Moti­on FDP (20.3243): Covid-19. Die Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen beschleu­ni­gen

Moti­on FDP (20.3243): Covid-19. Die Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen beschleu­ni­gen

Ein­ge­reich­ter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, in Zusam­men­ar­beit mit den betrof­fe­nen Akteu­ren, die erfor­der­li­chen Mass­nah­men zu tref­fen, um den Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zess unse­res Gesund­heits­sy­stems zu beschleu­ni­gen. Der Akzent soll dabei unter ande­rem auf den fol­gen­den Punk­ten lie­gen:

1. Das elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­dos­sier muss im Gesund­heits­we­sen für alle Akteu­re rasch zur Norm wer­den.

2. Der Ein­satz der Tele­me­di­zin ist aner­kannt und wird geför­dert.

3. Jede Art von Kor­re­spon­denz zwi­schen den Akteu­ren im Gesund­heits­we­sen erfolgt digi­tal. Aus­nah­men sind mög­lich für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die beschränkt Zugang zu digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln haben.

4. Der Ein­satz von Anwen­dun­gen, die es den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten erlau­ben, ihren Gesund­heits­zu­stand zu kon­trol­lie­ren, wird geför­dert, auch in der Grund­ver­si­che­rung.

5. Der Online-Bezug von Medi­ka­men­ten wird erleich­tert und wäh­rend der Kri­se des Gesund­heits­we­sens geför­dert.

Begrün­dung

Die Kri­se im Zusam­men­hang mit Covid-19 hat den Rück­stand der Schweiz in der Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­sy­stems auf­ge­zeigt. Die alar­mie­ren­de Fest­stel­lung der Ber­tels­mann-Stif­tung, wonach die Schweiz im Digi­tal-Health-Rating 2019 unter 18 Indu­strie­län­dern auf Rang 14 liegt, hat sich dadurch bestä­tigt.

Die Schweiz muss ihren Rück­stand in die­sem Bereich rasch auf­ho­len. Das indi­vi­du­el­le elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­dos­sier, das im sta­tio­nä­ren und ambu­lan­ten Bereich akzep­tiert ist und auch genutzt wird, muss rasch ein­ge­führt wer­den. Die Covid-19-Kri­se hat die Not­wen­dig­keit auf­ge­zeigt, den Zugang zur Tele­me­di­zin zu erleich­tern und zu för­dern, um fle­xi­ble­re Kon­sul­ta­tio­nen zu ermög­li­chen und unnö­ti­ge Rei­sen (Ansteckungs­ri­si­ko) zu ver­mei­den. Zudem darf die Kor­re­spon­denz zwi­schen den Akteu­ren aus­schliess­lich elek­tro­nisch erfol­gen. Aus­nah­men kön­nen vor­ge­se­hen wer­den für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit einem beschränk­ten Zugang zu digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln. Zudem soll die Nut­zung von Anwen­dun­gen, mit denen der per­sön­li­che Gesund­heits­zu­stand selbst kon­trol­liert wer­den kann, geför­dert wer­den, und zwar auch in der Grund­ver­si­che­rung. Das Poten­zi­al die­ser neu­en Mit­tel muss voll­um­fäng­lich aus­ge­schöpft wer­den. Die Covid-19-Kri­se hat das Bedürf­nis auf­ge­zeigt, dass die Fra­ge des Online-Bezugs von Medi­ka­men­ten geklärt wer­den muss. In nor­ma­len Zei­ten muss die Lie­fe­rung von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Medi­ka­men­ten erleich­tert wer­den. In Kri­sen­zei­ten muss es mög­lich sein, nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te direkt nach Hau­se zu bestel­len.

Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats vom 2.9.20

1. bis 3. Der Bun­des­rat teilt die Ein­schät­zung, dass bezüg­lich Digi­ta­li­sie­rung im Schwei­zer Gesund­heits­sy­stem Nach­hol­be­darf besteht. So wird im Rah­men der Umset­zung der Stra­te­gie eHe­alth Schweiz 2.0 vom Dezem­ber 2018 die Ein­füh­rung und anschlie­ssen­de Ver­brei­tung des elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­siers (EPD) gemein­sam mit den Kan­to­nen und allen invol­vier­ten Akteu­ren vor­an­ge­trie­ben. Wei­ter­ge­hen­de Mass­nah­men zur För­de­rung der Ver­brei­tung des EPD wer­den zur­zeit im Rah­men der Umset­zung des Postu­la­tes 18.4328 Wehr­li “Elek­tro­ni­sches Pati­en­ten­dos­sier. Was gibt es noch zu tun bis zu sei­ner flä­chen­decken­den Ver­wen­dung?” geprüft. Die För­de­rung des Ein­sat­zes der Tele­me­di­zin sowie des digi­ta­len Daten­aus­tau­sches zwi­schen allen Akteu­ren des Gesund­heits­we­sens (z.B. elek­tro­ni­sche Rech­nungs­stel­lung) ist dem Bun­des­rat eben­falls ein Anlie­gen und wird im Rah­men ver­schie­de­ner Vor­ha­ben (z.B. Mass­nah­men­pa­ke­te zur Kosten­dämp­fung) auf­ge­nom­men. Die För­de­rung eines gesund­heits­ge­rech­ten Ver­hal­tens durch den Ein­satz digi­ta­ler Instru­men­te ist eine der Mass­nah­men der Natio­na­len Stra­te­gie zur Prä­ven­ti­on nicht­über­trag­ba­rer Krank­hei­ten 2017 – 2024 (NCD-Stra­te­gie; Mass­nah­me 2.5, “Die Nut­zung neu­er Tech­no­lo­gien för­dern”). Eben­so wird in der ver­ab­schie­de­ten eHe­alth Stra­te­gie 2.0 expli­zit die För­de­rung von mobi­le Health als Ziel genannt, um die Poten­zia­le von Tele­me­di­zin und Tele­mo­ni­to­ring zu nut­zen.

4. Es gibt bereits heu­te digi­ta­le Anwen­dun­gen und Apps zur Über­wa­chung des Gesund­heits­zu­stan­des, die durch die obli­ga­to­ri­sche Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung (OKP) ver­gü­tet wer­den kön­nen. Aller­dings müs­sen als Vor­aus­set­zung der Ver­gü­tung die Kri­te­ri­en der Wirk­sam­keit, Zweck­mä­ssig­keit und Wirt­schaft­lich­keit (WZW-Kri­te­ri­en) erfüllt sein.

Die Inte­gra­ti­on von Anwen­dun­gen zur Über­wa­chung des Gesund­heits­zu­stands in Abhän­gig­keit mit Bonus­pro­gram­men in der OKP lehnt der Bun­des­rat hin­ge­gen ab. Wie in der Stel­lung­nah­me zur Moti­on 18.3976 Hum­bel “Umset­zung der NCD-Stra­te­gie. Elek­tro­ni­sches Pati­en­ten­dos­sier nut­zen für Anrei­ze zu gesund­heits­be­wuss­tem Ver­hal­ten” aus­ge­führt, muss beim Ein­satz von ent­spre­chen­den Anwen­dun­gen berück­sich­tigt wer­den, dass in der Grund­ver­si­che­rung das Soli­da­ri­täts­prin­zip gilt. Durch ent­spre­chen­de Bonus­pro­gram­me wür­den kran­ke, kör­per­lich beein­träch­tig­te, betag­te, unsport­li­che und tech­nisch nicht so ver­sier­te Per­so­nen jedoch dis­kri­mi­niert wer­den. Eben­so wer­den Ver­si­cher­te, die der Pri­vat­sphä­re und dem Daten­schutz hohe Bedeu­tung bei­mes­sen, benach­tei­ligt.

5. Der Bun­des­rat prüft in Erfül­lung des Postu­lats Stahl 19.3382 “Ver­sand­han­del mit nicht­ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln”, wie der Ver­sand­han­del mit nicht­ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln in nor­ma­len Zei­ten ermög­licht wer­den kann, ohne dabei die Behand­lungs­si­cher­heit und Qua­li­tät im Ver­gleich mit der Abga­be durch den sta­tio­nä­ren Fach­han­del zu beein­träch­ti­gen. Der Bun­des­rat wird den Bericht zum Postu­lat vor­aus­sicht­lich im 2022 ver­ab­schie­den.

Durch die Covid-19-Epi­de­mie hat die Dis­kus­si­on um eine Auf­he­bung des Ver­bots des Ver­sands von Arz­nei­mit­teln ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung eine gewis­se Aktua­li­tät erhal­ten. Das Bun­des­amt für Gesund­heit (BAG) kam zusam­men mit Swiss­me­dic, dem Bun­des­amt für wirt­schaft­li­che Lan­des­ver­sor­gung sowie den kan­to­na­len Voll­zugs­stel­len im Rah­men einer Unter­su­chung aller­dings zum Schluss, dass die Ver­sor­gung von Men­schen, wel­che ihr Zuhau­se nicht ver­las­sen konn­ten, durch spi­talex­ter­ne Dien­ste, Haus­lie­fe­run­gen der öffent­li­chen Apo­the­ken und Dro­ge­rien sowie die Hil­fe durch Ange­hö­ri­ge auch in der ausser­or­dent­li­chen Lage sicher­ge­stellt wer­den konn­te. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die Ver­ab­schie­dung des Berichts in Erfül­lung des Postu­lats Stahl 19.3382 abge­war­tet wer­den, ehe wei­te­re Schrit­te beschlos­sen wer­den.