Postu­lat Fivaz (21.4498): Per­so­na­li­sier­te Wer­bung. Ver­bot von Wer­bung, die auf Daten­be­schaf­fung und Pro­filing basiert

Postu­lat Fivaz (21.4498): Per­so­na­li­sier­te Wer­bung. Ver­bot von Wer­bung, die auf Daten­be­schaf­fung und Pro­filing basiert

Ein­ge­reich­ter Text

Der Bun­des­rat wird auf­ge­for­dert, die Aus­wir­kun­gen von geziel­ter Wer­bung, die auf der Beschaf­fung von Daten beruht (per­so­na­li­sier­te Wer­bung), zu unter­su­chen und in einem Bericht eine Geset­zes­än­de­rung vor­zu­schla­gen, um den Ein­satz sol­cher Wer­bung zu ver­bie­ten oder stark zu regulieren.

Begrün­dung

Das domi­nie­ren­de Geschäfts­mo­dell der gro­ssen Unter­neh­men der Digi­ta­li­sie­rung, ins­be­son­de­re Goog­le und Face­book, beruht auf der Beschaf­fung von Per­so­nen­da­ten, dem Pro­filing und dem Ver­kauf sol­cher Infor­ma­tio­nen, um ziel­ge­rich­tet Wer­bung machen zu können.

Nach dem Mot­to “Wenn es kosten­los ist, bist du das Pro­dukt” kämp­fen die­se Unter­neh­men um unse­re Auf­merk­sam­keit und ver­kau­fen sie an den Meist­bie­ten­den: Die Zeit, die wir auf Face­book ver­brin­gen, ver­brin­gen wir nicht auf Goog­le und noch weni­ger auf ande­ren Medien.

Der Wett­be­werb in die­sem Bereich ist in vie­ler­lei Hin­sicht schäd­lich. Er führt dazu, dass die Unter­neh­men Algo­rith­men ent­wickeln, die extre­me Mei­nun­gen und irre­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen för­dern und die Ziel­grup­pen in ihrem Den­ken fixie­ren. Die­se Algo­rith­men stel­len ein Risi­ko für die Gesund­heit und für die Demo­kra­tie dar und füh­ren zu mehr Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von Ras­se, Geschlecht usw. Im Gegen­zug finan­zie­ren die Tech-Gigan­ten durch die Platz­ie­rung von Wer­bung sehr stark Web­sites, die irre­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen ver­brei­ten oder gewalt­tä­ti­gen Grup­pie­run­gen dienen.

Die bis­he­ri­gen Lösun­gen der Anbie­te­rin­nen von sozia­len Netz­wer­ken funk­tio­nie­ren nicht (sog. Key­word Blacklists).

Die­ses Postu­lat for­dert den Bun­des­rat auf, die Aus­wir­kun­gen von geziel­ter Wer­bung, die auf Daten­be­schaf­fung beruht, zu unter­su­chen und in einem Bericht eine Geset­zes­än­de­rung vor­zu­schla­gen, um den Ein­satz sol­cher Wer­bung zu ver­bie­ten oder stark zu regulieren.

Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats vom 23.02.2022

Im Bericht des BAKOM vom 17. Novem­ber 2021 “Inter­me­diä­re und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men, Aus­wir­kun­gen auf die öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ansät­ze einer Gover­nan­ce” wur­den die im Postu­lat ange­spro­che­nen Pro­ble­me bereits erör­tert, ins­be­son­de­re in Bezug auf den Ein­satz von Algo­rith­men und deren man­geln­de Trans­pa­renz sowie die Aus­wir­kun­gen von geziel­ter Wer­bung auf Des­in­for­ma­ti­on und Hass­re­de (https://www.bakom.admin.ch/bakom/de/home/digital-und-internet/digitale-kommunikation/kommunikationsplattformen.html). Ver­schie­de­ne vom BAKOM in Auf­trag gege­be­ne Stu­di­en kom­men zum Schluss, dass die Bevöl­ke­rung auf einen effek­ti­ven Schutz vor ille­ga­ler Hass­re­de und Des­in­for­ma­ti­on Anspruch hat, sowie dass die Rech­te der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer gegen­über den Inter­me­diä­ren bes­ser geschützt wer­den müss­ten. Der Bericht des BAKOM kommt zum Schluss, dass eine brei­te Dis­kus­si­on zur Fra­ge der gesell­schaft­li­chen Ein­bin­dung und Gover­nan­ce von Inter­me­diä­ren in der Schweiz, aber auch gera­de im inter­na­tio­na­len Kon­text not­wen­dig ist. Der Bun­des­rat hat das UVEK (BAKOM) beauf­tragt, ihm bis Ende 2022 ein Aus­sprache­pa­pier vor­zu­le­gen, in dem dar­ge­legt wird, ob und gege­be­nen­falls wie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men regu­liert wer­den sollen.

Zu erwäh­nen ist fer­ner, dass das neue Bun­des­ge­setz vom 25. Sep­tem­ber 2020 über den Daten­schutz (BBl 2020 7639) die Trans­pa­renz bei der Beschaf­fung von Per­so­nen­da­ten ver­bes­sert und die Rech­te von Pri­vat­per­so­nen stärkt.

Aus die­sen Grün­den ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass ein neu­er Bericht zu die­ser Fra­ge kei­ne neu­en Erkennt­nis­se brin­gen wür­de und dass das Postu­lat zumin­dest teil­wei­se bereits erfüllt ist.