Moti­on Graf-Lit­scher (11.3871): Öff­nung der Daten­be­stän­de des Bun­des. Open Government Data
Abge­lehnt (12.06.2014)

Eingereichter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, die fol­gen­den Mass­nah­men umzu­set­zen:

1. Auf­bau und Publi­ka­ti­on eines zen­tra­len Ver­zeich­nis­ses aller Daten­be­stän­de des Bun­des mit Anga­ben zu Inhalt, Struk­tur, Ver­wen­dungs­zweck und recht­li­chem Sta­tus betref­fend Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit;

2. Auf­bau eines zen­tra­len Zugangs (Por­tal) zu den öffent­lich ver­füg­ba­ren, aktu­el­len und archi­vier­ten Daten des Bun­des;

3. beglei­ten­de Mass­nah­men, um die offen zugäng­li­chen Daten­be­stän­de in der Öffent­lich­keit bekannt­zu­ma­chen und deren Nut­zung zu för­dern.

Begründung

Die offe­ne Zugäng­lich­keit und die freie Wie­der­ver­wen­dung per­so­nen­un­ab­hän­gi­ger und sicher­heits­po­li­tisch unbe­denk­li­cher Daten­be­stän­de der öffent­li­chen Ver­wal­tung (“Open Government Data”) sind ein Anlie­gen, das auch in der Schweiz auf zuneh­men­des Inter­es­se stösst. Offen zugäng­li­che Behör­den­da­ten ent­hal­ten ein bis anhin uner­schlos­se­nes Poten­zi­al für mehr Trans­pa­renz, Inno­va­ti­on und Kosten­ein­spa­run­gen. Der Bun­des­rat hält in sei­ner Ant­wort vom 29. Juni 2011 auf mei­ne Inter­pel­la­ti­on 11.3358, “Anwen­dung des Öffent­lich­keits­ge­set­zes”, fest, auf wel­chen recht­li­chen Grund­la­gen der Bund sei­ne Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gegen­über der Öffent­lich­keit wahr­nimmt. Zudem wird auf das Pilot­pro­jekt “Sin­gle Point of Ori­en­ta­ti­on” des Schwei­ze­ri­schen Bun­des­ar­chi­ves ver­wie­sen, mit wel­chem eine bür­ger­freund­li­che Über­sicht über die Unter­la­gen der Bun­des­ver­wal­tung sowie eine ein­fa­che Gesuch­stel­lung rea­li­siert wer­den.

Die­se Ent­wick­lung ist zu begrü­ssen, es sind aber wei­ter gehen­de Mass­nah­men not­wen­dig. Ver­gleich­ba­re Erfah­run­gen in ande­ren Län­dern zei­gen, dass der volks­wirt­schaft­li­che Nut­zen offen zugäng­li­cher Behör­den­da­ten erst mit der Ein­rich­tung eines zen­tra­len Zugangs zu die­sen Daten­be­stän­den ein­setzt.

Die­ser zen­tra­le Zugang – unter Bei­be­hal­tung der dezen­tra­len Daten­ho­heit der ein­zel­nen Amts­stel­len – ermög­licht nicht nur die inhalt­li­che Recher­che über ver­wal­tungs­in­ter­ne Orga­ni­sa­ti­ons­gren­zen hin­weg, son­dern erleich­tert auch die Ver­ein­heit­li­chung der recht­li­chen und tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen für die Nut­zung der Daten.

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h1>Stellungnahme des Bun­des­rats

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11.3884, “Open Government Data als stra­te­gi­scher Schwer­punkt im E‑Government”, ange­spro­chen. In sei­ner Stel­lung­nah­me vom 9. Novem­ber 2011 hat der Bun­des­rat die­ser Pro­ble­ma­tik Rech­nung getra­gen; er schlug vor, die­se Fra­gen in einem Bericht zu prü­fen, der in Zusam­men­ar­beit mit den Kan­to­nen und Gemein­den im Rah­men der Umset­zung der E‑Go­vernment-Stra­te­gie in der Schweiz erar­bei­tet wer­den soll. Der Bun­des­rat ist bereit, dabei die mit der vor­lie­gen­den Moti­on sich stel­len­den Fra­gen ein­zu­be­zie­hen.

Falls Punkt 1 der Moti­on im Natio­nal­rat ange­nom­men wird, schla­gen wir daher vor, den Moti­ons­text wie folgt abzu­än­dern:

Auf­bau und Publi­ka­ti­on eines zen­tra­len Ver­zeich­nis­ses aller Daten­be­stän­de des Bun­des mit Anga­ben zu Inhalt, Struk­tur, Ver­wen­dungs­zweck und recht­li­chem Sta­tus betref­fend Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit, es sei denn, eine Vor­stu­die erge­be, dass die Umset­zung unver­hält­nis­mä­ssi­ge Kosten ver­ur­sa­chen wür­de.”

2. Die Rea­li­sie­rung eines “Sin­gle Point of Ori­en­ta­ti­on” ist bereits ein Bun­des­rats­ziel des Jah­res 2011. Die­se Arbei­ten sol­len 2012 wei­ter­ge­führt wer­den.

3. Sofern Punkt 1 der Moti­on ange­nom­men wird, ist es sicher zweck­mä­ssig, den Zugang zu den Daten durch geeig­ne­te Mass­nah­men bekannt­zu­ma­chen und die Nut­zung der Daten­be­stän­de zu för­dern.

Bericht der Staatspolitischen Kommission vom 11. April 2014

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.