Die Staats­po­li­ti­sche Kom­mis­si­on des Natio­nal­rats (SPK‑N) hat die Vor­be­ra­tung des revi­dier­ten DSG (17.059) abge­schlos­sen. Die Vor­la­ge wur­de in der Gesamt­ab­stim­mung aller­dings denk­bar knapp mit 9 zu 9 Stim­men bei 7 Ent­hal­tun­gen und Stich­ent­scheid des Prä­si­den­ten ange­nom­men, was nicht erstaunt, ange­sichts der Kol­li­si­on der Inter­es­sen von Kon­su­men­ten­schutz, Gewer­be und Unter­neh­men.

Der Medi­en­mit­tei­lung der SPK‑N zufol­ge ent­hält die zuhan­den des Natio­nal­rats ver­ab­schie­de­te Fas­sung fol­gen­de Haupt­punk­te:

  • Der EDÖB soll nicht mehr vom Bun­des­rat, son­dern von der Bun­des­ver­samm­lung gewählt wer­den.
  • Es wird ein Recht auf Daten­por­ta­bi­li­tät ein­ge­führt. Jede Per­son kann dem­nach von einem Dienst­lei­ster ver­lan­gen, sie betref­fen­de Per­so­nen­da­ten in einem gän­gi­gen For­mat an sie her­aus­zu­ge­ben, um die­se Daten einem ande­ren Dienst­lei­ster über­ge­ben zu kön­nen. Eine Min­der­heit woll­te offen­bar (über die DSGVO hin­aus), dass die­ses Recht für alle Per­so­nen­da­ten gilt und nicht nur für die­je­ni­gen, wel­che die Per­son bekannt gege­ben hat.
  • Daten über Sozi­al­hil­fe­mass­nah­men sind nicht mehr beson­ders schüt­zens­wert, weil es im Inter­es­se der Ver­trags­part­ner, der Anbie­ter oder der Öffent­lich­keit sein kön­ne, zu wis­sen, ob eine Per­son Sozi­al­hil­fe bezieht.Auch Daten über gewerk­schaft­li­che Tätig­kei­ten sol­len nicht mehr in die­se Kate­go­rie fal­len, dafür aber gene­ti­sche Daten.
  • Theo­re­tisch bri­sant, prak­tisch wohl weni­ger: Aus­län­di­sche Unter­neh­men, die in der Schweiz Dienst­lei­stun­gen anbie­ten, sol­len sich an das DSG hal­ten und einen Ver­tre­ter in der Schweiz bezeich­nen.
  • Die geson­der­te Rege­lung für den Umgang mit den Daten ver­stor­be­ner Per­so­nen soll gestri­chen wer­den.
  • Mit deut­li­cher Mehr­heit will die Kom­mis­si­on das vom Bun­des­rat vor­ge­schla­ge­ne Sank­ti­ons­sy­stem anneh­men, d.h. ein System straf­recht­li­cher Sank­tio­nen gegen natür­li­che Per­so­nen (nament­lich Füh­rungs­kräf­te). Juri­sti­sche Per­so­nen sol­len nur in bestimm­ten Fäl­len sank­tio­niert wer­den kön­nen. Die Kom­mis­si­on hat aber ein Postu­lat (18.4100) ein­ge­reicht, das den Bun­des­rat beauf­tragt, die all­ge­mei­ne Ein­füh­rung von peku­niä­ren Ver­wal­tungs­sank­tio­nen im schwei­ze­ri­schen Recht zu prü­fen. Der Höchst­be­trag der Bus­sen soll bei CHF 250’000 blei­ben. Zwei Min­der­hei­ten spre­chen sich für höhe­re Bus­sen aus.
  • Das revi­dier­te DSG soll zwei Jah­re nach Ablauf der Refe­ren­dums­frist in Kraft tre­ten.
  • Die Kom­mis­si­on hat meh­re­re Motio­nen ein­ge­reicht, die den Bun­des­rat auf­for­dern, die Daten­schutz­be­stim­mun­gen in ande­ren Bun­des­ge­set­zen zu ver­voll­stän­di­gen (19.3960, 19.3961, 19.3962, 19.3963, 19.3964, 19.3965).

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.