Inter­pel­la­ti­on Gug­ger (23.4517): Künst­li­che Intel­li­genz und Mit­wir­kung. Gibt es Lücken im Gesetz?

Inter­pel­la­ti­on Gug­ger (23.4517): Künst­li­che Intel­li­genz und Mit­wir­kung. Gibt es Lücken im Gesetz?

Ein­ge­reich­ter Text

Schwei­zer Unter­neh­men set­zen ver­mehrt auf den Ein­satz von algo­rith­mi­schen Syste­men. Davon sind auch die Arbeit­neh­men­den betrof­fen. Ein Rechts­gut­ach­ten der Uni­ver­si­tät St. Gal­len zeigt auf, dass es im aktu­el­len gesetz­li­chen Rah­men Lücken gibt, gera­de in Bezug auf die Betei­li­gung der Arbeit­neh­men­den. Dadurch kön­nen Risi­ken ent­ste­hen, die den Nut­zen die­ser Syste­me schmä­lern. Dar­aus erge­ben sich fol­gen­de Fra­gen an den Bundesrat:

  1. Teilt der Bun­des­rat die Ein­schät­zung des Rechts­gut­ach­tens, dass es im Bereich der Mit­wir­kung gesetz­li­che Lücken gibt, ins­be­son­de­re wenn ver­mehrt algo­rith­mi­sche Syste­me genutzt wer­den? Wie sol­len die­se Lücken geschlos­sen werden?
  2. Wie schätzt der Bun­des­rat die Risi­ken für Arbeit­neh­men­de, die sich aus der Nut­zung algo­rith­mi­scher Syste­me am Arbeits­platz erge­ben, ein? Wie sieht der Bun­des­rat vor, die­sen Risi­ken zu begegnen?
  3. Inwie­fern kann die bestehen­de Sozi­al­part­ner­schaft gestärkt wer­den, um auf eine ver­mehr­te Nut­zung von Künst­li­cher Intel­li­genz am Arbeits­platz vor­be­rei­tet zu sein?
  4. Wel­che Zah­len gibt es zur Nut­zung von Künst­li­cher Intel­li­genz am Arbeits­platz und den posi­ti­ven und nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die die­se Nut­zung bereits jetzt auf Arbeit­neh­men­de hat?

Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes vom 14.2.2024

Zu Fra­ge 1: Das Mit­wir­kungs­ge­setz (SR 822.14) sieht ein all­ge­mei­nes Infor­ma­ti­ons­recht vor (Art. 9), das durch beson­de­re Mit­spra­che­rech­te ergänzt wird, nament­lich im Bereich der Gesund­heit am Arbeits­platz (Art. 10 Abs. 1 Bst. a i. V. m. Art. 48 Abs. 1 Bst. a des Arbeits­ge­set­zes [ArG]). Zusätz­lich zum Infor­ma­ti­ons- und dem Mit­spra­che­recht gibt es Vor­schrif­ten zum Gesund­heits­schutz, die den Ein­satz von Über­wa­chungs- oder Kon­troll­sy­ste­men, die das Ver­hal­ten der Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer am Arbeits­platz über­wa­chen sol­len, ver­bie­ten (Art. 26 Abs. 1 der Ver­ord­nung 3 zum Arbeits­ge­setz [ArGV 3]). Das neu revi­dier­te Daten­schutz­ge­setz (SR 235.1) ver­stärkt unter ande­rem die Infor­ma­ti­ons­pflicht bei auto­ma­ti­sier­ten Ent­schei­dun­gen und führt die Mög­lich­keit ein, die Über­prü­fung durch eine natür­li­che Per­son zu ver­lan­gen. Wei­ter ist dar­in die Pflicht zur Durch­füh­rung einer Daten­schutz-Fol­gen­ab­schät­zung ver­an­kert, wenn die geplan­te Bear­bei­tung ein hohes Risi­ko für die Per­sön­lich­keit oder die Grund­rech­te der betrof­fe­nen Per­son mit sich brin­gen kann.

Künst­li­che Intel­li­genz ent­wickelt sich somit nicht in einem rechts­frei­en Raum. Der Bun­des­rat hat am 22. Novem­ber 2023 eine Aus­le­ge­ord­nung mög­li­cher Regu­lie­rungs­an­sät­ze zum Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz unter der Feder­füh­rung des UVEK und des EDA in Auf­trag gege­ben, die auch all­fäl­li­gen sek­tor­spe­zi­fi­schen Regu­lie­rungs­be­darf umfas­sen wird. Die Ergeb­nis­se die­ser Arbei­ten wer­den vor­aus­sicht­lich Ende 2024 vor­lie­gen. Gestützt auf die­se Arbei­ten wird der Bun­des­rat beur­tei­len, ob in den genann­ten Rechts­ge­bie­ten allen­falls Lücken im Hin­blick auf den Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz am Arbeits­platz bestehen und ent­schei­den, wel­cher gesetz­ge­be­ri­scher Hand­lungs­be­darf besteht und wie die­sem Rech­nung getra­gen wer­den soll. Den Ergeb­nis­sen die­ser Arbei­ten soll nicht vor­ge­grif­fen werden.

Zu Fra­ge 2: Der Bun­des­rat ist sich bewusst, dass der zuneh­men­de Ein­satz von algo­rith­mi­schen Syste­men am Arbeits­platz mit Unsi­cher­hei­ten ver­bun­den ist. Die mög­li­che Regu­lie­rung von KI in der Schweiz ist daher auch ein Fokus­the­ma der Stra­te­gie «Digi­ta­le Schweiz» 2024, die sich für eine ver­ant­wor­tungs­vol­le digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on der Schweiz zugun­sten der gesam­ten Bevöl­ke­rung ein­setzt. All­fäl­li­ge Risi­ken für Arbeit­neh­men­de wer­den in die­sem Zusam­men­hang dis­ku­tiert und adres­siert werden.

Zu Fra­ge 3: Beim Erlass des Mit­wir­kungs­ge­set­zes ging der Gesetz­ge­ber davon aus, dass die Sozi­al­part­ner gemein­sam Lösun­gen erar­bei­ten. Es ist nun pri­mär an den Sozi­al­part­nern selbst, die­se Ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men und sich auf eine ver­mehr­te Nut­zung von künst­li­cher Intel­li­genz vorzubereiten.

Zu Fra­ge 4: Der Bun­des­rat ver­fügt nicht über detail­lier­te Zah­len zur Nut­zung von künst­li­cher Intel­li­genz am Arbeits­platz. Hin­ge­gen zeigt der Moni­to­ring­be­richt des Bun­des­rats vom 09. Dezem­ber 2022 zu den Aus­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung auf den Arbeits­markt, dass sich Beru­fe und Tätig­kei­ten seit dem letz­ten Moni­to­ring 2017 zwar lau­fend ver­än­der­ten, dass sich dar­aus jedoch kei­ne nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Erwerbs­be­tei­li­gung oder die Qua­li­tät der Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se erga­ben. Der Bun­des­rat beob­ach­tet die Ent­wick­lung wei­ter­hin aufmerksam.

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