BGE 138 II 346 i.S. Goog­le Street View (dazu auch swiss­blawg):

Rege­ste
Daten­schutz­ge­setz, Art. 28 ff. ZGB; Gewähr­lei­stung des Per­sön­lich­keits­schut­zes bei der Publi­ka­ti­on von Per­so­nen­da­ten in Goog­le Street View.
Zustän­dig­keit des EDÖB (E. 3). Begriff der Per­so­nen­da­ten in Bezug auf die in Goog­le Street View ver­wen­de­ten Bil­der (E. 6.5). Daten­schutz­vor­schrif­ten für die Bear­bei­tung von Per­so­nen­da­ten (E. 7). Kon­kre­ti­sie­rung des in Art. 28 ZGB gewähr­lei­ste­ten Per­sön­lich­keits­schut­zes durch das Daten­schutz­recht, Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung und Recht am eige­nen Bild (E. 8). Berück­sich­ti­gung all­ge­mei­ner daten­schutz­recht­li­cher Grund­sät­ze (E. 9).
Inter­es­sen­ab­wä­gung in Bezug auf die Fra­ge, ob und inwie­weit die Bear­bei­tungs­me­tho­den ins­ge­samt geeig­net sind, die Per­sön­lich­keit einer gro­ssen Anzahl von Per­so­nen zu ver­let­zen: Es wird in Kauf genom­men, dass höch­stens ca. 1 % der Bil­der unge­nü­gend anony­mi­siert ins Inter­net gelan­gen und dar­auf erkenn­ba­re Per­so­nen und Fahr­zeug­kenn­zei­chen erst auf Anzei­ge der Betrof­fe­nen hin nach­träg­lich manu­ell unkennt­lich gemacht wer­den (E. 10.6 und 10.7). Pflicht zur effi­zi­en­ten, unbü­ro­kra­ti­schen und kosten­lo­sen nach­träg­li­chen Anony­mi­sie­rung (E. 10.6.3 und 14.4). Die vor­gän­gi­ge auto­ma­ti­sche Anony­mi­sie­rung ist lau­fend dem Stand der Tech­nik anzu­pas­sen (E. 10.6.5 und 14.1). Bei sen­si­blen Ein­rich­tun­gen (Schu­len, Spi­tä­lern, Alters­hei­men, Frau­en­häu­sern, Gerich­ten und Gefäng­nis­sen etc.) ist vor der Auf­schal­tung im Inter­net die voll­stän­di­ge Anony­mi­sie­rung von Per­so­nen und Kenn­zei­chen vor­zu­neh­men (E. 10.6.4 und 14.2). Bil­der von Pri­vat­be­rei­chen wie umfrie­de­ten Höfen, Gär­ten usw., die dem Ein­blick eines gewöhn­li­chen Pas­san­ten ver­schlos­sen blei­ben, dür­fen ohne Zustim­mung der Betrof­fe­nen grund­sätz­lich nicht ver­öf­fent­licht wer­den, soweit sie von einer Kame­ra­hö­he von über 2 m auf­ge­nom­men wur­den; Über­gangs­frist von max. drei Jah­ren zur Ent­fer­nung bereits auf­ge­schal­te­ter Bil­der, die die­ser Anfor­de­rung nicht ent­spre­chen (E. 10.7 und 14.3). Pflicht, in den Medi­en gene­rell über die Wider­spruchs­mög­lich­keit und spe­zi­ell über bevor­ste­hen­de Auf­nah­men und Auf­schal­tun­gen von Bil­dern zu infor­mie­ren (E. 10.6.3, 11 und 14.4).

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Rechtsanwalt bei FRORIEP. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich. Er ist Gründer von swissblawg.