Stan­des­in­itia­ti­ve Basel-Land (22.318): Die Digi­ta­li­sie­rung des Schwei­zer Gesund­heits­we­sens vor­an­trei­ben. Daten­ba­sier­tes Öko­sy­stem für For­schung und Gesell­schaft entwickeln

Stan­des­in­itia­ti­ve Basel-Land (22.318): Die Digi­ta­li­sie­rung des Schwei­zer Gesund­heits­we­sens vor­an­trei­ben. Daten­ba­sier­tes Öko­sy­stem für For­schung und Gesell­schaft entwickeln

Ein­ge­reich­ter Text

Die regu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen und auch ent­spre­chen­de Anrei­ze sind dahin­ge­hend anzu­pas­sen, dass das Schwei­ze­ri­sche Gesund­heits­sy­stem so rasch wie mög­lich digi­ta­li­siert und sich somit zu einem ver­netz­ten Gesund­heits­da­ten­öko­sy­stem wei­ter­ent­wickeln kann. Die Schweiz braucht jetzt

  • eine gemein­sa­me Infra­struk­tur, mit der Gesund­heits­da­ten erho­ben, ver­ar­bei­tet, gespei­chert, geteilt und auch gelöscht wer­den können;
  • gemein­sa­me tech­ni­sche, daten­schutz­kon­for­me und ethi­sche Stan­dards, die regeln, wie die­se Daten erfasst und struk­tu­riert wer­den sollen;
  • Auf­klä­rung, Auf­bau von Ver­trau­en und Akzep­tanz eines sol­chen Fun­da­ments;
  • regu­la­to­ri­sche Rah­men­be­din­gun­gen und Anreize;
  • Aus- und Wei­ter­bil­dun­gen von Fach­kräf­ten mit star­ken digi­ta­len Kompetenzen;
  • eine nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung und Inve­sti­tio­nen in die Digi­ta­li­sie­rung des Gesundheitswesens.

Begrün­dung

Die Schweiz hat Nach­hol­be­darf in der Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens. Dies bele­gen meh­re­re Quel­len (Ber­tels­mann Digi­tal-Health Index, OECD-Tech­ni­cal and Ope­ra­tio­nal Rea­di­ness Index, Stu­die zur Digi­ta­li­sie­rung in der Gesund­heits­for­schung von BAK Eco­no­mics, die WHO führt die Schweiz bei der Nut­zung von elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­siers ganz weit hin­ten an). Die Coro­na Pan­de­mie hat uns dies deut­lich vor Augen geführt. Das Schwei­zer Gesund­heits­we­sen hat kei­ne ent­spre­chend moder­ne Infra­struk­tur, um Daten zu erhe­ben, zu spei­chern und zu teilen.

In der Schweiz ist man einen hohen Wohl­stand gewohnt und man ver­lässt sich auf einen star­ken Life Sci­en­ces-Stand­ort. Der Anteil der Life Sci­en­ces-Expor­te beträgt aktu­ell über 51 Pro­zent an den gesamt­schwei­ze­ri­schen Expor­ten. In Zukunft kön­nen wir dies nur bei­be­hal­ten, wenn die Schweiz bei der Digi­ta­li­sie­rung auch im Gesund­heits­we­sen füh­rend mit dabei ist und sich stets wei­ter­ent­wickelt. Die daten­ba­sier­te Gesund­heits­wirt­schaft ist ein gro­sser Wan­del. Die Nut­zung von gesund­heits­be­zo­ge­nen Daten erlaubt bes­se­re Behand­lungs­the­ra­pien, eine geziel­te­re Gesund­heits­ver­sor­gung, aber auch eine effi­zi­en­te­re For­schung und Ent­wick­lung. Inve­sti­tio­nen in Geschäfts­be­rei­che oder Unter­neh­men, die im Digi­tal Health-Bereich tätig sind, neh­men welt­weit zu. Die Schweiz ver­liert hier jedoch zuneh­mend an Bedeu­tung und es fehlt an Fach­kräf­ten. Gesund­heits­da­ten für For­schung und Ent­wick­lung wer­den ent­spre­chend den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen anony­mi­siert, ver­schlüs­selt oder mit einer Ein­wil­li­gung ver­se­hen ver­wen­det. Trotz die­ser stren­gen Anfor­de­run­gen ste­hen aggre­gier­te Daten noch zu wenig zur Verfügung.

Die Erhe­bung und Struk­tur (kli­ni­scher) Daten im Gesund­heits­we­sen der Schweiz ist wenig regu­liert. Vor allem im ambu­lan­ten und teil­wei­se auch im Lang­zeit­pfle­ge­be­reich ist zudem die digi­ta­le Daten­ver­ar­bei­tung noch nicht flä­chen­deckend. Auch das Finan­zie­rungs­sy­stem des Gesund­heits­we­sens schafft nur bedingt Anrei­ze zur Zusam­men­ar­beit der ein­zel­nen Lei­stungs­er­brin­ger. Das führt dazu, dass die vor­han­de­nen Gesund­heits­da­ten in ein­zel­nen, grund­sätz­lich nicht mit­ein­an­der ver­knüpf­ten Syste­men abge­legt sowie deren Struk­tur, Seman­tik und Meta­da­ten nicht ein­heit­lich gere­gelt sind und Inter­ope­ra­bi­li­tät nicht flä­chen­deckend gege­ben ist. Feh­len­de ver­bind­li­che Vor­ga­ben zur Daten­struk­tur stel­len auch bei der Umset­zung des ePD eine Her­aus­for­de­rung dar.

Die Attrak­ti­vi­tät der Life Sci­en­ces-Indu­strie – einem Zug­pferd der Schwei­zer Volks­wirt­schaft und ihrer welt­weit hohen Repu­ta­ti­on – wird im inter­na­tio­na­len Ver­gleich abneh­men, wenn es nicht gelingt, die Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens rasch vor­an­zu­trei­ben. Die Schweiz kann viel ver­lie­ren, wenn die Her­aus­for­de­run­gen des begon­ne­nen Wan­dels nicht gemei­stert wer­den. Die Wei­chen müs­sen rasch gestellt werden.