Schrems: Vor­la­ge­fra­gen des OGH an den EuGH

Der Ober­ste Gerichts­hof Öster­reichs (OGH) hat dem EuGH eine Rei­he von Fra­gen vor­ge­legt, im Zusam­men­hang mit einem Ver­fah­ren von Max Schrems gegen Face­book. Gegen­stand des Ver­fah­rens ist u.a. die Fra­ge, auf wel­cher Rechts­grund­la­ge Face­book bestimm­te Daten über Schrems verarbeitet.

Dabei geht es ins­be­son­de­re um die Fra­ge, ob sich Face­book zurecht auf Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO beru­fen hat, die Erfor­der­lich­keit der Ver­ar­bei­tung für einen Ver­trag. Die­se Fra­ge stellt sich des­halb, weil Face­book für die Ver­ar­bei­tung von Daten über Schrems nicht über eine Ein­wil­li­gung ver­fügt, in den AGB seit Gel­tung der DSGVO aber festhält,

Anstatt dafür zu zah­len […] erklärst du dich durch Nut­zung der Face­book-Pro­duk­te, für die die­se Nut­zungs­be­din­gun­gen gel­ten, ein­ver­stan­den, dass wir dir Wer­be­an­zei­gen zei­gen dür­fen … Wir ver­wen­den dei­ne per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten […] um dir Wer­be­an­zei­gen zu zei­gen, die rele­van­ter für dich
sind.“

Face­book hat durch die­se For­mu­lie­rung ver­sucht klar­zu­stel­len, dass der Nut­zer mit sei­nen Daten zahlt und die Bereit­stel­lung der ent­spre­chen­den Daten in die­sem Sin­ne eben­so Ver­trags­be­stand­teil ist wie die Bezah­lung eines Produkts.

Dem steht aber die sehr restrik­ti­ve Hal­tung des EDSA ent­ge­gen, der in sei­nen Leit­li­ni­en zur Aus­le­gung von des Art. 6 Abs. 1 b DSGVO ver­tritt, mass­ge­bend sei nicht der Wort­laut eines Ver­trags, son­dern sein objek­ti­ver Zweck, der auch nach den Erwar­tun­gen der betrof­fe­nen Per­so­nen zu bestim­men sei; not­wen­dig i.S.v. Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO sei nur, was objek­tiv für den vom EDSA typi­siert ver­stan­de­nen Ver­trag erfor­der­lich ist. Nicht aus­rei­chend sei eine nur wirt­schaft­li­che Ver­bin­dung zwi­schen dem Ver­trag und der Daten­ver­ar­bei­tung, und Wer­bung sei nicht not­wen­dig für einen Vertrag.

Vor die­sem Hin­ter­grund legt der OGH dem EuGH die Fra­ge vor, ob in einem sol­chen Fall lit. b greift oder viel­mehr eine Ein­wil­li­gung erfor­der­lich ist:

1. Sind die Bestim­mun­gen der Art 6 Abs 1 lit a und b DSGVO dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Recht­mä­ßig­keit von Ver­trags­be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Nut­zungs­be­din­gun­gen über Platt­form­ver­trä­ge […], die die Ver­ar­bei­tung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten für Aggre­ga­ti­on und Ana­ly­se von Daten zum Zwecke der per­so­na­li­sier­ten Wer­bung beinhal­ten, nach den Anfor­de­run­gen des Art 6 Abs 1 lit a iVm Art 7 DSGVO zu beur­tei­len sind, die nicht durch die Beru­fung auf Art 6 Abs 1 lit b DSGVO ersetzt wer­den können?

Wei­te­re Vor­la­ge­fra­gen betref­fen die Zuläs­sig­keit der Ana­ly­se von Nut­zungs­da­ten vor dem Grund­satz der Daten­mi­ni­mie­rung und die Fra­ge, ob Daten beson­ders schüt­zens­wert sind, wenn sie Auf­schluss über ent­spre­chen­de Eigen­schaf­ten geben (z.B. Homo­se­xua­li­tät), der Ver­ant­wort­li­che die­se Daten aber nicht ent­spre­chend ver­ar­bei­tet, d.h. hier in der Wer­bung nicht nach sol­chen Kri­te­ri­en differenziert.