pro­gramms wird des­we­gen sicher sein, mehr Ver­bind­lich­keit zu Stan­dards zu schaffen.

Der Bun­des­rat ist bereit, das Par­la­ment im Rah­men der Kom­mis­si­ons­ar­bei­ten regel­mä­ssig über den Stand der Umset­zung zu informieren.

2. Dem Bun­des­rat ist eine siche­re und geord­ne­te Ver­sor­gung der Schweiz mit Heil­mit­teln wich­tig. Er hat am 16. Febru­ar 2022 einen Bericht des BAG zu Ver­sor­gungs­eng­päs­sen mit Human­arz­nei­mit­teln in der Schweiz zur Kennt­nis genom­men. Zudem hat er das BAG und das Bun­des­amt für wirt­schaft­li­che Lan­des­ver­sor­gung (BWL) beauf­tragt, die in die­sem Bericht vor­ge­schla­ge­nen Mass­nah­men ver­tieft zu prü­fen und dem Bun­des­rat einen kon­kre­ten Umset­zungs­ka­ta­log zu unter­brei­ten. Bestand­teil die­ser Arbei­ten ist auch die Aus­ar­bei­tung eines kon­kre­ten Ver­bes­se­rungs­vor­schla­ges für die Anti­zi­pa­ti­on, Fest­stel­lung und Bewäl­ti­gung von Ver­sor­gungs­lücken. Die SMVS-Daten­bank stellt hier eine mög­li­che Opti­on dar, eine umfas­sen­de Ana­ly­se ist jedoch noch im Gange.

Zudem ist die Aus­wer­tung der Ver­nehm­las­sung der Ver­ord­nung über die indi­vi­du­el­len Erken­nungs­merk­ma­le und Sicher­heits­vor­rich­tun­gen auf der Ver­packung von Human­arz­nei­mit­teln noch nicht abge­schlos­sen, sie muss­te auf­grund der Arbei­ten zur Bewäl­ti­gung Covid-19-Pan­de­mie deprio­ri­siert wer­den. Es gab ver­schie­de­ne kri­ti­sche Stim­men hin­sicht­lich dem obli­ga­to­ri­schen Anbrin­gen und der Über­prü­fung der Sicher­heits­merk­ma­le und ‑vor­rich­tun­gen. Dem­entspre­chend ist der Ent­scheid, ob eine obli­ga­to­ri­sche oder fakul­ta­ti­ve Lösung umge­setzt wer­den soll, noch offen.

Der Bun­des­rat ist daher der Mei­nung, dass die­sen Arbei­ten nicht vor­ge­grif­fen wer­den soll. Ein Ent­scheid hin­sicht­lich einer mög­li­chen Ver­wen­dung der SMVS-Daten­bank kann nach Abschluss obi­ger Arbei­ten erfolgen.