Postu­lat RK‑N (26.3517): Revi­si­on der Straf­pro­zess­ord­nung in Bezug auf digi­ta­le Ermitt­lungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re mit Blick auf künst­li­che Intel­li­genz (KI)

Ein­ge­reich­ter Text

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, den aktu­el­len Stand der Straf­pro­zess­ord­nung (StPO) im Hin­blick auf ihre Taug­lich­keit zu ana­ly­sie­ren, den Anfor­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung gerecht zu wer­den, und im Rah­men eines umfas­sen­den Berichts, der auch schon mög­li­che Geset­zes­an­pas­sun­gen auf­zei­gen soll, ins­be­son­de­re darzulegen:

  • in wel­chen Fäl­len neue gesetz­li­che Grund­la­gen für Ermitt­lun­gen mit­tels auto­ma­ti­sier­ter Ver­fah­ren erfor­der­lich sind (z.B. für KI-gestütz­te Gesichts­er­ken­nung, Muster- und Clu­ster­ana­ly­sen, Open-Source-Intel­li­gence in Echtzeit);
  • ob die bestehen­den Rege­lun­gen zur Erhe­bung, Sie­ge­lung und Ver­wer­tung von Beweis­mit­teln den heu­ti­gen Gege­ben­hei­ten digi­ta­ler Daten entsprechen;
  • wie der recht­li­che Rah­men für den Umgang mit digi­ta­len und cloud­ba­sier­ten Beweis­mit­teln aus­ge­stal­tet wer­den müss­te, um eine effi­zi­en­te Straf­ver­fol­gung zu ermög­li­chen und gleich­zei­tig die Grund‑ und Per­sön­lich­keits­rech­te der Betrof­fe­nen zu schüt­zen; hier­bei sind die lau­fen­den Arbei­ten zur inter­na­tio­na­len Sicher­stel­lung elek­tro­ni­scher Beweis­mit­tel (E‑Evidence) zu berücksichtigen;
  • wel­che Transparenz‑, Dokumentations‑ und Löschungs­pflich­ten ein­zu­füh­ren sind, um den Schutz der Grund­rech­te beim Ein­satz auto­ma­ti­sier­ter Ver­fah­ren zu gewährleisten;
  • unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen KI‑gestütztes Triage‑Verfahren (z. B. Schlüsselwort‑ und Clu­ster­ana­ly­sen im Ent­sie­ge­lungs­ver­fah­ren) auch ohne spe­zi­fi­sche gesetz­li­che Grund­la­ge zuläs­sig blei­ben kann.

Begrün­dung

Die Straf­pro­zess­ord­nung wur­de zu einer Zeit ver­ab­schie­det, in der die Ermitt­lungs­rea­li­tät noch weit­ge­hend von lokal gebun­de­nen Ver­fah­ren und phy­sisch greif­ba­ren Beweis­mit­teln geprägt war. Obwohl sie grund­sätz­lich tech­no­lo­gie­neu­tral aus­ge­stal­tet ist, gera­ten die Grund­an­nah­men der StPO zuneh­mend in Span­nung zur heu­ti­gen digi­ta­li­sier­ten und zuneh­mend trans­na­tio­na­len Straf­ver­fol­gungs­pra­xis. Digi­ta­le Beweis­mit­tel und immer mehr auf künst­li­cher Intel­li­genz basie­ren­de Ana­ly­se­me­tho­den sind heu­te ein zen­tra­ler Bestand­teil der Beweis­füh­rung. Ihre Wür­di­gung stellt die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und Gerich­te ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Authen­ti­zi­tät, Mani­pu­la­ti­ons­an­fäl­lig­keit sowie die pro­zes­sua­len Anfor­de­run­gen an Erhe­bung, Sie­ge­lung und Ver­wer­tung vor neue Herausforderungen.

Das gel­ten­de Recht bil­det digi­ta­le Ermitt­lungs­in­stru­men­te und ‑rea­li­tä­ten bis­lang nur unvoll­stän­dig ab. Die wach­sen­de Bedeu­tung digi­ta­ler Beweis­mit­tel ver­schärft das Span­nungs­feld zwi­schen dem staat­li­chen Straf­ver­fol­gungs­in­ter­es­se und den ver­fas­sungs- sowie per­sön­lich­keits­recht­li­chen Schutz­in­ter­es­sen der betrof­fe­nen Per­so­nen. Die­ses Span­nungs­feld bedarf einer kla­re­ren gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung, um rechts­staat­lich ein­wand­freie und zugleich prak­ti­ka­ble Ver­fah­ren sicher­zu­stel­len. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Bun­des­rat im Jahr 2025 die Prü­fung neu­er gesetz­li­cher Grund­la­gen für den raschen und rechts­staat­lich abge­si­cher­ten Zugriff auf elek­tro­ni­sche Beweis­mit­tel im In‑ und Aus­land ein­ge­lei­tet. Der Postu­lats­be­richt soll auch die­se Arbei­ten mitberücksichtigen.